Grünstadt Wiedererstarkung eines Traditionsklubs

GRÜNSTADT. Genau 35 Jahre liegt die letzte Meisterschaft der Ersten Fußballmannschaft des VfR Grünstadt zurück. 2014 hat es das Team mit eindrucksvollen Leistungen geschafft, war bereits einen Spieltag vor Saisonende Titelträger der Bezirksliga Vorderpfalz und gehört nun wieder – nach sechs Jahren Bezirksliga – einer überregionalen Klasse, der Landesliga Ost, an.
Trainer Horst Schellenschläger, der nach dem Abstieg 2007/08 aus der Landesliga von Vize Johannes Adam das Vertrauen für einen Neuaufbau erhielt, arbeitete dafür kontinuierlich, konzentrierte sich auf den eigenen Nachwuchs und Akteure aus der näheren Umgebung. Im ersten Jahr Bezirksliga (2008/09) schaffte das Team einen vierten Rang (2009/10: Platz sechs., 2010/11: vier, 2011/12: drei., 2012/13: acht). Nun also die Meisterschaft, der Aufstieg, mit fünf Punkten Vorsprung auf Verfolger SV Rülzheim, der aber über die Relegation ebenfalls den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Nun werden Erinnerungen an Verbands- und Landesligazeiten wach. Insgesamt gehörte der VfR 23 Jahre zur Eliteliga des Südwestdeutschen Fußballverbandes, der Verbandsliga Südwest. Kein anderer Sportclub in der Umgebung spielte so lange in dieser Liga, dreimal wurde Grünstadt darin Vizemeister (1996/97 hinter dem FK Pirmasens, 2000/01 hinter SpVgg Ingelheim und 2002/03 hinter Hassia Bingen), einmal, 2001, unterlag das Team im Finale um den Südwestdeutschen Verbandspokal in Bad Kreuznach dem FSV Mainz 05 II unglücklich mit 0:1, verpasste hauchdünn den Einzug in die DFB-Pokalhauptrunde, die Borussia Mönchengladbach als Gegner beschert hätte. Sechs Jahre gehörte der VfR der Landesliga Ost an, wurde 1992/93 hinter RW Olympia Alzey und 1995/96 hinter VfL Neustadt jeweils Vizemeister. Ob dieser Historie gehört der Rasenspielclub zweifelsfrei zum Kreis der renommierten Traditionsclubs des Südwestens. „Ich bin überglücklich, dass wir nach sechs Jahren wieder in der Landesliga spielen und bin sicher, dass wir den Klassenerhalt mit dieser begeisterungsfähigen Truppe schaffen“, freut sich Trainer Schellenschläger . Dabei sah es anfangs nicht so rosig aus, denn nach vier Spieltagen hatte das Team bereits zwei Niederlagen einstecken müssen. Doch danach begann eine Serie, die selbst die eigenen Fans beeindruckte. Bis zum 21. Spieltag (zu Hause gegen SV Bad Dürkheim 1:2) verloren die Rasenspieler keine Partie, und als sie bei den enorm heimstarken Südpfälzern TuS Schaidt (3:1) sowie SG Steinfeld/Schweighofen (3:1) und gegen BSC Oppau (4:0) überzeugend gewannen, schien Spitzenreiter SV Rülzheim nervös zu werden. Am 27. Spieltag besiegte die Truppe von Trainer Schellenschläger die Südpfälzer vor 480 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion 2:0 und setzte sich an die Tabellenspitze, die sie mit Siegen gegen VfL Neuhofen (4:1), RW Seebach (2:0) und SV Obersülzen (2:1) nicht mehr abgab. Mit 25 Treffer landete Dominik Brust auf dem zweiten Rang in der Bezirksliga-Torjägerliste und wird übrigens auch in der kommenden Saison für Grünstadt auf Torjagd gehen. Ein Glücksgriff war die Verpflichtung von Ex-Oberliga-Akteur Fabian Herchenhan, der in Grünstadt wohnt, zuletzt aber Stammakteur des Aufsteigers in die Regionalliga Südwest, SVN Zweibrücken, war. Herchenhan ist nicht nur als Spieler, sondern auch als Co-Trainer beim VfR wertvoll. „Wir haben nur drei Spielerabgänge zu verzeichnen“, so Schellenschläger. Julian Schultz wechselt aus schulischen Gründen zum Ligakonkurrent Südwest Ludwigshafen, Ersatzkeeper Normen Geissert zum TSV Ebertsheim und Routinier Albert Goehring hat noch keinen Club. „Wir sind begeistert, dass alle übrigen bei uns bleiben“, freuen sich Vize Johannes Adam und Teammanager Michael Kussmann. Bis jetzt haben dagegen Tim Klag (TuS Bolanden), Andreas Buch (SV Horchheim) und der Sohn von VfR-Jugendkoordinator Bernhard Oberle, Lukas, beim VfR unterschrieben. Der 23-jährige Oberle kommt vom Oberligisten TSG Pfeddersheim und wird neben seiner Tätigkeit als Trainer im DFB-Leistungszentrum Waldalgesheim zweimal wöchentlich die VfR-A-Jugend, die den Aufstieg in die Landesliga schaffte, trainieren. Der junge Stürmer Andreas Buch wechselt vom Landesligisten SV Horchheim, Tim Klag ist beim VfR kein Unbekannter. Überhaupt scheint ein Boom beim VfR ausgebrochen, denn wie Adam informiert, würden Überlegungen angestellt, in der kommenden Saison ein viertes aktives Herrenteam dem Fußballverband zu melden. Adam: „Wir haben seit Wochen im aktiven, aber auch im Jugendbereich riesigen Zulauf.“ (lau)