Tiefenthal
Wunderschönes Konzert im Grünen zum Abschluss der Mauersberger-Ausstellung
Eigentlich, so sagte Wolfgang Thomeczek zu Beginn, hätte alles in der Familie bleiben sollten. Heinrich Mauersberger, der junge Maler, der die neue Verbandsgemeinde malerisch porträtiert hat, hat eine ganze Anzahl höchst musikalischer Geschwister – nur er selbst ist als bildender Künstler etwas aus der Art geschlagen –, und zwei davon hätten in der benachbarten protestantischen Kirche mit Orgel und Klarinette konzertieren sollen. Allerdings könne man derzeit nur 14 Zuhörer einlassen, was natürlich wenig sinnvoll sei. Also suchte Eva Mauersberger, die Klarinettistin, einen anderen, open-Air-tauglichen musikalischen Partner und fand ihn in dem jungen Pianisten Franz Mader, gleich ihr fortgeschrittener Student an der Musikhochschule in Weimar. Es war ihr erstes gemeinsames Auftreten – was, wenn es nicht gesagt worden wäre, niemand gemerkt hätte, so passgenau fügte beider Spiel sich ineinander.
Klar, vom ersten Ton an ganz rein artikuliert, ließ Eva Mauersberger die elegante Kantilene leuchten, mit der die Hommage à Bach von Béla Kovács für Soloklarinette beginnt. Ein zweiter Teil scheint eine Transkription Bachscher Musik zu sein oder ist zumindest ganz in ihrem Geist erfunden. Rasche Wechsel zwischen einander antwortenden Passagen, abwechselnd im hohen und im tiefen Register, erwecken den Eindruck, als seien zwei Instrumente am Werk. Das zu verwirklichen, ist eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, der Eva Mauersberger glänzend gerecht wurde.
Subtil, sympathisch, angenehm
Zärtliche Innigkeit prägte den langsamen Mittelsatz aus Wolfgang Amadé Mozarts herrlichem späten Klarinettenkonzert KV 622. Franz Mader repräsentierte den Orchestersatz auf dem E-Piano so delikat, subtil und differenziert, wie das auf diesem Instrument möglich ist. Der Vortrag war subtil, metrisch sehr exakt, vielleicht noch ein wenig zu vorsichtig, aber insgesamt überaus sympathisch und angenehm. Auch auf der unteren Gartenebene (hier waren die begehrten Schattenplätze und der Tisch mit kühlem Wein und Wasser) war jedes Detail klar und deutlich zu vernehmen, nur manchmal überlagert vom Verkehr und seinen wummernden Lautsprechern auf der Hauptstraße. Bei der Einrichtung der Lautsprecher hatte man sich hörbar viel Mühe gemacht.
Mader und Mauersberger harmonierten das ganze Konzert über vorzüglich, achteten stets aufeinander. Die Klarinettistin spielte schlackenlos, formte den Klarinettenklang elegant und angenehm gerundet, der Pianist artikulierte schwerelos und achtsam, eher zurückhaltend als auftrumpfend, so dass ausgewogene, geradezu edle Interpretationen das Resultat waren. Es gab danach zwei Stunden lang Musik bekannter und unbekannter Komponisten, von Robert Schumann und Friedrich Berr, Claude Debussy, Aaron Copland, Francis Poulenc, Victor Bruns und Ferruccio Busoni. Hier standen im Zentrum zumeist elegische Klarinettenkantilenen, die das Klavier so oder so umspielte und begleitete; lebhafter ging es gegen Ende hin zu mit Tanzmelodien von Rolf Thomas Lorenz und Horst Prentki.
Heinrich Mauersberger wusste vor allem zu den weniger bekannten Komponisten einiges Erläuternde zu sagen, was dem Hörer durchaus nützlich war.
Unter mittlerweile milder Sonne verging zu Zeit höchst angenehm, und merklich machte dieser musikalische Nachmittag der Begegnung allen Beteiligten große Freude. Ein würdiger Ausstellungsabschluss ...
Zur Sache: Bestens gelungen
Überaus zufrieden äußerten sich Galerist Wolfgang Thomeczek und VG-Bürgermeister Frank Rüttger zum Abschluss des durch die Corona-Seuche langgezogenen „Begegnung“-Projekts. „Ich war begeistert von Anfang an“, erklärte Rüttger. Die Bilder der 21 Gemeinden, die Heinrich Mauersberger geschaffen hat, sagten mehr als 1000 Worte, und der Bildband, der sie wiedergibt, sei bestens gelungen und sehr farbrichtig gedruckt. In einigen Wochen werde er über die Ortsgemeinden und die Verbandsgemeinde auch zu kaufen sein. Im gleichen Sinn äußerte sich Thomeczek. Die Woche der Begegnung, an der die Ausstellung der Gemälde an jedem Nachmittag geöffnet war, habe noch einmal viele Menschen ins Kunstkabinett geführt: „Es waren mehr Leute da als auf dem Grünstadter Bahnhof!“