Asselheim
Ulrich Thul stellt in der Galerie Roter Turm aus
Der aus Schweich bei Trier stammende Künstler präsentiert in zwei Räumen des historischen Gebäudes insgesamt 34 seiner Werke. 26 Arbeiten sind Pinselstriche in Schwarz-weiß und acht Gemälde sind farbenfroh ausgemalt, „aber immer mit Luft dazwischen, damit sie atmen können“. Sie erwecken allesamt den Eindruck schneller Zeichnungen, beschäftigen den Maler aber mitunter über längere Zeit. Er komponiere oftmals eine ganze Weile an einem Bild, ziehe hier noch eine Linie, setze dort noch einen Akzent. „Da muss man aufpassen, dass man nicht zu viel macht, denn irgendwann ist der Kipppunkt erreicht“, meint der 65-Jährige schmunzelnd.
Ein Lächeln dürfte sich hin und wieder auch auf den Gesichtern der Betrachter zeigen, wenn sie beispielsweise den Drummer anschauen, der in wilder Ekstase über die nur als Kreise angedeuteten Toms und Becken wirbelt. Dabei ist er so schnell, dass er mehr als zwei Arme zu haben scheint. Die Erläuterung lautet „Schlagzeuger mit Schüttelfrost“. Grinsen muss man auch unwillkürlich über „Die Bar in der Suchtklinik“. 2020, im ersten Corona-Jahr, entstand das Bild eines finster-resigniert dreinschauenden langhaarigen Typen mit dem Titel „Pessimismus ist eine Seuche“.
Gedanken zeichnerisch umgesetzt
Er setze Gedanken zeichnerisch um, erläutert der Sozialarbeiter und Pädagoge, der das Caritas-Förderzentrum St. Johannes und St. Michael in Ludwigshafen leitet. Manchmal sei eine Notiz der Ausgangspunkt für seine Kreativität, mitunter lasse er sich auch einfach auf einen Malprozess ein und der Titel ergebe sich dann. Er beschreibe Auf-, Um- und Zustände. „Ich bin mein eigener Auftraggeber und Regisseur“, erklärt er. Für Dritte setze er sich nicht an die Leinwand, „das verkrampft mich“, so Thul, der in seinem Atelier im ehemaligen Umspannwerk der Technischen Werke Ludwigshafen meist acht bis zehn Bilder gleichzeitig in der Mache hat. Es könne passieren, dass er aus älteren Arbeiten Teile herausschneide und diese in einen anderen Zusammenhang auf einem neueren Werk stelle.
Vorwiegend hantiert Thul mit Tusche, weil sie ihm größtmögliche Freiheit gebe. Genutzt würden aber auch unter anderem Lidschattenstift und Zahnpasta, Servietten, Fotos und alte Lappen. So ist etwa ein Fetzen Weihnachtsgeschenkpapier Keimzelle für das 2007 entstandene Bild „Der Sternchen-Bringer“, auf dem ein Boxer zuschlägt. Diese Vorgehensweise habe sich aber erst entwickelt, sagt er und zeigt Fotos seines früheren Schaffens, als er zu Acryl und Graphit griff: Plastische Arrangements aus bunten geometrischen Formen. „Die habe ich damals sehr akribisch, mit Vorzeichnungen konstruiert“, erläutert Thul, der seine Kunst auch therapeutisch in seiner psychiatrischen Einrichtung einsetzt. Als seine Tochter klein war und die Bilder veränderte, sei er spontaner geworden.
Ausstellung
Vernissage zur Ausstellung „Auf die Blätter – fertig – los!“ ist am Sonntag, 24. August, 17 Uhr. Einführung: Kunsthistorikerin Ursula Dann, Musik: Andreas Hopfenzitz und Arno Blankert. Besucht werden kann die Schau in der Galerie Roter Turm, Eistalstraße 6, Grünstadt, bis 22. September, jeweils sonntags, 16 bis 20 Uhr, oder nach Vereinbarung unter Telefon 0621 407133.