Grünstadt Wunderschön und humorvoll
Mit einer ebenso wunderschönen wie humorvollen Inszenierung der „Zauberflöte“ hat der Evangelische Jugendchor Grünstadt am Sonntagabend den Schöpfer der Oper, Wolfgang Amadeus Mozart, alle Ehre gemacht. 42 Jungen und Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren brachten unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Gericke-Wohnsiedler den 1791 uraufgeführten und von M. B. Bender arrangierten Zwei-Akter in der gut besuchten Martinskirche auf die Bühne.
Dabei bewiesen die Sänger nicht nur gesangliches, sondern auch schauspielerisches Talent. Dass sie langsam und deutlich sprachen und mit viel Betonung sangen, hatten die Chormitglieder zwei engagierten Helfern von Gericke-Wohnsiedler zu verdanken: Heinz Wolfgang Krapf hatte die Sprechszenen mit ihnen einstudiert und die Sopranistin Sarah Funk zeichnete für die Einzelstimmbildung verantwortlich. Ihre Arbeit zeigte große Wirkung. Es war auf den ersten Blick ersichtlich, dass die Schüler professionelle Unterstützung erhalten hatten. „Und das hat ihnen großen Spaß gemacht“, erzählte Krapf der RHEINPFALZ von einem Probenwochenende im April. „Wir waren in der Jugendherberge Steinbach und die Kinder haben ganz oft von sich aus die Arien geübt.“ Im Januar habe man begonnen, die Oper einzustudieren. Das Publikum immer wieder zum Lachen brachte Paula Haderlein, die ihre Rolle als Vogelfänger Papageno fantastisch ausfüllte. Ihr Bruder Niklas steckte in einer grünen Schlangenhaut, die – wie viele Kostüme und Accessoires – von Hilde Säger genäht worden ist. Papageno entdeckt die tote Riesenschlange und den ohnmächtigen Prinzen Tamino (Paula Maxem). Als Letzterer aufwacht und sich über das leblose Reptil wundert, da er im Kampf ja nur daneben geschossen hätte, schwindelt der Vogelfänger und behauptet, dass er das Tier besiegt habe. Die drei Damen (Rabea Bechtel, Anna Gehrmann und Katharina Hollinghausen), Gesandte der Königin der Nacht (Jaling Franke) und die wahren Schlangentöter, verpassen ihm daraufhin ein Vorhängeschloss vor dem Mund. Putzig, wie Papageno dann trotzdem noch versucht, zu singen. Gegen das Versprechen, Tamino zu helfen und nie mehr zu lügen, wird er von diesem Fluch, nicht mehr reden zu können, befreit. Die beiden sollen die Königstochter Pamina (Anika Conrad), die von Sarastro (Leoni Lorenz) gefangen gehalten wird, retten. Für ihre Mission erhalten sie eine Zauberflöte und ein magisches Glockenspiel. Diese Instrumente sollen vor Gefahren schützen. Wer sie beherrscht, kann mit ihren Klängen auch Personen anlocken. Tamino hofft jedoch zunächst vergeblich, Pamina auf diese Weise zu sich zu holen. Und das obwohl er den Ratschlag der drei Knaben (Amelie Kleber, Aurel Philippsen und Patrick Schulz), beharrlich, geduldig und schweigsam zu sein, beherzigt. Stattdessen ist er plötzlich umringt von zwölf wilden Tieren. Eine lustige Szene. Die Akteure – alle mit liebevoll gebastelten Masken ausgestattet – streiten sich darüber, ob sich die Flöte wie Vogelgezwitscher anhört. Gespielt wurde sie quasi im Playback, denn vor der Bühne saß Flötistin Monika Höfling-Grote. Mit ihr zusammen „im Orchestergraben“ sorgten Susanne Roth-Schmidt (Oboe), Anne Erdmann-Schiegnitz (Violine), Gisela Major (Violoncello) und Bernd Wohnsiedler (Klavier) für die musikalische Begleitung der jungen Sänger, die vor einer ansprechenden Kulisse agierten. Die beidseitig bemalten Stellwände, die einen Wald, einen Schlosspark oder auch einen Palast von innen darstellten, hat Gerd Hauser gestaltet. Das Singspiel geht bekanntlich gut aus – Tamino bekommt seine Pamina, Papageno seine Papagena (Josefine Räuber). Dargeboten wurde es auf sehr hohem Niveau. Kaum enden wollender Applaus war der Lohn. Den Schlusschor der „Zauberflöte“ gab es als Zugabe.