Grünstadt Was sie am Pflegeberuf schätzen

Das Foto zeigt (von links) Pflegedienstleiterin Jasmin Elsenbast, Geschäftsführerin Sabine Seifert und Ute Birk und Sibylle Gräf
Das Foto zeigt (von links) Pflegedienstleiterin Jasmin Elsenbast, Geschäftsführerin Sabine Seifert und Ute Birk und Sibylle Gräfin Strachwitz vor der Ökumenischen Sozialstation in Grünstadt.

Das Image der Pflege ist nicht gut. Beim Gespräch mit Mitarbeiterinnen der Ökumenischen Sozialstation wird deutlich, dass das Positive am Pflegeberuf in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz kommt. Sie erzählen, was sie an ihrem Beruf schätzen.

Ute Birk und Sibylle Gräfin Strachwitz kommen gerade zurück von ihren Touren: Sie pflegen alte oder kranke Menschen zu Hause. Wenn man die beiden Frauen fragt, was sie an ihrem Job mögen, nennen sie das selbstständige Arbeiten und die guten persönlichen Beziehungen zu den Menschen, um die sie sich sorgen. „Mir gefällt, dass ich immer einen Patienten habe, um den ich mich intensiv kümmern kann“, sagt Birk, die seit acht Jahren bei der Ökumenischen Sozialstation in Grünstadt arbeitet. Das sei ein Unterschied zu der Arbeit in Heimen. Gräfin Strachwitz sagt, die Arbeit sei körperlich „nicht so anstrengend“, auch weil man viel im Auto sitze. Sie ist seit 19 Jahren dabei und erzählt, dass man eine Beziehung zu den Patienten aufbaue, bei ihnen willkommen sei: „Sie freuen sich immer, wenn man kommt.“

Die Ökumenische Sozialstation bietet seit über 40 Jahren Kranken- und Altenpflege. In Grünstadt und der Verbandsgemeinde Leiningerland kümmern sich 60 Mitarbeiterinnen um 330 Patienten, die zu Hause leben. Neben medizinisch-pflegerischen Leistungen und hauswirtschaftlicher Versorgung bietet die Sozialstation Unterstützung bei der Betreuung von Menschen mit Demenz.

Thema Pflege im Scheinwerferlicht

Das Thema Pflege war in der Corona-Zeit im Scheinwerferlicht – zuletzt mit der Diskussion um die Impfpflicht, die für diejenigen gilt, die sich um Kranke und um Alte kümmern. „Es ist medizinisch sinnvoll, dass es die Impfpflicht gibt“, sagt Sabine Seifert, eine der Geschäftsführerinnen der Sozialstation. Das hätten die milderen Verläufe der Erkrankung bei den Geimpften gezeigt. Aber: „Wir hätten uns gewünscht, dass es eine allgemeine Impfpflicht gibt. Wir Pflegenden sind sowieso nah daran und haben große Aufgaben in diesen Zeiten. Es wird als unsolidarisch empfunden, dass der Rest der Gesellschaft sich nicht impfen lassen braucht“, fasst sie die Stimmung in der Branche zusammen.

Jasmin Elsenbast (31), die derzeit für eine Kollegin, die in Elternzeit ist, die Pflegedienstleitung innehat, berichtet, dass vier Mitglieder des Teams nicht geimpft seien. „Es wäre eine Belastung, wenn sie nicht mehr arbeiten könnten.“

Es mangele zwar grundsätzlich an Fachkräften in der Branche, aber bislang habe man in Grünstadt keine Leistungen absagen oder Verträge kündigen müssen, informiert Seifert (56). Das gelte auch für die Corona-Zeit, in der Mitarbeiterinnen und Patienten erkrankt waren: „Wir sind dankbar, dass die Patienten sich sensibel gezeigt haben“, sagt Seifert, die betont, dass es an Materialien wie Tests oder Masken fürs Personal nie gefehlt habe. Man könne aber nicht verhehlen, dass es mitunter schwierig gewesen sei, wenn Kolleginnen zeitgleich in Quarantäne waren, aber durch die relativ milden Verläufe des „super engagierten Teams“ und durch das Freitesten habe man es „gut gestemmt“.

Selbstständiges Arbeiten als großes Plus

Immer wieder wird über das schlechte Image der Pflege gesprochen, und Seifert und Elsenbast finden, man sollte einfach mehr Positives über die Arbeit erzählen. „Der Beruf wird negativ dargestellt, schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitszeiten“, fasst Elsenbast zusammen. Man müsste jungen Leuten mehr Hospitationen anbieten, bei denen sie die schönen Seiten des Berufs kennenlernen könnten, zum Beispiel den starken Teamgeist. Die Tarifbezahlung sei gut, zudem könne man selbstständig arbeiten und selbst gewichten und man ermögliche es den Menschen, zu Hause wohnen zu bleiben. Natürlich gebe es – anders als wenn man mit Maschinen arbeite – auch eine gewisse Art von Druck, weil man sich ja um Menschen kümmere, frei nach dem Motto: „Das sind ,unsere’ Leute, die müssen wir versorgen.“

Elsenbast selbst hat Gesundheits- und Krankenpflegerin im Neustadter Hetzelstift gelernt und hat sich ständig weitergebildet, ihr beruflicher Weg führte sie bis in die Schweiz. Seit 2019 ist sie in Grünstadt und schätzt das familiäre Arbeitsklima: „Es ist ein sehr schönes Arbeiten, das mit viel Stress und Verantwortung verbunden ist. Aber der Zusammenhalt hier wiegt das Ganze auf.“ Die Ökumenische Sozialstation biete sowohl Ausbildungsplätze für den Beruf der Pflegefachkraft (dreijährig) als auch für den der Altenpflegehelferin (einjährig) an.

Der Pflegedienst versorgt in erster Linie ältere Patienten zu Hause, doch auch jüngere Schwerbehinderte oder Menschen mit einer Krebserkrankung werden betreut. Daneben bietet die Ökumenische Sozialstation auch Pflegeberatung an, hier gibt es 610 Kunden, die halb- oder vierteljährlich besucht werden. Dabei gehe es auch darum, die Angehörigen über ihre Möglichkeiten – zum Beispiel bei der Beantragung von Hilfsmitteln – zu beraten.

Die Geschichte der Sozialstation

Die Ökumenische Sozialstation Grünstadt wurde bis Ende 2019 als Verein geführt. Seit 2020 wird sie von einer gemeinnützigen GmbH betrieben, an der die Diakonissen Speyer mehrheitlich beteiligt sind. Der bisherige Trägerverein wurde Mitgesellschafter der gGmbH und übernimmt überwiegend Aufgaben als Förderverein. Vorsitzender ist Wolfgang Will aus Kirchheim. Mitglieder des Fördervereins sind protestantische und katholische Kirchengemeinden und Krankenpflegevereine. Vor der Einführung der Pflegeversicherung (1995) musste man Mitglied in einem Krankenpflegeverein sei, damit man von der Sozialstation gepflegt wurde. Das sei heute nicht mehr nötig, die Anzahl an Krankenpflegevereinen und Mitgliedern gehe zurück, sagt Will. Die Idee sei nicht mehr zeitgemäß. Zumal man auch als Mitglied keine Garantie mehr habe, gepflegt zu werden, es gebe nur noch einen Rabatt auf Leistungen, die die Kassen nicht zahlten. Im Leiningerland gibt es derzeit noch 13 Krankenpflegevereine mit 2161 Mitgliedern, die durchschnittlich 80 Jahre alt sind. Vor zwei Jahren habe es noch 500 Mitglieder mehr gegeben.

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