Leiningerland
Trasse des Radwegs Leiningertal steht fest: Verbandsgemeinde bekennt sich zu Projekt
Der Beschluss, dass der „Radweg Leinigertal grundsätzlich realisiert werden soll“ fiel am Donnerstagabend in Wattenheim einstimmig. Es ist zu erwarten, dass sich der Verbandsgemeinderat am kommenden Donnerstag ebenfalls klar für das Projekt ausspricht. Seit 2007 gibt es den Traum, mit dem Rad von Grünstadt bis zum Rahnenhof in Hertlingshausen fahren zu können. Der Traum könnte in diesem Jahrzehnt wahr werden.
Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) ist mit den Mitgliedern des Bauausschusses und des Tourismusausschusses der Verbandsgemeinde den Weg gedanklich abgefahren. Die Fahrt dauerte zwei Stunden, die Strecke wurde dabei in sieben Teilstrecken unterteilt, für die es jeweils Alternativlösungen und Untervarianten gab, und über jeden Streckenabschnitt wurde einzeln abgestimmt. „Wir hangeln uns über die Trasse“, sagte Rüttger.
Das ist der Plan
Der Plan ist folgender: Statt die Route weitgehend auf der ehemaligen Bahntrasse zu bauen, sollen auf der Gemarkung von Sausenheim und Kleinkarlbach schon vorhandene, betonierte Wirtschaftswege genutzt werden. Erst kurz vor dem Viadukt über die L 520 ist ein Einschwenken auf die ehemalige Zugstrecke vorgesehen. Dieser Trasse folgt der Radweg bis zum Eckbachweiher, wo dann die Strecke bis zum Altleininger Ortsteil Drahtzug auf dem Forstweg geführt wird. Weiter soll es nahe der Straße bis zum Bahnhofsplatz in Altleiningen gehen und von dort über den vorhandenen Radwanderweg zum Naturfreundehaus in Hertlingshausen. Insgesamt handelt es sich um etwa 14 Kilometer Strecke.
Das ist klar
Klar ist, dass die Bahntrasse als Ganzes gekauft werden muss (mindestens 180.000 Euro). Klar ist auch, dass der erste Abschnitt des Radwegs (Wellpappe bis Einschwenken auf die Bahntrasse) betoniert oder asphaltiert werden soll und das Viadukt bei Kleinkarlbach und die Brücke über den Eckbach, über die der Weg führt, hergerichtet werden müssen. Denn das sehen die Vorschriften in Deutschland so vor. „Es war vor zehn Jahren nicht bekannt, dass man die Bauwerke komplett sanieren muss“, sagte der Planer im Ausschuss – selbst wenn die Brücke keine Züge, sondern lediglich Fahrräder aushalten muss. Die Hoffnung ist, Fördergelder für die Arbeiten zu bekommen.
Das ist offen
Wie der Belag des Weges aussehen soll, ist für einen Teil der Strecke noch offen (Eckbachweiher bis westlich Dradura). Es gibt die Alternativen Beton/Asphalt oder eine wassergebundene Decke. Bei Letzterem sind die Oberflächen mit Splitt oder Schotter belegt. Dabei wird die Meinung der Naturschutzbehörden von Belang sein – die Auskunft, die Rüttger von der Oberen Naturschutzbehörde erhalten hat, lässt alle Fragen offen. Man könne sich im Naturpark Pfälzerwald zwar einen Weg aus Beton oder Asphalt vorstellen, aber im Detail müsse man dann wiederum die Auswirkungen auf die Umwelt betrachten.
Der wichtigste Abschnitt
Klar ist wiederum, dass der Bereich westlich Dradura bis zum Kleinsägmühlerhof der erste ist, auf dem ein Beton- oder Asphaltweg gebaut werden wird: „Die Maßnahme sollte als erste in Angriff genommen werden, da es für den Radverkehr keine Alternativroute in diesem Bereich gibt“, sagt Rüttger. „Das ist das Dringendste, wenn wir die Radler von der Landstraße holen wollen.“ Der genaue Streckenverlauf hier ist noch zu planen, auch, weil westlich von Dradura eine neue Halle gebaut wurde. Der Abschnitt vom Kleinsägmühlerhof bis zum Bahnhof in Altleiningen soll durchgängig mit einer wassergebundenen Decke ausgebaut werden. Dabei handle es sich um Unterhaltungsmaßnahmen, die nicht gefördert werden, so dass man sich mit den Grundstückseigentümern unterhalten müsse. Beschlossen wurde auch ein Lückenschluss von knapp einem Kilometer zwischen Carlsberg und Wattenheim.
Rüttger informierte über eine weitere, eine dritte Brücke über den Eckbach in Kleinkarlbach, die nicht an der geplanten Trasse liegt, und an der ein historischer Waschplatz der Neuleininger ist. Der Heimat- und Kulturverein würde diesen Platz gerne gestalten. Nun soll geprüft werden, ob man einen „Schwenk“ dorthin machen könnte.
Alltags- statt Rennradler
Grundsätzlich sei die Strecke eher für Alltags-Radler als für Rennradfahrer gedacht, und eher als touristische Attraktion denn als Pendlerstrecke zu sehen, hieß es nach entsprechenden Fragen.
Was steht auf der Rechnung?
Ernst-Albert Kraft (CDU) wies zu Beginn der Sitzung auf ein grundsätzliches Problem hin – nämlich die Frage: „Was kostet das alles?“ Eine klare Antwort gibt es derzeit darauf nicht, sagte Rüttger: „Die genauen Kosten werden wir heute nicht haben.“
Im Nachgang der Sitzung hat der Bürgermeister der RHEINPFALZ eine grobe Kostenaufstellung mit 15 Punkten zukommen lassen. Diese ist aber, das betont er, nicht belastbar, weil die Zahlen weitgehend auf einer fünf Jahre alten Kostenschätzung und der Hochrechnung auf das heutige Preisniveau beruhen (siehe unten). Weiterhin fallen Kosten an, deren Höhe derzeit nicht bekannt sind – und zwar für Toiletten, Rastplatz und die Einbindung des ehemaligen Waschplatzes Neuleiningen-Tal. Hinzu kommen Kosten für Notar, Ausgleichsflächen, Baumfällungen, Altlastenkontrolle, Bodengutachten und Ausschilderung. Und natürlich kostet auch die Planung: dafür sind 30 Prozent auf die Baukosten draufzuschlagen. Die Planungsleistungen werden wohl europaweit ausgeschrieben werden müssen. Um dies prüfen zu können, war die Festlegung der Trasse erforderlich.
Die Kosten
Wellpappe Sausenheim bis Viadukt in Kleinkarlbach: 180.000 Euro reine Baukosten; Viadukt bis Dradura: reine Baukosten zwischen 840.000 Euro und einer Million Euro; Dradura bis Kleinsägmühlerhof: 800.000 Euro reine Baukosten; Kleinsägmühlerhof bis Bahnhof Altleiningen (Rückschnitt, Ausbesserung Splittbelag): 75.000 Euro, hier muss der Aufwand aber noch genau festgelegt werden. Bahnhof Altleiningen bis Selighof Hertlingshausen: Ausbesserung im Bauunterhalt. Die Kosten für die Brücken bei Kleinkarlbach liegen bei 193.000 Euro (Viadukt), 133.000 Euro (weitere Bahnbrücke) und für die dritte Brücke am Eckbachweiher/Waschplatz bei 81.000 Euro. Lückenschluss Hetschmühle mit wassergebundener Decke: 211.000 Euro; Grunderwerb Bahn: 180.000 Euro und weitere Grunderwerbe von privat, hier ist die Summe offen.