Eisenberg / Chemnitz RHEINPFALZ Plus Artikel Was der Großbrand im Chemnitzer Werk für Gienanth bedeutet

Der Brand beim Chemnitzer Gienanth-Werk hielt die örtlichen Feuerwehrleute lange beschäftigt.
Der Brand beim Chemnitzer Gienanth-Werk hielt die örtlichen Feuerwehrleute lange beschäftigt.

Am Freitagnachmittag brach das Feuer aus, erst am Sonntag konnte es vollständig gelöscht werden: Anfang Juni brach im Chemnitzer Werk der Gießerei-Gruppe Gienanth ein Großbrand aus. Wir wollten wissen, welche Auswirkungen der Brand auf die Prozesse des Unternehmens hat.

Es war ein Ereignis, das in Ostdeutschland Schlagzeilen machte. Großbrand bei der Gießerei Gienanth. Laut „MDR Sachsen“ war eine 100 Meter lange Gießereihalle in voller Ausdehnung in Brand geraten. Die Polizei hatte den örtlichen Medien demnach mitgeteilt, dass das Feuer während des Produktionsprozesses ausgebrochen sei. Etwa 60 Mitarbeiter hätten sich in Sicherheit bringen müssen, verletzt wurde niemand. Das Gebäude sei aber einsturzgefährdet. 380 Mitarbeiter arbeiten am Standort, vorübergehend muss die Produktion eingestellt werden.

Nachfrage bei der Unternehmensgruppe, deren Stammsitz sich in Eisenberg befindet. „Nach ersten Expertenschätzungen wird die Schadenshöhe deutlich achtstellig ausfallen“, so Gienanth-Sprecher Tobias Gödert zur RHEINPFALZ. Ganz genau könne der Schaden aber noch nicht beziffert werden. „Die zuständigen Sachverständigen der Versicherer haben am Dienstag, 6. Juni, ihre Arbeit aufgenommen, der Prozess der Schadensermittlung wird noch mehrere Wochen andauern“, kündigte Gödert an.

Brandunfall bei der Produktion

Der Sprecher sagt, dass der Brand keine Auswirkungen auf die anderen Werke der Gienanth-Gruppe habe, da es keine Verflechtung der Wertschöpfungsketten der Werke untereinander gebe. „Mit Kunden der Gienanth Chemnitz Guss GmbH wird an Verlagerungslösungen gearbeitet“, so der Gienanth-Sprecher weiter.

Hinsichtlich der Brandursache gehen die Ermittler von einem Brandunfall während der Produktion aus, sagt Gödert. Ein Straftatbestand werde von der Polizei ausgeschlossen. Gödert: „Die Erkenntnisse hieraus haben keinen Einfluss auf die Produktionsprozesse in den anderen Werken der Gienanth-Gruppe.“

Werk seit 2021 Teil von Gienanth

Die Geschichte der Chemnitzer Fabrik reicht bis ins Jahr 1852 zurück, damals stand hier aber noch keine Gießerei, sondern eine Webstuhlfabrik. Erst vor 23 Jahren wurde hier auf Gießerei umgesattelt. Laut Gienanth sei in den folgenden Jahren dort ein hochmoderner Anlagen- und Maschinenpark entstanden, unter anderem mit zwei horizontalen Formanlagen, auf denen hochkomplexe Eisengusskomponenten (bis zu 100 Kilogramm) gegossen werden. Zuletzt wurden dort etwa Eisengussteile für Fahrzeugbremsen produziert.

Seit 2021 ist das Chemnitzer Werk Teil der Gienanth-Gruppe, zuvor firmierte es unter dem Namen Trompetter-Guss. Kurz zuvor hatte Gienanth die Kulmbacher Firma Zaigler Maschinenbau GmbH übernommen. Gienanth verfügt überdies auch über Standorte in Steyr (Österreich), Kaplice (Tschechien) sowie Schwandorf (Bayern). Mit einer Produktionskapazität von rund 200.000 Tonnen jährlich zählt sich der Konzern zu den führenden Gießereigruppen in Europa. Der Gesamtumsatz lag 2021 bei 252,7 Millionen Euro (2020: 160,7 Millionen Euro), wie aus dem jüngsten Rechenschaftsbericht hervorgeht.

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