Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Wichtige Unterstützung durch Freunde und Familie bei Bahnrad-WM

Wichtige Unterstützung bei der WM. Auf dem Bild von links nach rechts: Stefanie Hackmann, Torben Osterheld, Henric Hackmann, Cla
Wichtige Unterstützung bei der WM. Auf dem Bild von links nach rechts: Stefanie Hackmann, Torben Osterheld, Henric Hackmann, Claus Hackmann und Alexander Hackmann.

Selbst die nüchternen Zahlen belegen einen mehr als soliden Einstand von Henric Hackmann bei einer Bahnrad-WM der Elite: Platz 7 im Teamsprint, Zwölfter im 1000-Meter-Zeitfahren und Rang 29 im Sprint. Was aber viel mehr zählt, ist die Einschätzung seines Trainers Frank Ziegler. „Henric fuhr eine ganz tolle WM, das hätte ich ihm nicht getraut.“

Mit tiefen Eindrücken für die Ewigkeit und ohne Pause in seinem Alltag kehrt Henric Hackmann vom RV Rodenbach aus Dänemark auf die Schulbank in Kienbaum zurück. Der angehende Bundespolizist stellt für ein paar Tage das Rennrad zur Seite, wird aber weiter büffeln. Leistungssport und Ausbildung halten sich in seinem Leben die Waage, das war schon zu Schulzeiten im Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern so, und das bleibt auch für die nächsten Jahre so. Hackmann hat mit seiner WM-Premiere richtig Lust und Motivation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles bekommen.

„Die Doppelbelastung hat mich am meisten belastet in den letzten Wochen. Das ständige Pendeln zwischen Schule in Kienbaum und Rennbahn in Frankfurt/Oder, das ständige Koffer packen oder auch nur das Treppen hochlaufen in den vierten Stock bei der Bundespolizei, die Tests schreiben und den Lernstoff nachholen, das war alles ziemlich anstrengend“, erzählte er und hängte lachend an: „Die WM hier ist deutlich entspannter als die Zeit davor.“

Nun, Hackmann war in Ballerup fokussiert und hat geliefert. Am ersten Tag belegte er auf Position drei hinter Nik Schröter und Luca Spiegel Platz sieben im Teamsprint. „Ich war das erste Mal auf der Drei. Luca vor mir fährt sehr eigen, rast radikal weg, da hatte ich schon Probleme mitzugehen“, schilderte er die beiden Läufe. Aber der groß gewachsene Modellathlet weiß, dass er die Voraussetzungen dafür hat: „Es kann schon sehr gut werden in den kommenden Jahren. Ich bin auf dem richtigen Weg, es geht immer weiter aufwärts“, sagte er.

Die 1000 Meter empfand er selbst als sehr beeindruckend. Mit 1:01,055 Minuten hat er seine Bestzeit verbessert und damit das Hauptziel reicht. Dies reichte zu Platz zwölf und der Erkenntnis, dass die Weltspitze für den 21-Jährigen dann doch noch ein ganzes Stück entfernt ist. Im Sprint ging ihm dann die Power aus – Vorletzter wurde er, verpasste die erste Runde. „Ist halt so, ist nicht wirklich schlimm“, hakte er das Ergebnis ab: „Ich habe in Ballerup meinen Job gemacht. Mir war wichtig, zu sehen, wo ich überhaupt stehe. Der Unterschied zwischen Elite und U23 ist krass.“ Im Juli war Hackmann in Cottbus zweimal Vize-Europameister der U23 geworden. Dort aber hatte er „Lust gekriegt, in dieser Saison noch mal richtig draufzuhauen“. Und jetzt habe er in Ballerup das internationale Niveau live erlebt und gesehen, wo er mal hin will.

„Hacki“ hatte einen furiosen Einstand auch außerhalb der Arena, im Speisesaal des Hotels. „Es ist bei Bundestrainer Jan van Eijden Tradition, dass jeder, der neu im Team ist, einen Vortrag über die Stadt oder das Land halten muss. Ich habe mir ziemlich viel Mühe gegeben, vielleicht viel zu viel, ich weiß nicht, aber am Ende hat gefühlt der ganze Saal zugehört, da waren bestimmt 100 Leute drinnen, wenn nicht sogar noch mehr“, erzählte der Kirchheimer. Zuhörer berichteten, dass am Ende alle aufstanden und applaudierten, obwohl viele nicht wussten, worum es ging. Selbst die Weltmeister aus Holland klatschten. „Jetzt kennen mich wenigstens alle“, meinte Hackmann grinsend.

Dass seine Familie und sein bester Freund, Ex-Teamkollege Torben Osterheld, gekommen waren, erstaunte ihn. „Es ist total cool, dass alle wegen mir hierher gekommen sind“, meinte Hackmann. Die Eltern Stefanie und Claus Hackmann aus Kirchheim waren nach Kopenhagen geflogen und mieteten sich nahe der Arena in Herlev in einer Wohnung ein, Bruder Alexander (23), der Informatik in Karlsruhe studiert, war mit dem Zug angereist und wohnte im Hotel. Am zweiten WM-Tag hatten sie ihn abends im Hotel besucht, am vorletzten Tag stand ein gemeinsames Abendessen an. Vater Claus empfand es als eine große Ehre, dass Henric in Ballerup starten durfte, und „die Krönung einer starken Saison“, Mutter Stefanie hielt alle Freunde in Deutschland mit Bild und Ton übers Handy auf dem Laufenden. Und es gab ja dann doch einiges zu berichten.

Henric Hackmann konnte in Ballrup in Dänemark gute Erfahrungen sammeln.
Henric Hackmann konnte in Ballrup in Dänemark gute Erfahrungen sammeln.
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