Eisenberg / Laumersheim
Wetterkapriolen: Werden Spargel und Erdbeeren noch teurer?
Von warm zu schlagartig kalt, dann wieder knallheiß und im nächsten Moment regnerisch. Wetterkapriolen sind zu dieser Jahreszeit keine Seltenheit. Dennoch: Nicht nur die Menschen sehnen sich nach etwas klimatischer Beständigkeit und angenehmeren Temperaturen. Auch die Pflanzen, vor allem die Erdbeere, könne etwas Licht und Wärme gut vertragen, berichtet Alexander Seiler, Mitinhaber des Eisenberger Erdbeerlandes Funck: „Derzeit geht es sehr zäh.“ Zwar sei die Ernte im geschützten Anbau schon im Gange, wider alle Erwartungen kommen aber nicht wirklich viele Kilogramm zusammen“, berichtet Seiler.
Eigentlich hatte die Saison gut angefangen, die Pflänzchen hatten früh begonnen zu blühen. „Auch die Beere wächst und wächst – aber auf der einen Seite ist sie knallig rot, auf der anderen Seite weiß“, beschreibt Seiler das Problem. Die verzögerte Entwicklung bringe auch die Pflücker in die Bredouille: Derjenige müsse entscheiden, ob er die Beere noch einige Tage hängen lasse, ihr so die Chance gebe nachzureifen und damit auch ihren Geschmack zu verbessern. Allerdings liefen die Erntehelfer dabei Gefahr, dass die bereits reife Seite der Erdbeere verfaule.
Weniger Frostschäden als bei Kollegen
Immerhin: Während viele von Seilers Kollegen durch die Frostnacht Ende April ihre Einbußen auf 60 bis 70 Prozent beziffern, seien ihm etwa zehn bis 15 Prozent erfroren. „Da die Menge in dieser Saison generell fehlt, ist derzeit auch das Preisniveau hoch“, erklärt Seiler. Etwa sechs Euro pro 500 Gramm Erdbeeren (Stand: 6. Mai) koste derzeit die beliebte Frucht. Stiegen die Temperaturen in der kommenden Woche aber auf 17 oder 18 Grad, könne das für die Endverbraucher von Vorteil sein. Dann könne der Preis innerhalb weniger Tage wieder sinken.
Eine etwas andere Prognose wagt Seiler beim Thema Spargel, den er auf Feldern in der Vorderpfalz, in Eisenberg, Lautersheim und Mauchenheim anbaut. Der Preis – etwa 16 Euro pro Kilogramm Klasse 1-Spargel und etwa fünf Euro beim Bruchspargel – werde hier voraussichtlich nur um einen Euro pro Kilogramm sinken, glaubt er. „Nicht allein die Erntemenge, vielmehr der Mindestlohn bestimmt hier die Preise.“ Auch bei diesem Gemüse gehe die Ernte nur langsam voran, weil durch den vielen Regen die Felder aufgeweicht seien. Außerdem wachse der Spargel bei niedrigen Temperaturen langsamer. „Es gibt einen größeren Klasse 1-Anteil und er hat in dieser Saison geschlossenere Köpfe. Es ist generell ein schöne Qualität beim Spargel“, betont Seiler. Er bleibt zuversichtlich: „Es soll sonniger und kühler werden. Wenn sich das Wetter hält, erreichen wir ein ganz normales Ernteniveau.“
Frost schadet Blüte
Viele Pflanzen hätten bereits angefangen, viel früher als normal Knospen auszubilden, die durch die Minustemperaturen Schaden nehmen, berichtet der 49-jährige Markus Puder vom Obsthof Puder in Laumersheim von seinen Beobachtungen, die er seit gut 20 Jahren jede Saison aufs Neue macht. Was zunächst nur eine Beobachtung blieb, macht sich seit gut zehn Jahren stärker als zuvor im Alltag der Landwirte bemerkbar, erzählt er. „Im Prinzip liegen wir mit der Blüte etwa zwei Wochen vor der eigentlichen Zeit.“ Auf 65 Hektar bewirtschaftet Puder Apfelbäume, dazu kommen 20 Hektar Weinbau, sieben Hektar Pflaumen, zwei Hektar Süßkirschen und einige Aprikosenbäume. „In diesem Jahr ist der Frost aber untypisch“, stellt Puder fest. Damit steige das Risiko, dass die Blüte durch Spätfrost erfriere und entsprechend die Ernte knapper ausfalle.
Normalerweise sind die Landwirte bis zu einem gewissen Maß gegen die Wetterkapriolen gerüstet. Für kühlere Episoden gebe es die Frostberegnung, um die empfindlichen Blüten der Obstbäume vor dem Erfrieren zu schützen, nennt Puder eine Gegenmaßnahme. „Aber bei Minus sieben oder acht Grad bringt auch die nichts mehr.“ Außerdem setze er, wie viele seiner Kollegen, auf frostsichere Lagen. „In Laumersheim kommt uns da die hügelige Landschaft zugute“, erklärt der 49-Jährige. Da warme Luft tendenziell nach oben steigt, seien Obstbäume auf Hügeln besser vor den niedrigen Temperaturen geschützt. „Kalte Luft fließt dann besser ins Tal ab.“ Doch in diesem Frühjahr sei es genau umgekehrt gewesen: Die kühle Luft habe sich auf den Hanglagen gehalten, die warme Luft sei hingegen ins Tal geströmt.
Entwarnung für Verbraucher
Sorge, dass die Kältefront nun die Obsternte für 2024 in Gefahr gebracht hat, macht sich Puder noch nicht. Dennoch: „Bei den Kirschen und Pflaumen könnte der Ertrag etwas knapper ausfallen“, so seine Einschätzung. Vor allem in Mainz und in der Südpfalz hätten Kollegen massive Frostschäden beklagt. Bei den Äpfeln sei es hingegen zu früh, eine Prognose abzugeben. Generell gelte: Bekomme eine Obstblüte zu viel Kälte ab, könne sich das an der später ausgebildeten Frucht zeigen. Fruchtdeformationen wie Verformungen, Dellen oder Vernarbungen, sogenannte Frostzungen, an den Früchten sind die Folge. Der Qualität des Obstes würde das nicht schaden. Es sei noch genießbar, betont Puder. „Die Schale ist dann nur etwas rauer.“
Preislich würden sich die Wetterkapriolen nicht spürbar für die Endverbraucher niederschlagen, sagt Puder. „Dann müsste es schon in ganz Deutschland, in ganz Europa zu großen Ausfällen kommen.“ Er sei kein Fan davon, Panik zu schüren. „Außerdem reguliert die Natur auch vieles selbst.“ Aus diesem Grund heiße es: abwarten.
Mit Blick auf den Weinbau ist er trotz der vielen kalten Tage und Nächte zuversichtlich. Zwar bedeute für die Triebe „erfroren ist erfroren“, aber auch hier wisse der Weinstock zu kompensieren. „Ein erfrorener Trieb bildet keine Frucht mehr aus, aber die Beiaugen, also die kleineren Knospenansätze, treiben dann stattdessen aus.“ Dann falle der Ertrag kleiner aus und auch die Traube werde meist etwas kleiner, der Qualität tue das aber keinen Abbruch.