Grünstadt „Werden uns schnell erholen“
Ludwigshafen. Im März ist Peter Mudra in seine zweite sechsjährige Amtszeit als Präsident der Hochschule Ludwigshafen gestartet. Wir haben mit dem 54-Jährigen über den drohenden Austritt Englands aus der Europäischen Union, einen potenziellen US-Präsidenten Donald Trump und Chancen für Flüchtlinge auf dem Campus gesprochen.
Die bevorstehende Abstimmung der Briten wird eine Weggabelung für die europäische Entwicklung sein. Davon bin ich überzeugt. Da werden wir merken, wie verzahnt die Wirtschaftsprozesse sind. Es wird zweifellos eine Unsicherheit geben, aber keine nachhaltige wirtschaftliche Problematik, wenn die Briten aus der EU austreten. Davon werden wir uns relativ schnell erholen. Das Politische und Emotionale spielen jedoch eine große Rolle, weil durch einen Brexit Europa als Union und gemeinsame Idee in Form infrage gestellt wäre. Gehen Sie vom EU-Austritt aus? Im Moment steht es pari. Die Befürworter kommen überwiegend mit rationalen Argumenten. In der Schlussphase einer Kampagne ist aber die Emotionalisierung besonders wichtig. Die Frage ist nun aktuell, wie sich das Attentat auf die Labourabgeordnete auf die Stimmung auswirkt. Für ein einheitliches Europa wäre ein Austritt ein enormer Rückschlag. Ein Brexit würde die Frage aufwerfen: Was verbindet Europa noch? Ich selbst glaube an das europäische Projekt. Wenn es in England eine rationale Entscheidung gibt, wird sich vermutlich die Mehrheit für Europa entscheiden. Aber in den Medien ist derzeit alles außerordentlich emotionalisiert. Müssen wir uns noch vielmehr vor einem US-Präsidenten Donald Trump fürchten? Wirtschaftlich gesehen werden nicht einzelne Akteure ein komplettes System infrage stellen können. Aber bei einem Akteur mit einer so großen Machtfülle wie dem amerikanischen Präsidenten kann sich natürlich eine Erosion in den Beziehungen vollziehen. Die Frage ist: Wäre ein Präsident Trump berechenbar? Jemand, der Spielregeln des Miteinanders grundsätzlich infrage stellt und Belgien offensichtlich für eine Stadt hält, erscheint nicht unbedingt vertrauenswürdig. In der Wirtschaft spielt Vertrauen aber eine große Rolle. Kollegen an amerikanischen Partnerhochschulen machen sich schon große Sorgen und sehen mit der nächsten Präsidentschaftswahl für sich eine Schicksals- und Zukunftsfrage verbunden. Die Hochschule hat ihre Türen schon im vergangenen Jahr für Flüchtlinge geöffnet. Wie ist deren Situation auf dem Campus heute? Wir haben vier Praktikanten. Unsere englischsprachigen Veranstaltungen sind offen für Flüchtlinge. Das ist das Mindeste, was wir zu tun hatten. Wir haben einen Gasthörerstatus für Flüchtlinge eingerichtet, der über einen Förderverein finanziert wird. Die Zulassungen fürs Studium müssen in jedem Einzelfall immer erst geprüft werden. Viele Flüchtlinge haben allerdings keine Papiere und damit keine Bildungsnachweise. Über Testverfahren können wir das kompensieren. Von rund 4300 Studierenden haben nur 370 keinen deutschen Pass. Das sind überraschend wenige. Weit mehr als 25 Prozent haben schätzungsweise einen Migrationshintergrund. Das ist aber schwer zu erfassen, da wir nur die Staatsangehörigkeit erfragen. Wir sollten mit Blick auf die Herausforderung mit den Flüchtlingen Wege finden, zusätzliche Kontingente für ausländische Studenten zu eröffnen. Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum in Ludwigshafen ist groß. Hat sich die Lage für Studenten verschärft? Wegen der günstigen Preise im Vergleich zu Mannheim und Heidelberg sind Zimmer und Wohnungen hier sehr gefragt. Für die Stadtentwicklung sind Studenten ein wichtiger Aspekt. Das Handling bei der Wohnungssuche ist leider nicht ganz einfach. Wir brauchen mehr Wohnheimplätze und sind auch mit Akteuren in der Stadt im Gespräch. Zur Person Der 54-Jährige Peter Mudra ist seit 2000 Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen, seit 2010 deren Präsident. |Interview: Christiane Vopat