Asselheim
„Ungezwungen“: 28-jähriger Profikoch eröffnet neues Restaurant
Kochgeräte stapeln sich auf den Tischen, Kabel liegen kreuz und quer auf dem Boden und in der Küche fehlt unter anderem die Arbeitsplatte: Aktuell sieht es in der ehemaligen Weinstube auf dem Mayerhof in Asselheim noch recht chaotisch aus. Das soll sich allerdings spätestens am Samstag, 12. April, ändern – der Tag, an dem die Restaurant-Bar „Ungezwungen“ erstmals ihre Türen öffnet.
Der Name soll Programm sein, betont Inhaber Christian Saul: „Wir sind weder deutsch-asiatische Fusionsküche noch skandinavische Nordic Cuisine – wir wollen einfach ungezwungen das machen, worauf wir Bock und an dem die Leute Spaß haben.“ Neben dem 28-Jährigen gehören auch die beiden 30-jährigen Köche Patrick Mann und Lukas Weigold zu dem Restaurant-Team, das derzeit mit den Umbauarbeiten beschäftigt ist.
Rund 35 bis 40 Plätze sollen jeweils im getrennten Bar- und Restaurantbereich entstehen – unter anderem an einem Gemeinschaftstisch. „Wir wollen, dass auch Besucher, die sich nicht kennen, einfach vorbeikommen können und dort miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Saul. Hauptzielgruppe seien sowohl junge Erwachsene als auch ältere Besucher über 50 Jahren. Zusätzlichen Platz gibt es zudem im Innenhof, wo die drei jungen Köche noch eine Bartheke auf Vordermann bringen wollen.
Von der BASF zur Koch-Olympiade
Das Interesse für den Beruf habe bei ihm bereits im Grundschulalter begonnen, erzählt Saul: „Wir haben regelmäßig die Ernährungspyramide behandelt und konnten auch mittags gemeinsam kochen.“ Später in der achten Klasse absolvierte er dann sein erstes Praktikum in der Küche einer großen Hotelkette. Nach dem Realschulabschluss bewarb sich Saul bei der BASF – und startete dort als 15-Jähriger seine Ausbildung zum Koch. Nach seiner Abschlussprüfung arbeitete er dort für vier weitere Jahre – zuletzt als „Chef de Partie“, der für die fachgerechte Zubereitung von Speisen im BASF-Gesellschaftshaus verantwortlich ist. Regelmäßig sitzen dort die Vorstandsmitglieder des Chemiekonzerns am Esstisch.
„Für mich war diese Zeit handwerklich prägend“, sagt Saul mit Blick aufs Kochen. Gleiches treffe auf seine Teilnahme an der Internationalen Kochkunst-Ausstellung 2020 zu – besser bekannt als die Olympiade der Köche. Alle vier Jahre richtet der Verband der Köche Deutschlands das kulinarische Kräftemessen aus, bei dem die besten Köche der Welt sich in verschiedenen Disziplinen messen. Saul war Teil der deutschen Jugendnationalmannschaft: Zwei Jahre lang habe er sich mindestens ein Mal im Monat mit den anderen Teammitgliedern getroffen, um sich auf den Wettbewerb in Stuttgart vorzubereiten. Dort musste die zwölfköpfige Mannschaft an zwei Tagen gegen 24 Nationen kochen – einmal in der Kategorie Drei-Gänge-Menü, einmal in der Rubrik Buffet-Teil. Dabei gelang es dem deutschen Team mit Saul, jeweils die Gold- und Silbermedaille zu holen.
„Wir konnten vor allem durch regionale Produkte überzeugen – deutsche Küche mit französischem Einfluss“, sagt der 28-Jährige. Nach seinem Erfolg erarbeitete er sich auch im Leiningerland einen Ruf: in der Bockenheimer Weinstube. Dort war Saul von 2020 bis 2024 als Küchenchef für das kulinarische Angebot hauptverantwortlich, ehe er den Job an den Nagel hängte. „Wenn man seine Ideen hundertprozentig durchziehen möchte, klappt das nur, wenn man sein eigener Chef ist“, begründet der 28-Jährige seine Entscheidung.
Anspruchsvoll, aber nicht elitär
Saul und seine beiden Mitstreiter betonen, dass in dem neuen Lokal in Asselheim sich jeder willkommen fühlen soll. „Wir wollen nicht, dass Leute eine Hemmschwelle haben, wenn sie gehobener essen gehen wollen“, sagt Patrick Mann. „Bei uns wird zum Beispiel sofort jeder geduzt – egal ob jemand vor einer halben Stunde mit dem Blaumann in der Hand auf der Straße herumgerannt ist oder einen Doktortitel hat“, ergänzt Saul.
Ein geringerer sechsstelliger Betrag wird laut dem 28-Jährigen in den Umbau investiert. Der größte Teil davon fließe jeweils in die Küche und das Mobiliar. „Natürlich hat man da auch etwas Gefühlschaos. Nicht nur mir, sondern auch den Mitarbeitern gehen einem davor viele Gedanken durch den Kopf“, sagt Saul mit Blick auf die hohen Summen. Er zeigt sich dennoch optimistisch. Immerhin fülle seine Restaurant-Bar auch eine Lücke, meint er: „Als Jugendlicher oder junger Erwachsener gibt es leider nicht mehr viele Orte im Umkreis, an denen man sich abends treffen kann.“
Termin
Die Restaurant-Bar „Ungezwungen“ öffnet erstmals am Samstag, 12. April, um 13 Uhr ihre Türen. Das Lokal befindet sich auf dem Weingut Mayerhof an der Weinstraße 22 in Asselheim. Zum Start gibt es unter anderem Grilled Cheese Sandwiches, Flanksteak mit Bärlauch und Sauerteig sowie gegrillten Spargel auf der Karte. Reservierungen sind nicht nötig.