Grünstadt Was ist denn der Altweibersommer?

„Was für ein schöner Altweibersommer!“ schwärmte Oma Nagute neulich nach einer Ausflugstour durch den Wald. Was ein Sommer ist, wusste ich. Aber ein Altweibersommer? Hat der etwas mit alten Weibern zu tun? Eher nicht, meinte Oma Nagute schmunzelnd. Schon vor mehr als hundert Jahren gab es dieses Wort. Und könnte andere Bedeutungen haben. Der Altweibersommer, das sind sonnige Tage im September und Oktober, sagte sie. Also angenehm warme Tage im zu Ende gehenden, oder auch „alten“ Sommer. In dieser Zeit weben junge Spinnen lange Fäden. Mit denen lassen sie sich vom Wind an andere Orte treiben. Und „Weiben“ war früher das Wort für „weben“. Die dünnen Spinnweben haben die Menschen früher wohl an graue Haare alter Frauen erinnert. Manchmal sind Spinnweben sehr gut zu sehen. Besonders dann, wenn morgens die Tautropfen an den feinen Fäden hängen. Die sehen dann wie wahre Kunstwerke aus. Davon habe sie auch im Wald zwischen Bäumen und Sträuchern viele gesehen, berichtete Oma Nagute freudestrahlend. Den Altweibersommer gibt es auch in anderen Ländern. Dort heißt er zum Beispiel „Indian Summer“ in Nordamerika oder „Sankt-Martins-Sommer“ in den Mittelmeerländern. Hierzuland fühlte sich einmal eine ältere Dame tatsächlich durch das Wort Altweibersommer stark beleidigt. Sie zog vor ein Gericht. Das stellte fest, dass es sich um kein Schimpfwort handelt. Sachen gibt’s, meinte Oma Nagute und schüttelte den Kopf. Beim nächsten Mal nimmt sie mich mit auf eine Wandertour in den Wald. Bald nehmen die grünen Blätter an den Bäumen die tollsten Farben an. Und „silberne“ Spinnweben-Gebilde gibt es bestimmt auch noch zu sehen im „Goldenen Oktober“ , der zum Altweibersommer dazu gehört. (gsp)