Grünstadt Weshalb ein Öko-Ei seinen Preis hat
Welche Ausbildung haben die Mitarbeiter, wie oft kalbt eine Kuh, was ist ein Legehybrid? – Fragen über Fragen hatten die Teilnehmer der RHEINPFALZ-Sommertour, die sich gestern Morgen auf dem Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe Bad Dürkheim in Altleiningen versammelten. Rede und Antwort stand anderthalb Stunden lang der Leiter Richard Danner, der diese und im Anschluss eine weitere Gruppe durch seinen ökologisch bewirtschafteten, integrativen Betrieb führte.
32 Menschen mit Behinderungen seien auf dem Bauernhof beschäftigt, dazu – inklusive Azubis und Praktikanten – 18 Leute ohne Handicap, informiert Danner eingangs. Ökonomisch rechnen würde es sich, wenn ein Betreuer für zwölf geistig eingeschränkte Personen zuständig wäre. „Das ist bei den vielen kleinen Aufgabengebieten und dem weitläufigen Gelände aber nicht möglich“, erklärt er. „Kann man hier auch ein Freiwilliges Soziales Jahr machen?“, will Jutta Weckerle wissen. Die Grünstadterin sieht die RHEINPFALZ-Aktion als willkommenes Ferienprogramm und ist mit drei ihrer zehn Enkel da. Das Trio – David (zwölf), Paul (zehn) und Joshua (neun) – freut sich schon auf die angekündigte „Begrüßungsmilch“, wofür Praktikantin Nina Gläser und Karaffen gerichtet hat. Nicht pasteurisiert, lediglich gekühlt, ist das Getränk. „Solche Rohmilch dürfen wir nur direkt auf dem Hof anbieten“, erläutert Danner und berichtet von der Veredelung zu Frischkäse, Quark, Joghurt und Butter. Die Milchverarbeitung finde in sehr beengten Verhältnissen statt und solle im Zuge des nach der EU-Öko-Richtlinie erforderlichen 1,1 Millionen Euro teuren Umbaus erweitert werden. Im Kuhstall erklärt der Agraringenieur, welche Wand abgerissen wird, um das Gebäude zu vergrößern. Nach biologisch-dynamischen Kriterien gehaltene Rinder dürfen seit dem 1. Januar 2014 nicht mehr angebunden sein, sondern müssen sich auch im Stall frei bewegen können. Derzeit laufe sein Betrieb mit Kompromisslösungen und Ausnahmegenehmigungen weiter. „Den Deckbullen musste ich vor eineinhalb Jahren schlachten lassen, weil ich ihm keinen vorübergehenden Auslauf bauen konnte“, erzählt Danner und fügt leicht sarkastisch an: „Jetzt machen wir tierfreundliche künstliche Besamung.“ Zumindest funktioniert das genauso gut wie die natürliche Befruchtung: Auf der Weide steht derzeit ein halbes Dutzend trächtiger Kühe. „Wir haben ausreichend Nachzucht und müssen keine Rinder zukaufen“, freut sich der Landwirt, der viele Fragen rund um die Themen Kälberaufzucht und Milchleistung beantwortet. Die zweijährige Pauline nähert sich derweil ganz unbedarft den aus ihrer Perspektive riesigen Tieren. Ohne Scheu streckt sie ihnen ein Bündel Heu nach dem anderen entgegen. 24 Monate dürften sich die Kühe satt fressen, dann hätten sie Schlachtreife erreicht, sagt Danner. In konventionellen Betrieben blieben ihnen nur 18 Monate. Nach einem kurzen Blick in die Buchten mit den Mastschweinen, denen ein provisorisches Freigelände geschaffen wurde, bis sie ihren neuen Stall beziehen können, spaziert die 35-köpfige Gruppe zu den Hühnern. Ein ausgeklügeltes Tor- und Tunnelsystem verhindert, dass die Federtiere in den Wald ausbüxen können und sich beim Gang zur Weide mit den Rindviechern in die Quere kommen. Maschendraht soll vor Marder, Fuchs und Habicht schützen. Das alles koste viel Geld, ebenso wie das hochwertige Futter, erläutert Richard Danner, weshalb ein Öko-Ei seinen Preis hat. „Ich werde hier gleich erst einmal einkaufen“, kündigt Maria Kaufhold an. Sie ist mit ihrem Mann Karl und ihren kleinen Enkeln aus Rüssingen gekommen. Sonst besuche sie den Biohof Risser in Kerzenheim, aber der habe im Moment Urlaub. (abf) INFO Mehr zur Umgestaltung des Kleinsägmühlerhofs im Internet unter www.lebenshilfe-biohof.de; Wer das Bauprojekt unterstützen möchte, kann spenden auf ein Konto bei der Sparkasse Rhein-Haardt: IBAN: DE36 5465 1240 0000 4815 64, Stichwort: „Kleinsägmühlerhof“.