Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Wo soll das Wasser künftig herkommen?

 Damit das Wasser in der Verbandsgemeinde Leiningerland in Zukunft auch zu Spitzenzeiten weiter zuverlässig fließt, muss jetzt s
Damit das Wasser in der Verbandsgemeinde Leiningerland in Zukunft auch zu Spitzenzeiten weiter zuverlässig fließt, muss jetzt schon vorgebaut werden.

Im Leiningerland wird heute schon mehr Wasser aus dem Boden entnommen, als sich neu bilden kann. Künftig ist mit einer Verschärfung dieses Problems zu rechnen, das hat ein neues Gutachten ergeben. Nun werden diverse Lösungsansätze geprüft. Probebohrungen und neue Kooperationen stehen in Rede.

Das Gutachten eines Gießener Fachbüros für Hydrogeologie lässt in Sachen Grundwasser keine allzu rosige Zukunft für das Leiningerland erahnen: Aktuell wird zwar nicht in jedem der fünf Gewinnungsgebiete zu viel Wasser aus dem Boden entnommen, zählt man sie alle zusammen, steht am Ende aber doch ein Minus. Und zwar vor der Zahl, die das Verhältnis der jährlichen Entnahme zur Neubildung von Grundwasser darstellt. Den Berechnungen zufolge sind es in Grünstadt und der Verbandsgemeinde Leiningerland -120 Millionen Liter im Jahr. Nimmt man die Entnahmestellen in der Verbandsgemeinde Freinsheim hinzu, die das Gutachten mit beauftragt hat, sind es -390 Millionen Liter oder -0,39 Millionen Kubikmeter im Jahr.

Welche Bedeutung das für die Entwicklung des Wasserhaushalts in der Region hat, liegt nahe: Der Grundwasserspiegel sinkt. Nach allem, was die Fachleute heute sagen können, wird sich der Vorgang in Zukunft beschleunigen und nicht verlangsamen – auch wegen des Klimawandels. Der sorgt bekanntlich für längere Trockenperioden und bringt Starkregenfälle statt feuchter Winter mit sich, die für die Neubildung von Grundwasser viel hilfreicher wären. Für das Jahr 2060 geht das Gutachten denn auch von einem Bedarf von etwa 4,88 Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr in den Verbandsgemeinden Leiningerland und Freinsheim sowie Grünstadt aus. Dem steht voraussichtlich ein Dargebot von 3,88 Millionen Kubikmetern gegenüber.

Grünstadt hat den Liefervertrag gekündigt

Was die Nutzung beziehungsweise Überbeanspruchung des vorhandenen Grundwassers in der Region angeht, sind vor allem die für das Grünstadter Gewinnungsgebiet berechneten Werte frappierend: Dort kommt auf ein Dargebot von 0,83 Millionen Kubikmetern im Jahr eine Fördermenge von 1,68 Millionen Kubikmetern im Jahr. Aus der Erkenntnis zogen die Stadtwerke Grünstadt eine klare Konsequenz: Den Liefervertrag, demzufolge sie der VG Leiningerland 720.000 Kubikmeter Wasser im Jahr schulden, haben sie gekündigt – er wird nach Ende der regulären Laufzeit am 31. Dezember 2028 aller Voraussicht nach nicht fortgeführt.

Auch wenn noch nicht klar ist, wie sich die Situation bis dahin entwickelt und ob vielleicht doch ein Anschlussvertrag unter neuen Vorzeichen denkbar wäre, erhöht die Entscheidung den Handlungsdruck auf die VG Leiningerland. Sie sieht sich gezwungen, alle Optionen zu prüfen, um auch in Zukunft eine sichere Wasserversorgung ihrer Bürger gewährleisten zu können – vor allem zu den absoluten Spitzenzeiten des Verbrauchs in sommerlichen Morgen- und Abendstunden. Vorschläge zum weiteren Vorgehen enthalten sowohl das Gutachten aus Gießen als auch ein von einem Stuttgarter Ingenieurbüro erstelltes Wasserversorgungskonzept.

Probebohrungen bei Bockenheim und Dirmstein

Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören Probebohrungen im Kinderbachtal bei Bockenheim und dem Floßbach- sowie Sauerbornbachtal bei Dirmstein, wo es weitere Wasservorräte geben könnte. Die Fachleute aus Gießen gehen von 1,9 bis 2,3 Millionen Kubikmetern im Jahr aus, die aber weder technisch noch rechtlich voll ausgeschöpft werden könnten. Zudem wird der Verwaltung empfohlen, Verbund- und Fremdversorgungsmöglichkeiten zu klären und bereits vorhandene Strukturen auszubauen beziehungsweise zu verbessern.

Bei Ausbau wie auch Sanierung von Wasserwerken, Hochbehältern und Kanalnetzen hat die Verbandsgemeinde bereits erste Schritte unternommen, in Sachen Kooperation will sie nun ebenfalls tätig werden. Geht es nach den Experten aus Stuttgart, soll sie sich dabei nicht nur an bereits vorhandene Partner wie Grünstadt oder die Friedelsheimer Gruppe wenden, sondern ihre Fühler auch nach Bad Dürkheim, Frankenthal und Ludwigshafen ausstrecken – sprich: dort anfragen, ob es Überschüsse und Interesse an einer Vernetzung gibt.

Eine Idee: Fernleitungen bis in den Mainzer Raum

Sogar der Bau von Fernleitungen zur Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz im Mainzer Raum ist im Vorschlagskatalog enthalten. Auf der anderen Seite soll geprüft werden, ob die Lieferung von 536.000 Kubikmetern Wasser im Jahr an das Südzucker-Werk in Neuoffstein nicht eingestellt werden könnte. Weitere Empfehlungen: die Bürger zu einem sparsamen Umgang mit Wasser anhalten, gegebenenfalls auch durch höhere Preise zu Hochverbrauchszeiten, die Optimierung der landwirtschaftlichen Bewässerung und die Förderung von Zisternen zur Regenwassernutzung.

Der Werkausschuss nahm das Konzept in seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis und beauftragte die Verwaltung damit, die ersten notwendigen Schritte einzuleiten.

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