Leiningerland / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Paare sagen Termine beim Standesamt ab

Viele Paare verschieben ihre Termine lieber, als allein zum Standesamt zu gehen.
Viele Paare verschieben ihre Termine lieber, als allein zum Standesamt zu gehen.

Im Wonnemonat Mai beginnt normalerweise die Hochsaison für Hochzeiten. Dieses Jahr sind die Bedingungen jedoch alles andere als perfekt. Bei den Standesämtern in Grünstadt sowie den Verbandsgemeinden Leiningerland und Eisenberg hagelt es daher Absagen. Am Heiratswillen mangelt es aber nicht – ganz im Gegenteil.

Die Hochzeit gemeinsam mit Familie und Freunden zu feiern, ist wegen der momentanen Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Für Brautpaare bedeutet das, dass sie den Termin für ihren besonderen Tag entweder verschieben oder in trauter Zweisamkeit erleben müssen. Bis Mitte Mai wurden daher in der Verbandsgemeinde Leiningerland bereits sieben Eheschließungen abgesagt.

Nur drei Paare haben sich trotz aller Schwierigkeiten trauen lassen. „Das war aber noch vor den derzeitigen Einschränkungen durch Corona“, berichtet Standesbeamtin Nadine Riester. Vor dem 20. März durften noch bis zu 15 Personen bei einer standesamtlichen Trauung dabei sein, aktuell sind lediglich der Standesbeamte und das Brautpaar erlaubt – sowie gegebenenfalls ein Dolmetscher.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Rund 150 Eheschließungen vollzieht die Verbandsgemeinde Leiningerland jährlich – im Gebäude in der Industriestraße, der Dorfmühle in Großkarlbach und dem Sturmfederschen Schloss in Dirmstein. Dieses Jahr seien viele Feiern auf einen späteren Zeitpunkt verlegt worden, sagt Riester. Bis Ende Mai stünden allerdings noch Trauungen im Kalender: „Wir müssen eben abwarten, wie es weitergeht.“

Für die Hochzeitspaare besteht neben den Trauungen mit ihrer beschränkten Personenanzahl auch das Problem, dass die Feiern im Anschluss nicht im größeren Kreis begangen werden können. Viele Heiratswillige finden diese Rahmenbedingungen offenbar nicht akzeptabel. Sie handeln daher nach der Devise: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – so enttäuschend das für sie auch erst einmal sein mag.

Keine Termine mehr für Auswärtige

Andrea Boßmann, Standesbeamtin der Stadt Grünstadt, sagt: „Die Paare reagieren verständnisvoll und wir stehen in Kontakt mit ihnen. Natürlich hängen sie in der Warteschleife. Wir bieten ihnen deshalb jetzt bereits Ausweichtermine für den Herbst an.“ Da die ursprünglich angedachten Termine alle voll seien, werde nach zusätzlichen Möglichkeiten gesucht, damit alle Paare, die wollen, noch in diesem Jahr heiraten können.

„Wir bemühen uns sehr“, erzählt Boßmann, die wegen der Corona-Pandemie auch persönliche Vorgespräche nach hinten verlegen musste. Paare von außerhalb, die auf den Gedanken kommen, einen Termin für diesen Herbst auf dem Grünstadter Standesamt auszumachen, haben damit keine Chance mehr: „Für 2020 können sich leider nur noch unsere Bürger anmelden. Damit wollen wir allen bis jetzt abgesagten Eheschließungen und generell den Grünstadtern die Chance auf eine Trauung geben.“

Krise als Zeit der Heiratsanträge

Kommendes Jahr soll es aber wieder ganz normal weitergehen. 80 bis 100 Trauungen vollziehen die drei Standesbeamten in Teilzeit jährlich in Grünstadt – drei sind aktuell abgesagt, zwei wurden trotz der Krise vollzogen. „Wir erhalten sehr viele Anrufe und Fragen, wie es denn nun weitergeht“, erzählt die Standesbeamtin, die übrigens nicht nur enttäuschte Bürger berät. Die Corona-Krise sei wohl die Zeit der Heiratsanträge, meint Boßmann lachend. Immer wieder riefen überglückliche Frauen an, die kurzfristig oder spontan von ihrem Partner einen Antrag erhalten hätten. „Das ist doch auch etwas Schönes in dieser ungewissen Zeit“, findet sie.

In der Verbandsgemeinde Eisenberg ist die Situation ganz ähnlich. Bei Fachbereichsleiterin Gudrun Saleweski liegen ebenfalls einige Absagen auf dem Tisch. Von Anfang März bis Ende Mai waren 15 Eheschließungen geplant, vier davon finden definitiv nicht statt. Bei anderen hängt es wohl davon ab, wie sich die Situation entwickelt. Es bestehe die Möglichkeit, Termine zu verschieben, sagt Salewski.

Im Herbst wartet vie Arbeit auf Standesbeamte

Wer derzeit trotzdem „Ja“ sagen will, kann dies nur im Rathaus tun – die Hygienemaßnahmen müssen dabei natürlich eingehalten werden. Die Orte Rosenthal und Ramsen, die normalerweise auch für standesamtliche Trauungen vorgesehen sind, fallen momentan ganz weg. 2019 gab es 71 Eheschließungen in der Verbandsgemeinde Eisenberg.

Da die meisten abgesagten Trauungen in den beiden Verbandsgemeinden und in Grünstadt in diesem Jahr doch noch stattfinden sollen, wartet auf die Standesbeamten nach der Corona-Krise viel Arbeit. Immerhin ist der Anlass dafür dann ein glücklicher.

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