Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel „Vom Land ausgebremst“: Worüber die Feuerwehr klagt

Kostet gut 300.000 Euro: das neue Tanklöschfahrzeug für die Wehr in Ebertsheim. Das Land gibt einen Finanz-Zuschuss, aber vor Or
Kostet gut 300.000 Euro: das neue Tanklöschfahrzeug für die Wehr in Ebertsheim. Das Land gibt einen Finanz-Zuschuss, aber vor Ort wird trotzdem Kritik laut.

Hat Rheinland-Pfalz aus der Flutkatastrophe im Ahrtal wirklich etwas gelernt? Die Verantwortlichen der Freiwilligen Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Leiningerland berichten: „Wir werden vom Land ausgebremst“ – und führen Beispiele an.

Mehrere Hundert Mal pro Jahr (2023: 320 Mal) sind die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Leiningerland im Einsatz. Sie löschen Brände und leisten technische Hilfe. Um ihr Ehrenamt für die Allgemeinheit möglichst schnell, effizient und sicher ausüben zu können, brauchen sie die beste Ausrüstung. Verwaltungschef Frank Rüttger (CDU) wird nicht müde, zu betonen: „Wir werden nicht zulassen, dass die notwendige Schutzkleidung und die Ausstattung veraltet.“ Auch wenn die VG vom Land im Regen stehengelassen werde und an ihre finanziellen Grenzen komme.

Warten aufs Geld

Die Zuschüsse seien mitunter recht bescheiden und ihre Auszahlung dauere nicht selten sechs bis sieben Jahre, klagt Rüttger. So ist bei der Wehrführerdienstbesprechung am Freitagabend in Bockenheim ein Tanklöschfahrzeug TLF 3000 an die Ebertsheimer Wehr übergeben worden. Zu den Anschaffungskosten dieses Allradwagens, der ein TLF 8/18 aus dem Jahr 1992 ersetzt, in Höhe von 309.853 Euro gibt das Land einen Festbetrag von 79.000 Euro. „Wann wir das Geld erhalten, steht in den Sternen. Der Förderantrag wurde im August 2020 gestellt“, berichtet der Bürgermeister.

Wie es aktuell aussehe, werde die Verbandsgemeinde nahezu alles allein stemmen müssen. Im laufenden Jahr seien neben dem TLF und einem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF an die Stützpunktwehr Bockenheim-Kindenheim unter anderem angeschafft worden: zwei Überseecontainer als Atemschutz-Übungsstrecke, sechs Atemschutzgeräte (rund 15.000 Euro), Persönliche Schutzausrüstung für etwa 80.000 Euro, 130 digitale Funkmelder (35.000 Euro), Schlauchmaterial (18.000 Euro), Mess- und Regeltechnik (31.000 Euro), 25 Tablets für 18.000 Euro, die im ersten Quartal 2024 ausgegeben werden.

Unterlagen nicht gelesen

Mit Blick auf zahlreiche anstehende Investitionen für mehrere Millionen Euro – wie zum Beispiel die Sanierungen, Erweiterungen und Umbauten der Gerätehäuser in Carlsberg, Bockenheim-Kindenheim, Kirchheim-Kleinkarlbach und Hettenleidelheim – sagt er: „Wir bohren dicke Bretter bei der ADD.“ Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion habe mitgeteilt, dass sie als Grundlage für die Beratungen zu diesen Projekten zunächst jede Menge Informationen benötige. „Wir sollten einen Feuerwehr-Bedarfsplan vorlegen“, so der Bürgermeister. Viele Städte und Gemeinden hätten so ein Dokument noch nicht, die VG habe ein rund 250 Seiten starkes Werk anlässlich der Fusion „mit viel Fleißarbeit“ angefertigt.

Bei der ersten Videokonferenz mit der ADD habe es nicht nur technische Probleme gegeben, „sondern wir mussten auch feststellen, dass sich niemand in der Behörde die etliche Wochen zuvor geschickten Unterlagen angeguckt hatte“, berichtet Rüttger kopfschüttelnd. Die Feuerwehr-Bedarfsplanung soll die kommunalen Gefahrenpotenziale aufzeigen und dazu dienen, die erforderliche Leistungsfähigkeit der jeweiligen Wehr abzuleiten.

Kurioses aus Mainz

Als kreisweit größte VG habe man ein umfangreiches Gebiet zu betreuen und bräuchte mehrere Tanklöschfahrzeuge, zumal aufgrund des Klimawandels vermehrt Flächen- und Waldbrände entstünden. „Aber das Land gesteht uns nur zwei zu.“ Bei dem Versuch, mit Mainz hinsichtlich des Löschwasserkonzeptes ins Gespräch zu kommen, hat die Verwaltung auch Kurioses erlebt. Sie sei mit ihrer Anfrage von einer Stelle zur nächsten weitergereicht worden, um schließlich wieder bei der allerersten zu landen und zurechtgewiesen zu werden, dass nur der Kreis und nicht die VG eine Beratung durch die ADD anfordern könne.

Von Hindernissen berichtet auch VG-Wehrleiter Markus Ittel. Mit 420 Aktiven (382 Männer und 38 Frauen) habe die VG die größte Wehr im Kreis und einen entsprechenden Bedarf an Fortbildungen. Doch von den 51 Kameraden, die für Lehrgänge in 2024 bei der Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie des Landes angemeldet wurden, darunter 26 Führungskräfte, habe genau einer einen Platz bekommen. „Das bringt mich auf die Palme: Wir werden vom Land ausgebremst“, schimpft Ittel. Es sei nicht möglich, die Vorgaben zu erfüllen.

Um beispielsweise eine Ortswehr leiten zu dürfen, müsse man zumindest Zugführer sein. „Und so etwas zweieinhalb Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal“, kommentiert Rüttger und moniert: „Das Land spielt auf Zeit und uns läuft die Zeit davon.“

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