Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Weinhaus Moser in Grünstadt mit neuem Leben erfüllt

Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben.
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben. Foto: Benndorf

Genau 100 Jahre, nachdem Theodor Moser die Grünstadter Gastwirtschaft Müller in der Hauptstraße 26 übernahm, ist das Architektenehepaar Christian Hennecke und Anja Hennecke-Honigmann in das historische Gebäude eingezogen. Bis sie ihr Büro darin eröffnen konnten, war es ein hartes Stück Arbeit.

Das 299 Jahre alte, denkmalgeschützte Weinhaus Moser, das die beiden im Oktober 2017 erworben hatten, musste grundsaniert werden. „Wir haben es komplett entkernt“, berichtet Christian Hennecke. Die Arbeiten sind bis dato weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Vor allem die 80 Quadratmeter große Wohnung im Obergeschoss wird derzeit noch hergerichtet, und auch die Gestaltung des Innenhofs bedarf noch einiger Anstrengungen.

Zunächst habe man die alte Bausubstanz sehr genau untersucht, dazu mussten Wände, Böden und Decken stellenweise geöffnet werden. „Neun Container voll Schutt, Dreck und altem Mobiliar haben wir entsorgt“, so der 44-Jährige. Dabei habe man in dem Haus mit 240 Quadratmeter Nutzfläche, das mehr als 30 Jahre leer stand, einige Überraschungen erlebt.

„Die Pfette war Waldboden“

„Die Holzkonstruktion der Traufebene war verrottet. Dreiviertel der Pfette war Waldboden“, beschreibt Hennecke die Entdeckung, die Anfang 2018 gemacht wurde und mächtig auf die Stimmung drückte. „Wir hatten ein Puffer für Unvorhergesehenes eingeplant, aber dass es so schlimm wird, hatten wir nicht geahnt“, sagt Anja Hennecke-Honigmann. Alles sei im Argen gewesen. Der Dielenboden sei teilweise weggemodert gewesen. Unter Tapeten und Vertäfelungen fanden sich zahlreiche Löcher in den Wänden. „Karies im Endstadium“, meint Hennecke. Loses Material wurde in Handarbeit herausgesaugt, dann wurden die brüchigen Mauerstücke mit Beton stabilisiert. „Allein in einem Träger stecken 130 Eimer Beton“, erzählt der Ingenieur, der von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Denkmalschützern spricht.

Wo es möglich war, wurde Isolierung aufgebracht, auch im Dach, das zudem neu gedeckt wurde. „Die Fassade haben wir im Urzustand belassen, auch nicht gedämmt“, so Hennecke. Die einfach verglasten Lärchenholzfenster auf der Straßenseite sind lediglich repariert und gekittet worden, damit es nicht mehr zieht. Im vergangenen Sommer war der Erhalt der Bausubstanz gesichert. „Dabei haben wir aber nicht jede schiefe Wand begradigt, weil sonst der Charme des alten Gemäuers verloren gegangen wäre“, erläutert er.

Konsequent ist auch nicht jede Spur der vergangenen Jahrhunderte übertüncht worden, an den fleckigen Wänden und Decken lassen sich Geschichten ablesen. „Für das Anstreichen haben wir Kalkmilch verwendet. Sie deckt zwar kaum, ist aber gut für die Substanz, bindet Schadstoffe und verhindert Schimmel“, sagt Hennecke, der auch von Fundstücken erzählt, wie alten Zeitungen, Wertmarken für Moser-Bier und sogar Münzen von 1718.

Tür ins Leere

Geschickt sind Historisches und Modernes miteinander verknüpft worden, Kamin und Fußbodenheizung, quietschende Bodenbretter und Designermöbel bilden eine harmonische Einheit. Im ehemaligen Gastraum im Erdgeschoss ist großzügig Platz für Kundengespräche und Mitarbeiterbesprechungen. Eine glänzende Schiebewand versteckt das alte Klavier und kann als Beamer-Leinwand genutzt werden. Dekorativ ist das geschwungene schwarze Rohr des Holzofens, das in der Decke verschwindet. Anstelle der alten Theke ist eine neue aus Beton installiert worden. Die Kaffeemaschine steht neben der Zapfanlage aus den Fünfzigern. Dahinter ist eine gläserne Abtrennung zum Kellerabgang. Die Toiletten sind wie in einem Einbauschrank hinter einer glatten gelben Tür verborgen.

Durch eine Glastür geht es in die einstige Küche. Jetzt ist es ein Büro, bei dem die Decke herausgerissen wurde, sodass ein heller Luftraum bis zum Dach entstanden ist, geflutet auch vom Tageslicht, das durch die Fenster des ersten Stockwerks dringt. Die künstliche Beleuchtung liefern zweitverwertete Strahler aus den 70ern und 80ern. Über eine frei schwebende schwarze Stahltreppe geht es hoch in ein zweites Büro, mit Kamin und freigelegten Sandsteinwänden. Ein interessantes Detail: der direkte Blick durch eine offene Tür in die Ferienwohnung. Da unter dieser Öffnung die Decke fehlt und man quasi ins Leere treten würde, ist ein gelbliches Sicherheitsglas eingesetzt.

Keine Fördermittel erhalten

Letztendlich sind mehrere Hunderttausend Euro in die Instandsetzung und Modernisierung des 1720 erbauten Hauses geflossen. „Das wäre bestimmt doppelt so teuer geworden, wenn wir nicht Architekten wären und nicht viel selbst gemacht hätten“, sagt Hennecke. Eine Förderung über das Programm Aktive Stadtzentren sei ihnen verwehrt worden.

Weshalb sich das in Grünstadt wohnende Architekten-Ehepaar dazu entschieden hat, den markanten Leerstand in der Innenstadt wiederzubeleben, erklären die zwei zum einen mit der großen Faszination, die von dem historischen Bau ausgeht. Auch sei es schön, Räume nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können, eigene Werte hineinzubringen. „Zudem haben wir schon lange etwas in zentraler Lage gesucht“, sagt Hennecke, der die vergangenen sechs Jahre in der Poststraße saß und davor „sehr abgelegen“ in Ebertsheim. Zwar habe sein Büro keine Laufkundschaft, aber für sein fünfköpfiges Team sei es ein sehr angenehmes Arbeitsumfeld, bei dem man auch vom städtischen Leben etwas mitbekomme. Wichtig seien ihm und seiner Frau auch, einen positiven Beitrag für die Stadtentwicklung zu leisten – „trotz grenzwertiger Rentabilität“.

Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben.
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben. Foto: Benndorf
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben.
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben. Foto: Benndorf
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben.
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben. Foto: Benndorf
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben.
Die Architekten Anja Hennecke-Honigmann und Christian Hennecke zeigen gern, was sie aus dem Weinhaus Moser gemacht haben. Foto: Benndorf
Mehr zum Thema
x