Grünstadt „Verkehr werden Bürger nicht merken“

Mehr Informationen zum Neubau der Winzergenossenschaft wünschte sich der Gerolsheimer Rat in seiner Sitzung.
Mehr Informationen zum Neubau der Winzergenossenschaft wünschte sich der Gerolsheimer Rat in seiner Sitzung.

Vor dem bestehenden Betriebsgebäude auf dem Palmberg will die Genossenschaft Vier Jahreszeiten Winzer ab der zweiten Jahreshälfte eine 200 Meter lange und knapp zehn Meter hohe Halle für Abfüllung und Lager errichten (wir berichteten am Freitag). Der Ortsgemeinderat in Gerolsheim hat dem Bauvorhaben am Dienstagabend nach langer Diskussion mehrheitlich zugestimmt.

Bürgermeister Erich Weyer (FWG) beschrieb vor der Abstimmung das Dilemma, in dem sich die Ratsmitglieder befänden: Vor der Erteilung der Baugenehmigung seien die betroffenen Ortsgemeinden zu hören. Diese seien von der Verwaltung gebeten worden, ihre Zustimmung zu dem Bauvorhaben zu erteilen, sofern die Behörden auch zustimmten, wonach es im Moment aussehe. Kurzum: „Wir müssen etwas entscheiden, was gar nicht in unserem Machtbereich steht. Verhindern können wir das Bauvorhaben nicht“, meinte Weyer. Am Ende votierten zwölf Ratsmitglieder für die Pläne der Winzergenossenschaft, drei dagegen. Zuvor hatten die Ratsmitglieder das Bauvorhaben eine gute Stunde lang kontrovers diskutiert. Schließlich ist direkt vor den 60 Jahre alten Betriebsgebäuden am Palmberg keine kleine Halle geplant. Rund 10.000 Quadratmeter Fläche werden überbaut. 200 Meter lang, 50 Meter breit und knapp zehn Meter hoch wird der Kubus am Ende sein. Mit der neuen Anlage im Innern sollen künftig täglich bis zu 80.000 Flaschen abgefüllt werden können. Das Lager soll eine Kapazität für 3,5 bis vier Millionen Flaschen haben. Das Gelände ist schon weitgehend gerodet worden. Der Tenor der Debatte: Der Entwicklung der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten Winzer am Standort Palmberg auf Laumersheimer Gemarkung will der Gerolsheimer Gemeinderat nicht im Wege stehen. Gerne würden die Ratsmitglieder von der Verwaltung aber mehr Informationen bekommen über den weiteren Planungsfortschritt. Zum Beispiel über die Entwässerung. Die Sorge der Räte: Dach- und Oberflächenwasser vom Betriebsgelände könnte in einen Graben geleitet werden, der bei stärkeren Regenereignissen bereits stark belastet ist. „Je mehr Wasser da hineingeleitet wird, desto komplizierter wird es im Vorfluter“, sagte CDU-Fraktionschef Herbert Müller. Eine mögliche Lösung könnte ein Regenrückhaltebecken sein oder eine Dachbegrünung der großen Halle. Zu solchen Details konnte Stefan Bottlinger, Technischer Leiter der Vier Jahreszeiten Winzer am Standort Palmberg, der das Bauvorhaben im Gemeinderat anhand von Bauplänen erläuterte, nichts sagen. „Die Planung befindet sich noch in einem frühen Stadium“, sagte Bottlinger. Von den Architekten würden verschiedene Lösungen diskutiert. Ein weiteres Thema, das den Ratsmitgliedern wichtig ist, ist der Verkehr: Mit bis zu zehn Lkw-Fahrten pro Tag ist laut Vier Jahreszeiten künftig zu rechnen. Laut Bottlinger würden alle drei Autobahnanschlüsse in der Umgebung genutzt: zur A 6 in Grünstadt und Frankenthal und zur A 650/61 bei Maxdorf. „Wir gehen davon aus, dass der meiste Verkehr über Weisenheim führt“, berichtete Bottlinger. Die Befürchtung der Gerolsheimer ist jedoch, dass die meisten An- und Abfahrten durch ihren Ort erfolgen werden. „Ich glaube nicht, dass das Projekt den Verkehr großartig steigert. Die Bürger werden das kaum merken“, sagte Bottlinger. Die Gemeinderäte stören sich noch an einem weiteren Punkt: Gerolsheimer und Laumersheimer Politiker würden am Palmberg gerne einen Aussichtspavillon bauen. Das Vorhaben wird ihnen verwehrt, weil das Häuschen in einem sogenannten FFH-Gebiet liegt. Dabei handelt es sich um ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet gemäß einer europäischen Richtlinie. Die Winzergenossenschaft direkt nebenan liegt nicht in diesem Gebiet. „Die Logik der Kreisverwaltung kann man beim Vogelschutzgebiet nicht verstehen. Unsere Hütte wäre gerade mal 50 Meter von der Halle entfernt“, sagte FWG-Fraktionssprecher Mathias Vogel. „Da muss man den Vögeln schon genau sagen, wie sie fliegen sollen“, meinte Volker Rossel (SPD). Wegen des Schutzgebiets habe die Genossenschaft die Pläne für eine Vinothek auf dem Betriebsgelände aufgegeben, erläuterte Stefan Bottlinger. „Wir lehnen das Vorhaben nicht ab. Wir wollen der Palmberg-Entwicklung nicht in Wege stehen, es geht ja auch um Arbeitsplätze“, erklärte Mathias Vogel. Man solle aber nun über ein großes Bauvorhaben entscheiden, von dem man keine detaillierten Pläne habe: „Das ist die Krux.“

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