Grünstadt
Wie ein Würzsaft alkoholfreiem Wein Konkurrenz macht
Eine gesellige, kleine Runde bei einer Geburtstagsfeier in der Vorderpfalz: Zwei der drei Anwesenden trinken gemütlich eine Weinschorle, die dritte im Bunde hat sich alkoholfreien Wein mitgebracht. Sie stille noch ihr Kind. Unweigerlich kommt die Frage auf, ob alkoholfreier Wein die bessere Alternative zu Traubensaft ist. Beides überzeuge nicht vollends. Ersterer schmecke oft nicht weinähnlich, Letzterer sei vielen zu süß.
Da packt die junge Mutter plötzlich aus und verrät uns ihren Geheimtipp: Verjus. Unbedingt mal probieren. Ist zwar relativ teuer und gibt’s nicht unbedingt immer in 0,75er-Flaschen, aber lohne sich, schwärmt sie. Denn Verjus sei weniger süß als Traubensaft und trotzdem alkoholfrei – nur habe ihn nicht jeder Winzer im Sortiment. Das sei eben etwas Besonderes, betont sie und fügt mit gesenkter Stimme an, sie habe sich an ihrem eigenen Geburtstag eine Flasche geöffnet, nur für sich. Das Getränk sei so fein, dass sie es nicht mit jedem teilen wollte.
Kreativität im Umgang mit mildem Essigersatz
Weil die übrige Runde inklusive mir noch nie von Verjus gehört hat, zückt sie empört ihr Handy und wirft die Suchmaschine an. Ein Weingut im Leiningerland habe das Getränk nämlich im Sortiment, da könne sie fix nachschauen. Sie tippt also konzentriert, scrollt sich durch das Internet – um dann mit roten Wangen und einem „oh“ das Handy wegzulegen. Auf die Frage, was denn los sei, erklärt sie sichtlich bedröppelt, dass sie sich offenbar vertan hat. Sie entsperrt ihr Handy und hält es uns hin: „Würzsaft aus grünen Trauben“, steht direkt hinter „Verjus“. Weiter unten erklärt der herstellende Winzer, es handle sich dabei um einen milden Ersatz für Essig oder Zitrone mit wenig Säure.
Und tatsächlich: Meine eigene Recherche zeigt, dass Verjus eine lange kulinarische Tradition hat, gerne zum Ablöschen und Verfeinern von Speisen verwendet wurde und wird. Amüsiertes Gelächter bricht aus, auch beim Verjus-Fan ob der Zweckentfremdung, bevor sie allerdings doch noch einmal innehält und uns ein weiteres Mal das Handy hinhält. „Aber guckt mal hier“, sagt sie und zeigt zufrieden auf den Bildschirm, „da steht, es sei auch ein Erfrischungsgetränk.“ Recht hat sie, das steht da ganz unten – und was ist schon dabei, aus Würzsaft ein Getränk zu kreieren? Man muss nur kreativ genug sein. Sprudel und Wein zu mischen, war ja auch mal verpönt.