Wattenheim
Wegen Bierkeller: Gemeinde stellt sich gegen Neubauten
Die Frage, was mit jenem unbebauten Grundstück geschehen soll, wurde schon zu einer Zeit gestellt, als Deutschland noch geteilt war: Die frühere Eigentümerin hatte bereits 1989 eine Bauvoranfrage zu dem Projekt gestellt, die seinerzeit abgelehnt wurde. Diesmal soll alles anders werden: Nach Überzeugung der Verbandsgemeinde Leiningerland sollte das Einvernehmen für das Vorhaben diesmal erteilt werden. Denn im Dezember 1991 sei die Kreisverwaltung vom Verwaltungsgericht in Neustadt verpflichtet worden, einen Bauvorbescheid zu den Reihenhäusern zu erlassen. Die Verbandsgemeinde argumentiert, dass sich die Gebäude nach Paragraf 34 Baugesetzbuch in die Umgebung einfügen und die Erschließung gesichert sei. In Wattenheim fragt man sich, ob die Einschätzung lediglich vom Schreibtisch aus vorgenommen wurde.
Der Antragsteller – der sich nach einer Bitte der RHEINPFALZ um ein Gespräch bislang noch nicht zurückgemeldet hat – möchte auf einer landwirtschaftlichen Fläche, für die kein Bebauungsplan existiert, drei Häuser errichten. Das Areal liegt zwischen dem Heidebuckel und der Carlsberger Straße. Da die Anliegerstraße nur 2,50 Meter schmal ist, soll die Erschließung über die Ortsdurchfahrt erfolgen. „Da müsste eine sehr steile Rampe über den öffentlichen Grünstreifen angelegt werden“, sagte Bürgermeister Carsten Brauer (CDU), der mit Blick auf eine etwa sechs Meter hohe, mit vielen Bäumen bewachsene Böschung den Kopf schüttelt. „Das ist unmöglich“, sagte auch Parteikollege Bernhard Korz jüngst in einer Sitzung und SPD-Fraktionssprecher Hartmut Armbrust bekräftigte: „Die Zufahrt ist aus praktischen Gründen nicht zu realisieren.“
Brauer: Bierkeller ist „absolut schützenswert“
Außerdem sollte, so Brauer weiter, das Einvernehmen versagt werden, weil das Grundstück über einem alten Bierkeller liegt. Und der sei „absolut schützenswert“. Der Hohlraum mit dem Sandsteingewölbe gehöre der Gemeinde und sei geschichtlich bedeutsam. Unter Denkmalschutz stehe er nicht. Brauer sagte: „Wenn etwas oben drüber gebaut werden soll, müsste das Gewölbe eventuell abgestützt werden.“ Der Keller, der 1962 verschlossen und teilweise zugeschüttet worden war, wurde 2010/11 bei Straßenbauarbeiten wiederentdeckt. In monatelanger Arbeit beförderten Ehrenamtliche damals das Füllmaterial wieder nach draußen, restaurierten den kühlen Raum, legten auch eine Treppe mit Notausstieg am hinteren Ende wieder frei. Der soll entstanden sein, als der Keller im Krieg als Luftschutzbunker gedient hat.
Nachdem der Bau- sowie der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig die Errichtung der Reihenhäuser abgelehnt haben, folgte dieser Empfehlung – bei einer Enthaltung – auch der Ortsgemeinderat. Allgemein plädierte man in den Gremien dafür, für den Bereich einen Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch aufzustellen. Bis dahin sollte – wenn möglich – eine Veränderungssperre erlassen werden. Grundsätzlich ist es allerdings so, dass die Kreisverwaltung das Einvernehmen der Ortsgemeinde ersetzen kann, wenn sie der Meinung ist, die Gemeinde habe es unberechtigterweise versagt.
Wann wurde der Keller gebaut?
Aber wann und von wem wurde der drei Meter breite und 17 Meter lange Keller angelegt? Von manchen Leuten im Dorf und auch in einem Zeitungsbericht wird die These vertreten, dass der Eiskeller von den Freiherren von Blumencron gebaut wurde. Die Adelsfamilie hatte Wattenheim 1698 als Kompensation dafür erhalten, dass die Leininger Grafen ihre Schulden nicht bezahlen konnten. Andere Einwohner mutmaßen, dass das unterirdische Gewölbe noch älter ist und entstand, als die Grafen 1605 vom Kaiser das Bergwerksrecht verliehen bekamen und im Bereich der heutigen Straße Am Kupferstollen Erze abbauten. Sicher ist aber, dass Gastwirte den Keller zum Kühlen von Getränken nutzten.
Ein Bierkeller
Licht ins Dunkel bringt schließlich Peter Pfister auf Anfrage der RHEINPFALZ: „Mein Urgroßvater Balthasar III war Bierbrauer und hat bei der Gemeinde einen Antrag gestellt, einen Keller graben zu dürfen.“ Das sei um 1880/90 gewesen. Für das Reifen in den Fässern brauche Gerstensaft eine bestimmte Temperatur und Feuchtigkeit. „Ursprünglich gab es einen Lüftungsstein in der Wiese über dem Keller. Heute ist er nicht mehr da. Vermutlich hat man ihn zugeschüttet, weil man Angst hatte, dass da jemand hineinfällt“, sagte der 68-Jährige. Das Verschließen des Belüftungslochs sei allerdings dem Mikroklima in dem Hohlraum nicht zuträglich. Ebensowenig wie die Eingangstür aus sibirischer Lärche, die ein Schreiner 2013 angefertigt hat: „Seitdem ist es drinnen feucht.“ Für das Lagern von Bier und die Aufbewahrung von Eis, das man im Winter aus dem Hammermühlweiher und dem Hetschmühlweiher geholt hat, wurde der Keller laut Pfister maximal 30 Jahre genutzt. 1909 sei die Brauerei in eine Metzgerei umgewandelt worden.