Grünstadt „Wir wohnen doch alle auf dem selben Berg“

Spaß auf der Kerwe: Im Kinderfeuerwehrwagen sitzen vorn (von links) Hannah, Helena und Erwin Schulz.
Spaß auf der Kerwe: Im Kinderfeuerwehrwagen sitzen vorn (von links) Hannah, Helena und Erwin Schulz.

Ein kleiner Lindwurm mit Zugnummern, die ausschließlich von Einheimischen gestaltet wurden, ist am Sonntag durch Battenberg gezogen. Der Kerweumzug ist seit 2015, als er nach 54 Jahren wiederbelebt wurde, ein Stück gewachsen. Dafür ist die Zuschaueranzahl am Straßenrand gesunken. Der Streit um die Kerwe scheint beigelegt. „Still ruht der See“ heißt es denn auch mit Blick auf die Dorfpolitik in der Kerweredd.

Darin bescheinigt Peter Dehio, Vorsitzender des Bürger- und Kulturvereins, „dem Wolfgang und seinem Team“ einen guten Job im Gemeinderat. „Das Hochhaus steht wie eh und je, awwer die Gäul uff de Wranglein-Ranch dürfe jetzt ungestört grase“, beschreibt er die Situation, bevor er den weiteren Vortrag in jüngere Hände gibt. Die 18-jährige Magdalena Schumacher, deren Mutter Elke erläutert, weshalb das Pfälzer Mädel nur Hochdeutsch reden könne, beklagt das geringe Angebot für die Jugend im Ort. Lediglich Kinder und Senioren müssten im Burgdorf nicht versauern, verkündet sie in ihrem Debüt, das Julian Schraut für sie formuliert hat. Insgesamt sollten sich die Battenberger nicht aufregen „über zu viel Autoverkehr, als ob wir Einwohner von Kirchheim wär’n“. Mit dem Hinweis „Wir wohnen doch alle auf dem selben Berg“ sollten manche den Ärger fallen lassen „über Bauern, die ihren Acker am Wochenende spritzen, wenn andere genüsslich auf ihrer Terrasse sitzen“. Die Sache mit der Geruchsbelästigung greift Landwirt Klaus Keßler beim Umzug auf. Sein Trecker zieht einen Kompost-Streuer für den Wingert, in den er Nina Hellas und Romy Steinmetz als Biokompost- und Blumenköniginnen gesetzt hat. Markus Richter hat seine Kinder Nina (sechs) und Noel (neun) auf der Rolle, mit der er und seine Schwester Michaela Spieß dafür plädieren, dass sich endlich alle Battenberger an Tempo 30 halten sollten. Über das „kommunale Projektmanagement“ macht sich eine Gruppe Einwohner um Michael Schulz lustig. „Große Vorhaben dauern etwas länger“ ist auf dem Motivwagen zu lesen, und es wird in einer Reihe mit Flughafen Berlin, Elbphilharmonie und Stuttgart 21 das Hochhaus in der Hauptstraße genannt. Dieter Flatter lenkt wieder einen gut besetzten Kinderfeuerwehrwagen. „Den hab’ ich einst für meine Enkel gebaut und jetzt zweckentfremdet“, erläutert er. Ihr Käfer-Cabrio aus dem Jahr 1972 mit Herz-Luftballons verziert hat Carina Krabetz. Sie werbe für mehr Liebe im Dorf. Auch Albert Kessler lenkt einen Oldtimer: einen 41 Jahre alten NSU RO 80. Einer der lustigen Sprüche auf dem Dach lautet: „Was du heute kannst entkorken, das verschiebe nicht auf morgen.“ Aus einem 35-jährigen Fiat Spider heraus verteilen Frank Röderer und Ralf Büttner Süßigkeiten. Peter Dehio kündigt an seinem – nicht so alten – Fiat Barchetta den Generationswechsel bei den Kerweorganisatoren an. Auf einer Rolle des Kulturvereins steht die Weisheit „Im Wein liegt Wahrheit“ unter dem gemalten Konterfei von Donald Trump mit Sprechblase „Kallstadt – Fake News“. Eine rund zehnköpfige Abordnung der Wranglein-Ranch bildet den Abschluss des Umzugs. Mit dabei sind nicht nur gebastelte Pferde mit Stecken, sondern auch zwei echte Tiere. 2015 hatte das Ordnungsamt die Beteiligung von Reitern noch untersagt.

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