Grünstadt Verzehren statt vergären

Alles für den Herbst: Winzer Matthias Heil aus Kirchheim hat neben Trauben auch neuen Wein und Zwiebelkuchen im Angebot.
Alles für den Herbst: Winzer Matthias Heil aus Kirchheim hat neben Trauben auch neuen Wein und Zwiebelkuchen im Angebot.

LEININGERLAND: Tafeltrauben oder Weintrauben? Das ist eine Frage des Geschmacks – und des Alters. Die RHEINPFALZ hat Winzer in Bockenheim, Kirchheim und Sausenheim besucht, die Trauben ab Hof verkaufen.

Seit einem Vierteljahrhundert verkaufen Karl Friedrich und Ilka Bengel in Bockenheim schon Trauben. Weintrauben, keine Tafeltrauben, wie der 52-jährige Winzer erzählt. Der Unterschied? „Tafeltrauben werden nur zum Verzehr gezüchtet, die Übermenge darf nicht für Wein genommen werden. Das ist rechtlich nicht erlaubt.“ Bengel verkauft Dornfelder- und Silvanertrauben ab Hof, Tafeltrauben anzubauen habe er nicht vor, sagt er. Denn der Verkauf von Trauben und neuem Wein sei nur eine kleine Erweiterung seines Sortiments im Herbst, vor allem Touristen würden es gerne in Anspruch nehmen. Dornfeldertrauben seien besonders gut im Geschmack, hätten viel Saft und seien lockerbeerig. Somit sei die Gefahr der Fäulnis eher gering, sagt er. Die weiße Silvanertraube komme bei den Kunden wegen des süßen und kräftigen Geschmacks ebenfalls gut an, erzählt Bengel. Drei bis vier Wochen lang erntet er täglich frische Trauben. Winzer Matthias Heil (50) aus Kirchheim besitzt seit 15 Jahren rund 400 Rebstöcke Tafeltrauben und kennt die Vorteile der größeren Beeren: „Optisch machen die natürlich durch ihre Größe etwas her. Die Schale ist fester und platzt bei Regen nicht so schnell auf, und die Trauben faulen dann auch nicht so schnell.“ Vor allem jüngere Kunden möchten Tafeltrauben kaufen, weiß Heil: „Sie möchten Ware wie aus dem Supermarkt in den Händen halten.“ Ältere Kunden bevorzugten Weintrauben, die er ebenfalls im Sortiment hat. „Die Älteren schätzen den intensiven Geschmack der kleinen Beeren, die nicht extra gezüchtet wurden.“ Kindheitserinnerungen. Das Fruchtaroma von Silvaner sei besonders ausgeprägt. Der Winzer bewirtschaftet elf Hektar Rebfläche. Der Umsatz an Trauben und Bitzler, den er ebenfalls anbietet, mache in seinem Betrieb weniger als fünf Prozent aus. Heil sieht in der Vermarktung eher die Chance, Neukunden zu gewinnen. „Wenn es frisches und regionales Obst gibt, dann ist das doch etwas Schönes.“ Die Wünsche der Kunden ändern sich, hat Heil beobachtet: In den letzten Jahren sei roter Bitzler hinzugekommen. „Die Leute wollen einfach mal was anderes. Viele Winzer richten sich da nach den Wünschen und erweitern ihr Angebot.“ Klaus Grün vom Weingut Grün in Sausenheim hat auf einer Fläche von 0,4 Hektar rund 1400 Rebstöcke Tafeltrauben gepflanzt. Das Geschäft laufe gut, sagt der Weinbautechniker. Kernlose Trauben seien gefragt. Im Schnitt 100 Kilogramm seiner süßen Früchte verkauft er am Tag. „Natürlich machen Tafeltrauben mehr Arbeit als andere. Ich habe eine Überdachung im Wingert, damit die Beeren vor Regen oder Hagel geschützt sind“, erklärt der Sausenheimer Winzer, der 15 Sorten anbietet. Je nach Monat reifen die Beeren, so dass im Schnitt jeweils drei Sorten angeboten werden können. Von Ende August bis Mitte Oktober gehe das Geschäft. Der Preis ändert sich nicht, Grün verlangt immer drei Euro pro Kilogramm. „Das finde ich fair, denn die frühen Trauben machen genauso viel Arbeit wie die letzten in der Saison.“ In diesem Jahr hat er 100 weitere Stöcke gepflanzt, die 2019 zum ersten Mal Früchte tragen werden. Auch an Obst- und Gemüsehändler in Grünstadt verkauft er seine Ware. Letztendlich mache das Geschäft mit den Trauben nur einen geringen Teil seines Gesamtumsatzes aus. „Mehr als fünf Prozent sind es nicht“ so der 50-Jährige, der täglich im Schnitt an 80 bis 100 Kunden in seinem Hof Trauben verkauft und 14 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Mit der diesjährigen Ernte ist er zufrieden.

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