Grünstadt Viel Lust auf Experimente

Mein Favorit im letzten Jahr? Schwer zu sagen, wohl Radio Europa“, antwortet Michael Werner-Schneid, der Vorsitzende des Kleinkunstvereins Neuer Landweg auf die Frage, was ihn persönlich in der Saison 2016 am meisten beeindruckt hat. Das Quintett mit der länderübergreifenden musikalischen Ausrichtung war am 5. Mai 2016 zu Gast, belebte das Blaue Haus, wie manch andere Band und manch anderer Künstler dort auch. „Es war für uns eine sehr gute Saison, wir hatten fast immer recht hohe Besuchzahlen. Was die Menschen kennen, das wissen sie zu schätzen, dann kommen sie auch zu uns“, so der Vorsitzende. „Wenn ich so in die Reihen an den verschiedenen Veranstaltungsorten in Eisenberg, Bolanden oder Ebertsheim blicke, dann sind fast immer neue Leute da, manchmal sogar nur Besucher, die erstmals bei uns sind. Dann komme ich irgendwie zu dem Schluss, dass unseren Verein doch sehr viele Menschen kennen müssen.“ Umgekehrt passiere es aber immer wieder, dass Gastspiele fast gänzlich ins Leere laufen. „Jan Röttger und Band, fantastische Musik, kaum Zuhörer, für mich unbegreiflich. Das lässt sich wirklich nur so erklären, dass kaum noch jemand bereit ist, sich auf neue Sachen einzulassen“, fasst Werner Schneid zusammen. Das Konzert am 20. Mai sei allerdings der absolute Ausrutscher nach unten gewesen, ansonsten könne der Verein auf einem hohen Niveau „durchschnittlich zufrieden“ sein. Am Eintrittspreis könne es nicht liegen, fast ausnahmslos rufe der Landweg 15 Euro pro Karte und Abend auf. Zufriedenheit herrsche im Rückblick auch mit der Veranstaltung mit Konstantin Wecker in Kirchheimbolanden. „Sicher ein Höhepunkt, aber so etwas möchte ich eigentlich nicht mehr machen. Das ist eine Nummer zu groß für uns, das passt nach meiner Meinung nicht wirklich zu uns, wenngleich ich ein großer Wecker-Fan bin und der Abend ein absolutes Erlebnis war.“ Gut gelaufen seien neben den zahlreichen Terminen im Blauen Haus in Bolanden auch die Gastspiele auf der Theaterbühne in Eisenberg. „Stefan Waghubinger oder Thilo Seibel, jeweils Kabarettabende, waren gut besucht. So macht uns das Spaß.“ Die Eisenberger Bühne sei allerdings mit größerem Aufwand für den Verein verbunden, Feuerwehr, Gebäudetechniker, das seien alles Faktoren, die auch Kosten verursachen, außerdem müsse der Getränkeausschank selbst organisiert werden. „Für mich ist die optimale Bühne das Blaue Haus in Bolanden. Alles da, wir müssen uns nur um die Organisation des Künstlers und den Kartenverkauf kümmern. Der Rest läuft“, lobt Werner-Schneid die mittlerweile wichtigste Landweg-Bühne und begründet gleichzeitig, warum dies so ist. Im Ausblick ist der Vorsitzende auch unentschlossen: „Klar, La Signora am 9. September, da freu ich mich drauf.“ Gespannt sei er auch auf die eigentlich untypischen Experimente der neuen Spielzeit: „Wir haben zwei Cover-Bands im Angebot, sonst nicht so unser Ding. Aber beide Bands sind wirklich der Hammer“, verspricht er. Genesis-Titel aus der Peter-Gabriel-Ära bieten am 22. April Nursery Crime im Blauen Haus. Mit Loners United kommt am 24. Juni eine Neil-Young-Viererbesetzung nach Ebertsheim in die Alte Papierfabrik. „Anne Haigis im Mai und Susan Weinert mit ihrem Fjord Trio im September, davon verspreche ich mir besondere Abende.“ Die Gitarristin Weinert wird zusammen mit Sängerin Torun Eriksen in Bolanden auflaufen. „Die Norwegerin ist zu Hause eine große Nummer, bei uns bislang noch unbekannt, da bin ich mal gespannt.“ |jös