Leiningerland
Warum sich Bürger als Wahlhelfer engagieren
Markus Müller aus Kirchheim ist zum ersten Mal als Wahlhelfer tätig. „In erster Linie mache ich das aus Neugierde, um zu erfahren, wie so eine Wahl abläuft, auf was geachtet werden muss und wie sich die Auszählung gestaltet“, sagt der Angestellte über seinen Einsatz hinter der Wahlurne. Das stärkste Argument ist für ihn das Ehrenamt: „Wir leben in einer sozialen Gemeinschaft, da spielt das eine ganz große Rolle.“ Ohne das Ehrenamt gehe praktisch nichts. Der Kirchheimer ist auch als Trainer bei der Jugendspielgemeinschaft Kirchheim/Obersülzen tätig – „aus Spaß an der Sache“. Als Kirchheims Ortsbürgermeister Kay Kronemayer (FWG) wegen der Mithilfe am Wahlsonntag bei ihm anfragte, sei er sofort dabei gewesen. Wie viele Stunden er im Wahllokal verbringen wird, weiß Markus Müller noch nicht. „Ich werde solange vor Ort sein, wie ich gebraucht werde“, sagt er.
Ein „alter Hase“ in Sachen Wahlen ist Henning Fischer aus Großkarlbach. „Seit über 25 Jahren vergeht keine Bundestags-, Landtags- oder Regionalwahl, bei der ich nicht freiwillig aktiv tätig bin“, beschreibt er sein Engagement. Los ging es in jüngeren Jahren als „Anfängerwahlhelfer“. In den vergangenen Jahren war er meist als Schriftführer tätig. „Mein Engagement sehe ich als Dienst für unsere Demokratie, die uns freie Wahlen ermöglicht“, sagt Fischer. Als Teil der unabhängigen Wahlorgane helfe er bei der Sicherstellung eines ordnungsgemäßen Ablaufs.Das Interesse an Politik – lokal und darüber hinaus – begleitet den Senior, der in seiner Heimatgemeinde auch politisch aktiv ist, schon lange. „Geleitet werde ich von einer Art Schlüsselerlebnis“, berichtet er. „In meiner Studienzeit hörte ich den berühmten Ausspruch von John F. Kennedy aus seiner Antrittsrede: ,Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt.’“ Die Worte des US-Präsidenten haben Fischer geprägt. Bei seinen Einsätzen als Wahlhelfer gefallen ihm auch die „interessanten Gespräche mit Mitstreitern aus anderen politischen Gruppierungen und die Begegnungen mit Bürgern, die man schon lange nicht mehr gesehen hat“.
Aline Gutfrucht aus Ebertsheim erfüllt seit einem Jahr eine der gesetzlichen Vorgaben für Wahlhelfer: Sie ist 18 Jahre alt. Gutfrucht, die dieses Jahr Abitur gemacht hat, sieht das Helfen bei den Wahlen nicht als Opfer an. „Für mich ist es eine Chance, eine neue Tätigkeit kennenzulernen“, sagt sie. Sie freut sich darauf, den Tag mit den anderen Helfern zu verbringen. Was sind die Beweggründe dafür? Aline Gutfrucht hat die Erfahrung gemacht, „dass wenig Menschen in meinem Alter sich für Politik und die damit verbundenen Aufgaben oder Arbeiten interessieren“. Sie aber findet es wichtig, sich so früh wie möglich damit auseinanderzusetzen, denn „das Wahlrecht ist auch die Stütze für eine Demokratie“.Gutfrucht ist gespannt auf die Einblicke, die sie in die Wahl vor Ort bekommen wird. Außerdem darf sie erstmals selbst ihr Kreuzchen bei einer Bundestagswahl machen. Wie lange ihr Dienst im Wahllokal für Ebertsheim/Rodenbach dauert, ist noch ungewiss – und für die 19-Jährige auch nicht von Bedeutung. Es sei keine Frage der Zeit oder Stundenanzahl. Hauptsache sei, in einem demokratischen Verfahren mitzuwirken und so einen kleinen Beitrag zu leisten.
Der 24-jährige Lucas Werner aus Grünstadt hat bereits Erfahrung als Wahlhelfer. Er war 2019 bei den Stadtratswahlen an Bord, im November 2020 bei der Landratswahl und im März 2021 bei der Landtagswahl. Und hat gute Gründe dafür. „Wir genießen das Privileg, wählen gehen zu können. Dieses Privileg scheint mir bei vielen als selbstverständlich zu gelten“, findet der Student der Wirtschaftsinformatik und angehende IT-Consultant. Die Welt zeige uns allerdings, dass wählen gehen eben nicht selbstverständlich sei. Daher ist er gern bereit, Unterstützung zu leisten und die Durchführung zu begleiten.Lucas Werner ist gespannt, wie viele Menschen das Wahllokal nutzen, nachdem die Briefwahl in Zeiten der Corona-Pandemie bekanntlich besonders gefragt ist. „Zudem achte ich gern auf das Alter der Wählerinnen und Wähler“, sagt er. Bisher habe er leider festgestellt, dass die Wahlbeteiligung im Lokal bei der jüngeren Altersgruppe sehr schwach sie: „Hoffen wir, dass die Jungen ihre Stimmen per Briefwahl abgeben.“ Wie Gutfrucht ist Werner Parteimitglied. Da sei der Weg hin zum Wahlhelfer vergleichsweise kurz. Bei der Auszählung, die hohe Konzentration erfordere, ist der Grünstadter ebenfalls dabei. Er kennt auch Tücken: „Sobald nur eine Stimme im Endergebnis fehlt, müssen alle neu ausgezählt werden. Das kann sehr zeitintensiv werden.“
Christoph Siebert aus Grünstadt-Sausenheim war bei der Bundestagswahl 2005 erstmals als Wahlhelfer dabei. Seitdem hat der 33-jährige Winzermeister, der das politische Engagement vom Vater her kennt, „keine Wahl ausgelassen“. Nach dem Einstieg als Wahlhelfer war er Beisitzer, später stellvertretender Wahlvorstand. Seit drei Jahren ist er nun Wahlvorstand. Es sei schwierig, Leute zu finden, die bereit sind, „einen ganzen Sonntag von morgens bis spät abends und bei Kommunalwahlen auch noch montags zu helfen“, so seine Erfahrung. Ihm hat es besonders die Briefwahl angetan. „Hier macht es noch mehr Spaß, da im Gegensatz zum Wahllokal ordentlich was zu tun ist und die Briefwähler immer mehr werden“, sagt Siebert. In Grünstadt gebe es zwei Briefwahlvorstände, die jeweils drei Bezirke bearbeiten.
Sein en Dienst beginnt Siebert am Sonntag um 10 Uhr in der Turnhalle der IGS. „Wenn alle Helfer verpflichtet sind, bekommen wir von der Stadtverwaltung die Wählerlisten und die Wahlbriefe“, berichtet er. Dann würde damit begonnen werden, die Wahlbriefe zu öffnen und den Wahlschein sowie den mit einem Umschlag verschlossenen Stimmzettel herauszuholen. Der Wahlschein werde mit dem Wählerverzeichnis abgeglichen und wenn alles korrekt sein, der verschlossene Stimmzettel in die Urne geworfen. „Um 18 Uhr bekommen wir von der Verwaltung eine Mitteilung, ob noch Briefe eingegangen sind, da bis 18 Uhr Briefwahlunterlagen am Rathaus abgegeben werden können“, berichtet Siebert. Danach werden die Urnen geöffnet und die Auszählung beginnt.
Da es sich um eine umfangreiche Wahl handelt, schätzt Siebert, dass die Auszählung bis mindestens 21 Uhr dauern wird.
Zur Sache: Wahlhelfer im Leinignerland
Die Verbandsgemeindeverwaltung Leiningerland hat zur Bundestagswahl knapp 300 Wahlhelfer für ihre 21 Ortsgemeinden im Einsatz. Hinzu kommen noch 50 Mitarbeiter, die als Wahlhelfer in den vier Briefwahlbezirken tätig sind. Die Briefwahlzählungen werden im Verbandsgemeinde-Haus in der Industriestraße in Grünstadt durchgeführt. In der Verbandsgemeinde gibt es 24.800 Wahlberechtigte. Für die Stadt Grünstadt mit Asselheim und Sausenheim sind rund 90 Wahlhelfer einschließlich der Helfer zur Auszählung der Briefwahlen tätig. Die Stadt mit beiden Vororten verzeichnet 10.277 Wahlberechtigte.