Grünstadt / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage: Wie halten es Gesundheitsbetriebe mit der Impfung ihrer Mitarbeiter?

Aufklärung statt Druck – das scheint das Motto bei Krankenhäusern und Seniorenheimen der Region zu sein.
Aufklärung statt Druck – das scheint das Motto bei Krankenhäusern und Seniorenheimen der Region zu sein.

In Frankreich gibt es eine Impfpflicht im Gesundheitswesen. Und hierzulande? Einige Beschäftigte wollen geimpft werden, andere nicht. Manche Arbeitgeber, gerade in der Pflege, drohen Verweigerern mit arbeitsrechtlichen Schritten. Wie sieht das im Leiningerland und im Kreiskrankenhaus Grünstadt aus?

Gleich zu Beginn der Impfkampagne sei die Resonanz unter den Mitarbeitern recht groß gewesen, berichtet Chefarzt Andreas Bernhard, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin am Kreiskrankenhaus Grünstadt. „Als dann die negativen Nachrichten über den Impfstoff Astrazeneca kamen, hat sich unter den Mitarbeitern eine große Verunsicherung breit gemacht. Diese hat sich auch in deren Impfverhalten widergespiegelt“, erinnert er sich und ergänzt: „Viele haben Ihren Termin bei uns abgesagt, haben ihn dann aber nach entsprechenden Aufklärungsgesprächen im Impfzentrum nachgeholt.“

Inzwischen seien nahezu 100 Prozent der Ärzte im Kreiskrankenhaus geimpft, ihm sei lediglich eine Ärztin bekannt, die noch nicht immunisiert sei. „Unter den Pflegekräften dürfen es knapp 80 Prozent sein, die geimpft sind“, schätzt Bernhard. Genauere Zahlen seien in rund zwei Wochen erhältlich, da derzeit gerade eine Umfrage laufe, um die Impfquote zu ermitteln. „Wir versuchen im täglichen Leben Überzeugungsarbeit zu leisten und weisen immer wieder auch darauf hin, dass man ohne Impfung eben auch andere Menschen anstecken kann, auch wenn man selbst einen milden Verlauf hat“, betont er. Mit der Vakzinierung schütze man also nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen. Er sagt: „Wenn sich ein Mitarbeiter nicht impfen lassen möchte, hat dies bei uns keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen, der Mitarbeiter arbeitet ganz normal und reibungslos bei uns weiter – wegen einer fehlenden Impfung gibt es bei uns keinen Druck.“

Kein Corona-Fall im Sonnenhof

Der Sonnenhof in Hettenleidelheim ist eines der weniger Seniorenheime, die noch keinen einzigen Corona-Fall zu verzeichnen hatten. „Die Nachfrage nach Impfungen war zu Anfang bei unseren Bewohnern enorm hoch, beim Pflegepersonal verhalten“, beschreibt Manfred Fell, Geschäftsführer und Heimleiter die Situation. Die ersten Impfungen gab es bereits Ende Januar. „Schon bei unserem zweiten Impftermin Ende Februar kam aber Bewegung in die Angelegenheit und es kamen auch mehr Pflegekräfte, die sich impfen lassen wollten“, erinnert er sich.

Beim dritten Termin seien dann zwischen 80 bis 85 Prozent der Pflegekräfte durchgeimpft gewesen. Die Tatsache, dass im Sonnenhof bislang noch kein Corona-Fall aufgetreten sei, sei wohl einem engmaschigen Testprogramm geschuldet. „Bei uns kommt keiner rein, der nicht getestet ist“, sagt Fell. Inzwischen seien auch nur noch weniger als zehn Mitarbeiter nicht geimpft. „Mit der beginnenden Urlaubszeit erwarte ich aber, dass sich diese Mitarbeiter auch noch impfen lassen werden, weil das Reisen dann einfacher ist“, meint er. Laufend fänden Aufklärungsgespräche statt, man setze nicht auf Druck, sondern auf Überzeugung. Er sagt: „Wir halten unsere Einrichtung auch weiterhin geschützt.“

Großer Andrang beim ersten Impftermin

Ralph Griebel ist Heimleiter im DSK-Seniorenheim in Eisenberg. Er bestätigt, dass inzwischen rund 75 Prozent des Personals geimpft sei. Gleich bei der ersten Impfung habe es einen großen Andrang von Bewohnern und Angestellten gegeben, die sich im Haus haben impfen lassen. Bei der zweiten Haus-Impfung seien dann neue Bewohner und auch noch einige Mitarbeiter geimpft worden, teilweise seien Mitarbeiter aber auch in Impfzentren oder beim Hausarzt immunisiert worden. „Lediglich 15 Angestellte sind noch nicht geimpft“, weiß er. Er betont, dass mit den Nicht-Geimpften genauso umgegangen werde, wie mit geimpftem Personal, der Unterschied liege allerdings in der Test-Häufigkeit, die vom Haus gefordert werde. „Unsere nicht geimpften Kollegen müssen einmal wöchentlich einen Corona-Selbsttest durchführen, bei den Geimpften reicht das alle zwei Wochen“, erklärt er. Arbeitsrechtliche Konsequenzen gebe es keine, wenn Mitarbeiter die Spritze verweigerten. Griebel sagt: „Wir haben ja schließlich noch keine Impfpflicht.“

Von Sigrid Laffin-Hommes, der Pressesprecherin der Azurit-Gruppe, die unter anderem Seniorenheime in Grünstadt und Eisenberg unterhält, haben wir erfahren, dass die Gruppe zum Thema keine konkreten Zahlen veröffentlicht. „Allerdings hat die Azurit-Gruppe eine spezielle Kampagne ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, die Impfbereitschaft durch intensive Aufklärung zu steigern“, sagt sie. Inzwischen sei eine große Anzahl von Bewohnern und Mitarbeitern geimpft, was explizit begrüßt werde. Auch sie verweist darauf, dass es keine bundesweit verhängte Impfpflicht gebe und es auch den einen oder anderen medizinischen Grund gebe, der gegen eine Impfung spreche. Deshalb gebe es in Azurit-Einrichtungen auch eine Anzahl an Bewohnern und Mitarbeitern, die nicht geimpft seien. Allerdings würden weiterhin Tests vorgenommen. Die Anzahl werde dem aktuellen Infektionsgeschehen und den länderrechtlichen Regelungen zu den Inzidenzzahlen angepasst.

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