Lautersheim
Trotz Investitionen: Pfälzer Dorf bleibt schuldenfrei und schont die Bürger
Kann in einer Zeit von erdrückenden Umlagen eine Ortsgemeinde tatsächlich schuldenfrei bleiben, wenn sie so viel in ihre Infrastruktur investiert wie seit Jahren nicht? Und für die Investitionen keine einzige Steuer erhöht? Lautersheim kann das – das ist die für Außenstehende überraschende finanzpolitische Erkenntnis beim Doppelhaushalt der Ortsgemeinde für 2026/27.
So sind die für 2026 veranschlagten 160.000 Euro für die Unterhaltung gemeindeeigener Gebäude das 20-fache, was Lautersheim im vorigen Jahr dafür ausgegeben hat. Und 2027 stehen noch einmal 80.000 Euro – also das Zehnfache von 2025 – für den gleichen Posten zur Verfügung. Das zeigt auf der einen Seite, dass die Gemeinde Lautersheim in den vergangenen – klammen – Jahren ihre Immobilien, wie etwa die Gemeindehalle, nur stiefmütterlich unterhalten konnte. Auf der anderen Seite wird aber auch deutlich, dass man nun richtig klotzen und damit Versäumtes nachholen kann. Das gilt in erster Linie, aber nicht nur für die Sanierung der Gemeindehalle und die Umrüstung der dortigen Heizung auf Wärmepumpe. Zum vom Gemeinderat im Haushalt festgelegten Maßnahmenpaket gehören in den kommenden beiden Jahren auch die Sanierung der Kita-Fassade, die Erneuerung des Spielplatzes in den Bohngärten, die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern als Ausgleichsmaßnahmen für das Neubaugebiet sowie der Kauf von Gerätschaften für die Grünpflege.
„All das können wir anpacken, ohne die Steuern zu erhöhen“, sagt Bürgermeister Thomas Mattern (parteilos) und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Unsere Hebesätze gehören weit und breit zu den niedrigsten.“ Die Hebesätze liegen bei der Grundsteuer A bei 355 Prozent, bei der Grundsteuer B bei 465 Prozent und bei der Gewerbesteuer bei 400 Prozent. Außerdem sagt Mattern: „Wir haben seit Ende 2024 keine Liquiditätskredite mehr, sind quasi schuldenfrei.“ Bleibt die Frage, wie Lautersheim das schafft.
Da sind zum einen die Verkäufe der Bauplätze, die nun in die aktuellen Etats einfließen, zum anderen die enorm gestiegenen Einnahmen aus Gewerbesteuern sowie das Entschuldungspaket des Landes Rheinland-Pfalz. Zwar steigen durch die höheren Steuereinnahmen auch die Umlagezahlungen – trotz unveränderter Hebesätze – an VG und Kreis in 2026 und 2027 stark an. Und auch die 100.000 Euro an Bedarfszuweisungen des Landes – eine Art Sozialhilfe für finanzschwache Kommunen – fallen angesichts der hohen Einnahmen nun weg. Trotzdem bleiben Lautersheim erstmals seit Jahren noch genug finanzielle Spielräume, um in den nächsten beiden Jahren ausgiebig in den Erhalt der gemeindeeigenen Gebäude zu investieren. Davon kann die Allgemeinheit auch dann profitieren, wenn mal wieder andere Zeiten kommen.