Wandern
Was rastende Wanderer wissen sollten
Eine Wandergruppe hatte kürzlich auf ihrer Tour rund um den Rosenthaler Hof mittags die Kriegsberghütte des Pfälzerwald-Vereins (PWV) erreicht und sich über das gepflegte Außengelände mit Tischen und Bänken gefreut. Gut, dass es so viel Platz gab, denn heute waren alle gekommen, die ein- oder zweimal im Monat mit ihren Rentnerfreunden auf Tour gehen, so ein Grünstadter Paar, das dabei war. Kein Verein, sondern ehemalige Kollegen, früher bei BASF tätig, und ihre Frauen, insgesamt 13 Personen. Auch schon rein äußerlich nicht unbedingt eine Chaostruppe.
Unangenehme Überraschung
Aber kaum waren die Picknickdecken ausgebreitet, die Dosen und Becher auf den Tischen, gab’s einen Dämpfer für die gute Laune. Eine Frau im mittleren Alter kam auf die hungrigen und durstigen Wanderer zu, sagte mit strengem Unterton, dass es nicht erlaubt sei, sich hier niederzulassen, das Gelände sei Privateigentum. Gruppen müssten sich anmelden, beim Pfälzerwald-Verein Göllheim. Peinlich für das Grünstadter Paar, das die Tour organisiert hatte, um den Vorderpfälzern die schönen Seiten der Nordpfalz zu zeigen. Nach ein paar Worten hin und her, der Ton wurde zunehmend freundlicher, durfte die Gruppe bleiben. Aber es war sozusagen Picknick unter Aufsicht: Die Frau, wie die RHEINPFALZ-Nachfrage ergab, die Vorsitzende der Ortsgruppe, blieb auf dem Areal bis die Rentnertruppe alles wieder eingepackt hatte und abmarschierte.
Seit gut 15 Jahren wandert die Gruppe zusammen, aber noch nie gab es Probleme, wenn irgendwo das Picknick aufgetischt wurde. Glück gehabt oder sind die anderen Hüttenbetreiber großzügiger? Auf Nachfrage bei der Geschäftsstelle des Pfälzerwald-Vereins, der rund 85 Hütten unterhält, hieß es, dass es keine grundsätzliche Regelung gebe, aber das Rasten wohl geduldet werde. Geschäftsführer Bernd Wallner, seit 30 Jahren im Amt, meinte, er könne sich persönlich nicht vorstellen, dass eine der Ortsgruppen etwas dagegen habe, wenn Wanderer bei Hütten Pause machen, auch wenn geschlossen sei. Aber er wies auch darauf hin, dass während des Lockdowns in der Pandemie manche Ortsgruppen mit Hütten am Haardtrand ihr Gelände abgesperrt hatten, weil jede Menge Abfall liegengelassen wurde. „Da waren Leute unterwegs, die sich sonst nicht im Wald aufhalten.“
Ein böser Vorfall
Nicht nur geduldet werden Wanderer, die unter der Woche beim Waldhaus Schwefelbrunnen der Eisenberger PWV-Ortsgruppe rasten. „Wenn gerade jemand vom Verein da ist, weil er was zu arbeiten hat, gibt es auch was zu trinken“, verspricht der Vorsitzende Pirmin Maltry im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Probleme mit Müll habe man nicht, die Wanderer nähmen ihren Abfall in der Regel wieder mit. Den Ärger, den der Verein kürzlich hatte, gehe wohl nicht auf das Konto von Wanderern: Die gerade frisch abgeschliffenen Tische und Bänke seien mit polizeifeindlichen Symbolen beschmiert worden. Die Helfer des Vereins hätten dann viel Arbeit gehabt, um die Zeichen zu entfernen. Details sollen nicht genannt werden, um niemand zum Nachahmen anzuregen, zumal auch andernorts in der Region die Schmierereien festgestellt wurden.
Auch auf der Asselheimer Weinwanderhütte dürfen Ausflügler auf den Bänken sitzen und die Aussicht genießen, wenn von Montag bis Freitag der Ausschank geschlossen ist, informierte auf Nachfrage Eugen Eibel, Vorsitzender der Weinwerbegemeinschaft, die Betreiberin der Hütte ist. Obwohl es keine Problem mit Abfall gebe, würde er sich freuen, wenn größere Gruppen sich beim ihm anmelden, Telefon 06359 5794. Aber im Gegensatz zu früher, bestehe nicht mehr die Möglichkeit, die Hütte zu mieten.
Man will wissen, was abgeht
Im Prinzip habe auch die PWV-Gruppe Göllheim nichts dagegen, wenn einzelne Wanderer bei der Kriegsberghütte rasten, stellte auf Nachfrage die Vorsitzende Regina Pohl klar. Aber sie wünscht sich, dass Gruppen ab zehn bis zwölf Leute sich bei ihr anmelden, Telefon 06351 44293. „Das ist nicht bös’ gemeint, wir wollen einfach wissen, was abgeht.“ Wer angemeldet sei, hinterlasse das Gelände dann auch sauber. Manchmal würden hier auch abends Partys gefeiert, und dann gebe es schon mal Probleme mit Müll. Besonders schlimm sei es in der Pandemie gewesen, als die Hütte ganz zu war. Die ungebetenen Gäste hätten sich wirklich nicht anständig verhalten. Sie habe Schilder aufstellen müssen, dass die Ecken hinter der Hütte keine Toilette seien. Jetzt sei es wieder besser geworden, es kämen meist Leute, die wüssten, dass man sich auch im Wald benehmen müsse.
Zur Sache
Die Kriegsberghütte, nur sonntags geöffnet, ist insbesondere bei Familien mit Kindern beliebt, da gleich neben dem Areal des Pfälzerwald-Vereins der jederzeit zugängliche Mehrgenerationen-Spielplatz der Gemeinde Göllheim liegt, der vor rund acht Jahren mit Mitteln aus dem Leader-Programm der Europäischen Union eingerichtet wurde. Zudem gibt es im Wald die barrierefreien Dachsi-Wege, die sowohl mit Kinderwagen als auch mit Rollstuhl gut zu befahren sind.