Grünstadt
Wer berät die Rentner von morgen?
807 Bürger haben in den ersten drei Quartalen 2021 das Rathaus der Verbandsgemeinde Leiningerland in Rentenangelegenheiten aufgesucht. Für Altersruhegeld, Versorgungsleistungen nach Erwerbsminderung sowie für Witwen und Waisen wurden Anträge gestellt und Beratungsgespräche geführt. Auch andere soziale Fragen waren zu klären. Hinzu kamen 2579 Telefonanrufe. Diese Zwischenbilanz zum 30. September, die dem Sozialausschuss der Verbandsgemeinde bei seiner jüngsten Sitzung vorlag, zeigt eindrücklich, wie wichtig die Aufgabe von Rentenberatern ist.
Aktuell füllt Matthias Haberstig als Nachfolger von Klaus Raschke, der Ende Januar ausschied, damit eine Vollzeitstelle aus. Da abzusehen ist, dass seine Dienste künftig noch mehr benötigt werden, hatte der Verbandsgemeinderat im Juli beschlossen, in diesem Bereich einen weiteren Arbeitsplatz zu schaffen. Ob dieses zusätzliche Personal von der Kommunalaufsicht genehmigt wird, ist fraglich. Denn nach einem Gutachten des Landesrechnungshofs ist eine halbe Stelle (exakt: 51 Prozent) für Rentenberatung vollkommen ausreichend. Dass die landesweit achtgrößte Verbandsgemeinde für diesen Bereich eine doppelt so hohe Stundenanzahl vorhält, als ihr zusteht, wird allerdings nicht beanstandet. Der Zusatzaufwand muss auch nicht kompensiert werden.
Pro und Contra zweite Stelle
Auf die Forderung nach einer zweiten Stelle für Rentenberatungen hat die Kommunalaufsicht darauf verwiesen, dass dafür die Rentenversicherungsträger originär zuständig sind. Diese haben sich aber aus der Fläche zurückgezogen. Der nächste Anlaufpunkt für Menschen aus der Region ist in Speyer. „Vom Kreis hieß es, wir sollten bei der Deutschen Rentenversicherung Sprechstunden vor Ort anregen beziehungsweise die Kostenübernahme erörtern“, berichtete Bürgermeister Frank Rüttger (CDU). Gern würde man gegen Erstattung der Aufwendungen auch Grünstadter beraten, doch die Stadt habe schriftlich erklärt, dass sie keine Mittel für so eine Leistung im Haushalt habe.
„Da wir unsere Bürger aber nicht nach Speyer schicken wollen, haben wir die ehrenamtlichen Rentenberater gefragt, ob wir ihre Dienste aktiv bewerben dürfen“, erläuterte Rüttger, weshalb erstmals im Amtsblatt die Kontaktdaten von Thomas Breuer aus Carlsberg, Barbara Jakob aus Großkarlbach und Andreas Roth aus Hettenleidelheim veröffentlicht wurden. Die drei seien für die Beratungstätigkeit ausgebildet und von der Rentenversicherung damit beauftragt, betonte Rüttger. Stephan Schenk verdeutlichte die Position der Sozialdemokraten: „Wir sind der Auffassung, dass unbedingt eine zweite Vollzeitstelle eingerichtet werden muss. Der Bedarf steigt – und das kann man mit Ehrenamtlichen nicht abfangen.“
Seniorenbeirat sieht Kommunen in Pflicht
Inwieweit die Freiwilligen das abdecken könnten, bleibe abzuwarten, so der Verbandsbürgermeister. Er erinnerte daran, dass Rentenberatung nicht klassisch von einer Verwaltung anzubieten sei. „Eigentlich sind wir nur Poststelle für die Anträge, die wir auf Vollständigkeit überprüfen und dann weiterschicken. So wie es die Stadt macht“, sagte Rüttger.
FDP-Mann Götz Rittner zeigte sich verwundert: „Da haben wir nun drei Personen als mögliche Berater benannt und wollen dennoch eine zusätzliche Stelle bei der Verbandsgemeinde schaffen, obwohl das nicht originär unsere Aufgabe ist?“
Der Vorsitzende des VG-Seniorenbeirats, Reinhard Fischer, findet, dass Verbandsgemeinde und Stadt geradezu verpflichtet zu diesem Service seien, nachdem die Rentenversicherung die Sprechtage ersatzlos gestrichen habe. Dass eine wohnortnahe Rentenberatung wünschenswert sei, hob auch Ernst-Albert Kraft (CDU) hervor.
Harry Hellfors (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass dieses Angebot in der Verbandsgemeinde schon gute Tradition sei. „Professionelle Berater nehmen dafür Geld. Für mich ist das auch eine soziale Frage“, meinte er. Aus der SPD-Fraktion merkte Alfred Lenz an: „Die drei Ehrenamtlichen gibt es schon lange und trotzdem hatten die Herren Raschke und Haberstig jede Menge zu tun. Dass andere Verbandsgemeinden so einen Ansprechpartner nicht vorhalten, sollte uns anspornen, Vorbild zu sein.“ Lenz plädierte dafür, die zweite Stelle mit einer Frau zu besetzen, da diese einen anderen Zugang zu Frauen habe. Rüttger meinte, dass die Ratsuchenden bislang vermutlich eher ins Rathaus gegangen seien als zu den Ehrenamtlichen. Das könne sich durch die Bekanntmachung jetzt etwas verschieben.
Rentenberatung
Ehrenamtliche: Thomas Breuer, Carlsberg, Telefon 0151 50440868; Barbara Jakob, Großkarlbach, Telefon 0172 6226278; Andreas Roth, Hettenleidelheim, Telefon 0152 28819110; bei der Verbandsgemeinde: Matthias Haberstig, Telefon 06359 80014361, E-Mail: matthias.haberstig@vg-l.de.