Grünstadt
Warum an dieser Schule 15.000 Euro für ein Zirkusprojekt fließen
Der Förderkreis der Dekan-Ernst-Schule (DES) in Grünstadt, die Lehrkräfte, die Eltern und die Erst- bis Viertklässler haben in den vergangenen Wochen mit vereinten Kräften an einem Strang gezogen und etwas ganz Großes auf die Beine gestellt. Die einen investierten sehr viel Geld, die nächsten die Bereitschaft, sich fortzubilden, die übernächsten Einsatzfreude und die Jüngsten Elan, Neues zu lernen. Bei allen Beteiligten floss jede Menge Schweiß – auch bei denen, die die Finanzierung sicherten. Denn laut dem Fördervereinsmitglied und bisherigen Elternsprecher Sören Kemmann waren dafür 15.000 Euro nötig.
Was die Schule dafür bekam? Ein einwöchiges Projekt mit einem professionellen Pädagogenteam aus dem 2005 gegründeten Circus Zappzarap. Von den 25 Mitarbeitern des Unternehmens aus Leverkusen, das durch ganz Europa tourt, kamen drei nach Grünstadt. Da die Anleitung von 430 Jungen und Mädchen, die zu Stars der Manege werden sollten, eine personalintensive Aufgabe ist, brauchte das Trio Unterstützung. „Unser ganzes Kollegium aus knapp 40 Lehrkräften hat sich zu Trainern ausbilden lassen“, berichtete die Rektorin Marina Röhrenbeck. In altersgemischten Gruppen studierten die Schüler vier Tage lang Kunststücke ein.
Auch Schulverweigerer motiviert
„Bei diesem Projekt finden alle mit ihren unterschiedlichen Talenten ihren Platz“, meinte Röhrenbeck – auch Schüchterne oder Jungen und Mädchen mit sprachlichen Problemen beziehungsweise anderem Förderbedarf. „Sogar Kinder, die den Schulbesuch verweigern, waren bei allen Workshops anwesend“, berichtete sie von einem äußerst erfreulichen Effekt. Kemmann betonte: „Die Grundschüler erfahren, dass jeder etwas kann.“
Darüber hinaus sorge diese Aktion für Bewegung, etwas, das Röhrenbeck extrem wichtig ist. Elternbeiratsvorsitzender Christian Nünlist resümierte: „Es hat den Kindern sehr gut gefallen. Sie lernten sich auf anderen Ebenen kennen als im üblichen Unterricht.“ Vor allem aber habe diese eine Woche einen enormen Schub an Selbstständigkeit gebracht. Weitere Wirkungen: Die Gemeinschaft wird gestärkt, die Teilnehmer erleben ihre persönlichen Grenzen und das erhebende Gefühl, wenn man diese überwindet. Nicht zuletzt wird der Erfahrungshorizont erweitert.
Auch Kinovorführungen im Zelt
Das Endergebnis waren vier nahezu ausverkaufte Zirkusvorstellungen am Freitag und am Samstag in einem riesigen, rot-blauen Zelt, in das laut der kommissarischen Konrektorin Rebecca Hörl jeweils rund 250 Zuschauer passen. 53 motivierte Helfer hätten sich am Auf- und Abbau beteiligt, verriet Anika Scheuble vom Förderkreis. In dem Zelt fanden auch zwei Kinovorführungen statt („Minions“ und „Zoomania“), bei denen 21 Kilogramm Popcorn gefuttert wurden.
„In der Summe haben 47 Ehrenamtliche den Verkauf von 117 selbst gebackenen Kuchen, 600 Würstchen und 1152 Getränken koordiniert“, so Scheuble. In der Manege zeigten die Jungen und Mädchen Artistik und Sketche, Choreographien mit Riesenbällen oder Hula-Hoop-Reifen, eine Feuershow und Zauberkunststücke. Die Begeisterung des Publikums war groß. Und die der Rektorin auch. Sie verkündete: „Wenn das hier nicht nach einer Wiederholung schreit!“