Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Umgehung als Teststrecke

Die Umgehung von Wattenheim.
Die Umgehung von Wattenheim.

Im Jahr 1989 ist es endlich soweit: Die Umgehung Wattenheim wird gebaut und am 4. Dezember für den Verkehr freigegeben. Das neue Teilstück der Landesstraße 520 bringt nicht nur den Wattenheimern die lang ersehnte Ruhe, sondern wird auch zum Forschungsprojekt.

Fast 40 Jahre hatten die Bürger auf die Entlastung vom Durchgangsverkehr gewartet. Schon bei der Flurbereinigung Anfang der 50er Jahre war die Trasse eingeplant und Gelände dafür erworben worden. Während andernorts im Leiningerland Jahre über das Thema gestritten wurde, gab es in Wattenheim keinen Zweifel daran, dass die Umgehung notwendig ist und nordwestlich vom Dorf verlaufen muss. Gebaut wurde trotzdem nicht – irgendwie hatte das Vorhaben keine Priorität, und wenn man hoffen konnte, endlich dran zu sein, fehlte das Geld. Dabei war es kein Großprojekt, sondern nur eine 1,4 Kilometer lange Ortsumfahrung. Helmut Rüttger (CDU), von 1980 bis 2008 Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, erinnert sich, dass schon sein Vorgänger Werner Mittrücker immer wieder Druck machte.

Erst Mitte der 80er Jahre war es endlich so weit: Das Mainzer Verkehrsministerium gab grünes Licht für das Vorhaben, das Planfeststellungsverfahren wurde eingeleitet. Nachdem jedoch neben der Straße nun auch ein Fuß- und Radweg angelegt werden sollte, musste etwas umgeplant werden. Der Rat stimmte im Dezember 1985 einmütig für den neuen Entwurf, aber es dauerte dann fast noch zwei Jahre bis der Feststellungsbeschluss erging. Damit sei der Plan rechtskräftig, aber mal wieder kein Geld für das Wattenheimer Projekt da, wurde im April 1988 informiert.

Erstmals Recyclingmaterial verbaut

Nur zwei Wochen später sah es allerdings schon wieder ganz anders aus: Wattenheim erhält aus Mainz die gute Nachricht, dass es doch Geld für das Projekt gibt und 1989 gebaut werden kann. Dazwischen war verhandelt worden. Der Wattenheimer Heinz Gschwind (72) erinnert sich, da er damals Mitglied im Ortsgemeinderat war. Es habe so eine Art Junktim – also die Verknüpfung zweier Abmachungen – gegeben: Die Verwaltung habe zustimmen müssen, dass beim Bau der Straße teilweise Recyclingmaterial verwendet wird. Sie habe sich einverstanden erklärt, danach war das Vorhaben ein Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz.

Auf Anfrage erläuterte eine Sprecherin des Landesbetriebes Mobilität (LBM) jetzt, was damals eigentlich ermittelt werden sollte: Die L-520-Umgehung war Teil eines bundesweiten Forschungsprojekts zur Verwertung von Reststoffen im Straßenbau, das im Auftrag des Bundesforschungsministeriums durchgeführt wurde. Wissenschaftlich begleitet wurde es von der Ruhr-Universität Bochum. Im Fokus stand das Langzeitverhalten der Materialien, wobei die Untersuchungen dazu 1997 erfolgten. Weiter bestätigte der LBM, dass der Einsatz von Recyclingstoffen im Straßenbau heute Standard ist.

Kosten leicht unterschritten

Dank der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, hatte Wattenheim damit als erste Gemeinde im Leiningerland eine Umgehung. Interessant ist auch, dass die Bauzeit für die Umgehung nur rund sieben Monate betrug und die veranschlagten Kosten sogar etwas unterschritten wurden: Mit 1,8 Millionen Mark war gerechnet worden, 1,75 Millionen hat der Straßenneubau dann gekostet. Doch die Hoffnung, dass der Ortskern jetzt attraktiver zum Wohnen würde, erfüllte sich nicht. Heute stünden dort mehr Häuser leer als früher, sagt Gschwind.

Als nächstes größeres Projekt im Straßenbau stand in der Verbandsgemeinde die Sanierung der Ortsdurchfahrt L 520 in Altleiningen an. Bereits in den 70er Jahren hatte die Gemeinde den Ausbau gefordert. Doch erst rund 20 Jahre später gab es vage Zusagen – so steht es in einem RHEINPFALZ-Bericht vom Februar 1992.

Kontakte nach Mainz genutzt

Um im persönlichen Gespräch mehr zu erreichen, waren Ortsbürgermeister Haab (CDU), VG-Chef Rüttger (CDU) und Gschwind, mittlerweile für die FDP im VG-Rat, ins Verkehrsministerium in Mainz gefahren. Sie wollten konkrete Zusagen erhalten und hatten Erfolg: Der Baubeginn wurde für 1993 versprochen. Fünf Jahre nach dem Bau der Wattenheimer Umgehung, kurz vor dem Weihnachtsfest 1994, konnten sich die Altleininger über die fertig sanierte Straße freuen – die alte war als Stoßdämpfer-Teststrecke verschrien gewesen. Anderthalb Jahre dauerte der Ausbau und kostete rund vier Millionen Mark.

Weitere fünf Jahre später wurde die Umgehung Hettenleidelheim fertiggestellt, das schwierigste und teuerste Projekt im Straßenbau der damaligen VG. Viele Jahre war über die Trassenführung gestritten worden. Auch hier wurden die Kontakte ins FDP-geführte Ministerium genutzt. Im September 1991 fuhren gleich zwei Abordnungen nach Mainz: Heinz Gschwind und Bodo Wendel von der FDP/FWG-Fraktion zusammen mit VG-Chef Rüttger sowie der Hettenleidelheimer Ortsbürgermeister Alfred Schattner (CDU), begleitet von einer SPD-Delegation unter Führung des damaligen Fraktionssprechers Jakob Dormann.

Projekt kostete 15 Millionen

Die geballte Aktion hatte Erfolg, es gab eine Zuschusszusage, und Minister Brüderle entschied zudem den Trassenstreit. Später wurde heftig diskutiert, wessen Gespräche und Aktivitäten den Erfolg gebracht hatten. Den Hettenleidelheimern war es weitgehend egal, Hauptsache es wurde endlich gebaut. Im November 1996 begannen die Arbeiten und am 28. Mai 1999 wurde das 15-Millionen-Projekt für den Verkehr freigegeben.

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