Ramsen
Vorwurf Naturzerstörung: Warum sich ein Bürgermeister über die Bahn ärgert
Das Viadukt über dem Bockbachtal ist eines der prägendsten Bauwerke der Region, auch wenn es erst nach einigen Metern Waldweg für Spaziergänger erreichbar ist. Die Bahnverbindung von Grünstadt, die früher bis nach Kaiserslautern reichte, wird heute vor allem für den Ausflugsverkehr am Wochenende genutzt, wenn die Regionalzüge der Deutschen Bahn bis zum Eiswoog durchfahren und nicht der Bahnhof Ramsen die Endstation der Züge ist.
Die Brücke wurde als eine von drei Eisenbahnbrücken im Zuge der Erweiterung der Eistalbahn zwischen 1922 und 1932 im Streckenabschnitt zwischen Ramsen und Enkenbach gebaut. Ergo war das Bauwerk im Zweiten Weltkrieg auch Ziel alliierter Flugzeuge, was die zahlreichen Einschusslöcher in der Brücke bis heute belegen. „Jetzt scheint die Bahn AG wohl die Absicht zu haben, das Brückenbauwerk zu sanieren, worüber die Gemeinde aber bislang nicht in Kenntnis gesetzt wurden“, sagte Ramsens Ortsbürgermeister Arnold Ruster (FWG) im Verlauf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, als es eigentlich um andere, deutlich kleinere Brückenbauwerke im Stumpfwald ging. „Die Bahn hat, ohne uns oder die Forstverwaltung in Kenntnis zu setzen, eigenmächtig unter der Brücke die gesamte Natur zerstört“, kritisierte Ruster.
Revierförster Franz Kern habe, als er – nach offenbar bereits großem Fortschritt der Bauarbeiten – bemerkt habe, was sich da im Stumpfwald tut, die Arbeiten sofort einstellen lassen, um die Natur vor weiteren Schäden zu bewahren. Beim Ortsbesuch dieser Zeitung war bereits ein breiter, planierter Streifen unter der Brücke zu erkennen, auf dem im großen Stil Schotter eingebaut und befestigt worden ist. Direkt am Weg wurde zudem eine Art Plateau errichtet, das auf gleichem Niveau wie der Forstweg in den Stumpfwald angelegt wurde. Dieser Bereich erscheint zumindest so, als sei er als Standort für schwere Baufahrzeuge oder Hilfsgeräte gedacht und umfasst die Fläche von etwa zehnmal zehn Meter. Baustellenhinweise oder Schilder: Fehlanzeige.
Ruster machte in der Sitzung keine Angaben dazu, wann die Arbeiten vorgenommen worden sind. Es sei bislang auch nicht bekannt, was genau die Bahn an der historischen Brücke plane. „Wir sind aber mit dem Forst darin einig, dass der gesamte Schotter, der hier verbaut worden ist, wieder entfernt werden muss, damit sich die Natur im Stumpfwald erholen kann“, betonte Ruster, der jedoch Zweifel anmeldete, ob die Bahn einen ordentlichen Rückbau überhaupt ins Auge fassen werde. „Insgesamt ist das Vorgehen der Bahn absolut inakzeptabel“, kritisierte der Ortsbürgermeister. Überhaupt bekannt geworden war das Bauvorhaben, da es zuvor in der Beratung um eine kleine Holzbrücke an einem Waldweg unweit der Bockbachtalbrücke ging. Diese muss zurückgebaut werden, da sie nicht mehr standsicher sei, informierte Ruster zunächst den Gemeinderat. Dafür stünden im Haushalt der Gemeinde rund 2000 Euro zur Verfügung. Die hölzerne Brücke war für Spaziergänger über einer Furt errichtet worden. Jetzt soll – so wie vor dem Bau – die Querung des Bockbachs wieder über Steine ermöglicht werden, die im Bachbett platziert werden.
Das sagt die Bahn
Die RHEINPFALZ hat die Deutsche Bahn nach der Sitzung des Gemeinderats kontaktiert und mit der Kritik des Ramser Ortschefs konfrontiert. Nach Angaben des Unternehmens soll durch die Sanierung vermieden werden, dass sich insbesondere an den beiden Bögen, die den Forstweg/Wirtschaftsweg/Radweg überführen, Betonteile lösen und herabfallen. Es gehe hier um Verkehrssicherungspflicht. Entsprechende Ortstermine zur Abstimmung, unter anderem mit dem Forst Rheinland-Pfalz, haben im März 2024 stattgefunden. Anschließend sei die Herrichtung der Flächen für eine mögliche Gerüstaufstellung an den Pfeilern und den Widerlagern erfolgt. Auch die Naturschutzbehörde des Donnersbergkreises sei involviert gewesen (was der Kreis bestätigt), ebenso wie die Verbandsgemeinde Eisenberg. Die Vertreter der VG seien aber nur zufällig vor Ort gewesen und seien zu dem Termin nicht eingeladen worden, informiert die VG-Verwaltung auf Nachfrage dieser Zeitung.
Die Unterbrechung der Arbeiten jedenfalls resultiere nicht aus Einsprüchen oder Initiativen der Gemeinde, sondern weil Materialproben entnommen werden, auf deren Basis nun die Planungen fortgeführt werden, so die Bahn. Sorgen wegen einer möglichen Zerstörung der Natur müsse sich die Gemeinde nicht machen. „Diese Bedenken sind unbegründet.“ So sei in Rücksprache mit dem Forst, Vlies ausgelegt sowie Naturschotter anstelle von günstigem Recycling-Schotter eingebracht wurde, vor dem Hintergrund, den Boden bestmöglich zu schützen“, beteuert die Bahn. Die Flächen der Bereiche, in denen der Untergrund für eine Gerüstaufstellung vorbereitet wurden, gehörten dem Forst RLP (Landesforsten RLP). Es sei nach Durchführung einer gemeinsamen Begehung eine Nutzungsvereinbarung gezeichnet worden, die der Deutschen Bahn die Nutzung der Flächen erlaubt.
Wie lange die Arbeiten dauern werden, ist Stand jetzt unklar. „Dies ist abhängig von den Materialproben und der Fortführung der Planung“, so das Unternehmen. Der Zugverkehr werde davon nicht beeinträchtigt, derzeit sind alle Arbeiten in natürlichen Zugpausen geplant. Da die Planung noch nicht abgeschlossen ist, könne das Unternehmen zu möglichen Kosten der Baumaßnahme noch keine Angaben machen.