Grünstadt
Warum Fans zum Derby zwischen Kaiserslautern und Mannheim gehen – und warum nicht
Nach fast 20 Jahren treffen der 1. FC Kaiserslautern und der SV Waldhof Mannheim wieder in einem Derby aufeinander. Die Drittligapartie ist ein sogenanntes Hochsicherheitsspiel. Fans beider Lager freuen sich auf das Duell am Sonntag (13 Uhr), dennoch geht die Angst vor Krawallen um. Deshalb will auch nicht jeder live auf dem Betzenberg dabei sein.
18 Jahre ist das letzte Duell zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Drittligaaufsteiger SV Waldhof Mannheim her. Positiv in Erinnerung haben es aber wohl nur die Roten Teufel. Denn im DFB-Pokal siegten sie damals mit 3:2 in Mannheim. Nun hat Waldhof die Chance auf Wiedergutmachung. Die Fans hoffen auf ein heißes Duell, die Sicherheitskräfte auf einen friedlichen Verlauf jenseits des Platzes. Schließlich gilt das Duell als Hochrisikospiel. Bedeutet: Aufgrund der vermuteten Gefahrenlage sind besonders viele Sicherheits- und Polizeikräfte im Einsatz.
Für den Grünstadter Daniel Rumpf ist das dennoch kein Grund, dem Stadion fernzubleiben. Von Kindesbeinen an ist er glühender FCK-Fan. „Für mich war schon nach dem Aufstieg von Mannheim in die Dritte Liga klar, dass ich bei beiden Derbys ins Stadion gehe“, sagt Rumpf. Dafür nimmt er sogar einige Strapazen auf sich. Beruflich hat es ihn mittlerweile als Anwalt nach Köln verschlagen. Für das Spiel am Sonntag fährt er extra über 200 Kilometer nach Kaiserslautern. „Es ist natürlich ein Adrenalinkick, auf so ein Spiel zu fahren“, meint Rumpf, der schon immer Fan der Betze-Fans war.
Waldhof-Fans attackieren Bahn
Die besonderen Aktionen der Kiebitze sind der Grund, warum er ins Stadion geht: „Das Spiel kann man ja auch im Fernsehen sehen, aber das Drumherum ist für mich das Spannende. Und gerade bei Derbys gibt es immer wieder spektakuläre Choreographien.“ Angst vor körperlichen Angriffen hat Rumpf nicht. „Man sollte sich halt bewusst von gefährlichen Stellen und Personengruppen fernhalten.“ Ganz so locker sieht er das Ganze dann aber doch nicht, wie eine Vorsichtsmaßnahme verdeutlicht. Schließlich will er nach eigener Aussage auf jegliche Fanutensilien verzichten, um neutral zu wirken. „Das liegt auch an den Eindrücken, die ich beim letzten Derby im November 2001 gesammelt habe.“ Der FCK habe damals im DFB-Pokal in Mannheim gastiert. „Auf dem Rückweg vom Stadion zum Mannheimer Hauptbahnhof hat eine Horde Waldhof-Fans eine Straßenbahn attackiert, in der Lauterer Fans waren.“
„Minuten voller Angst“
In dieser Straßenbahn saß auch ein Neuleininger Fußballer – der daraus aber einen anderen Schluss gezogen hat: „Ich werde nie mehr auf so ein Derby fahren. Damals saßen Kinder, Mütter und Väter in der Bahn, und das hat die Mannheimer Hooligans nicht davon abgehalten, mit Schlagstöcken auf die Scheiben einzuschlagen.“ Der FCK-Fan berichtet von „Minuten voller Angst“, bis die Straßenbahn endlich weitergefahren sei und die Randalierer von dem Waggon abgelassen hätten. „Jetzt, als Familienvater, ist mir das Risiko zu hoch, unverschuldet in eine Keilerei zu geraten.“ Denn eines sei für ihn klar: Das Gewaltpotenzial rund um das Spiel sei groß – und werde sich auch auf irgendeine Art und Weise entfalten.
Ähnlich sieht es der Grünstadter Optikermeister und Waldhof-Anhänger Florian Hofferer: „Ich fahre auf viele Auswärtsspiele meines Vereins, aber meine Zähne sind mir zu kostbar, um sie bei so einem Derby ausgeschlagen zu bekommen.“ Die Entscheidung sei ihm allerdings nicht leicht gefallen, er habe lange darüber nachgedacht, ob er zum Spiel gehe. „Auf der einen Seite wird es sicher eines der spannendsten Spiele der Saison vor einer super Kulisse, aber Infos aus Mannheimer Fanforen haben mich dann davon abgehalten, ein Ticket zu kaufen.“
Hofferer rechnet mit Abbruch
Die Sicherheitsbehörden selbst versuchen, das Risiko von Ausschreitungen zu verringern – beispielsweise indem das Angebot an Gästetickets verknappt wurde. Dies hat laut Infos von Hofferer dazu geführt, dass Mannheimer Anhänger über Freunde aus der Pfalz Tickets auf den Haupttribünen oder im FCK-Lager erworben haben. „Es wird zu einem sehr gefährlichem Mix der Fanlager im Stadion kommen. Sicher keine angenehme Stimmung für harmlose Fans wie mich“, sieht der Optiker die Situation durchaus kritisch. „Ich rechne ohnehin mit einem Spielabbruch.“
Ins selbe Horn bläst der Grünstadter FCK-Fan Jochen Obenauer, der auf jedes Spiel fährt – außer das Derby am Sonntag. „Dieses Spektakel hat nichts mehr mit Fußball zu tun“, betont er auch mit Blick auf den Vorfall am 11-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern. „Dort wurden vor Kurzem zwei Figuren der Kopf abgeschlagen, da sieht man mal wie beschränkt Teile der Fans sind, die am Sonntag auf den Betze gehen werden.“
Der glühende FCK-Anhänger Rumpf erinnert sich außerdem noch an eine kuriose Situation im bisher letzten Derby in der Zweiten Liga am 26. Mai 1997, das der FCK zu Hause mit 5:0 für sich entschieden hat. „In der 64. Minute ist ein 19-jähriger Waldhofspieler eingewechselt worden. Drei Minuten später musste er jedoch schon wieder vom Platz, weil er Gerry Ehrmann eine Ohrfeige verpasst hat,“ berichtet Rumpf und lacht.
Bleibt zu hoffen, dass das Spiel am Sonntag auf dem Kaiserslauterer Betzenberg ebenfalls höchstens solche Anekdoten liefert.