Grünstadt Trägerbalken in der Duschkabine
Weil ihre Übernachtungsgäste immer wieder danach gefragt haben und es eine schöne Ergänzung zum Angebot an Hotelzimmern und Restauration ist, hat die Familie Schraut in Battenberg auf ihrem Hofgut einen Seminarraum eingerichtet. Beim dafür notwendigen Umbau eines Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert wurde zudem der Getreidespeicher im Obergeschoss in eine äußerst ansprechende, 140 Quadratmeter große Wohnung verwandelt – fast „aus Versehen“.
„Eigentlich sollte es nur ein Appartement für Urlauber werden“, sagt Julian Schraut, „aber nun ist es so schön geworden, dass wir dauerhafte Mieter suchen“. Betreten wird die Wohnung durch eine restaurierte alte Tür, die aus einem Weingut in Wachenheim stammt. Man gelangt in einen lichtdurchfluteten Wohn-Ess-Bereich mit voll ausgestatteter Küchenecke. Die Morgensonne lacht durch ein 14-teiliges Fenster, das vom Boden bis zur Decke reicht. Die Formen der einzelnen Scheiben – lediglich zwei sind rechteckig – werden bestimmt durch den Verlauf der Balken des Fachwerkhauses. Nur aufgrund dieser Bauweise habe man für die Umgestaltung die Genehmigung durch die Generaldirektion Kulturelles Erbe bekommen, so Schraut. Zuvor sei die östliche Außenwand im Dachgeschoss geschlossen gewesen. Die alten Ziegelsteine, bislang Füllmaterial im Holzskelett, sind zu Zwischenwänden verarbeitet worden, die im hinteren Bereich des einstigen Speichers zwei Zimmer und ein Bad entstehen ließen. Auch diese Räume sind hell durch zahlreiche Fenster. Witzig: das winzige auf Fußbodenhöhe in der nördlichen Schlafstube, das in der Lücke zweier Fachwerkbalken sitzt. „Zum Lüften, falls es regnet und das darüber liegende Dachflächenfenster nicht geöffnet werden kann“, erläutert der Hausherr den Sinn des Fensterchens, durch das man – kniend – in den 200 Quadratmeter großen Garten gucken kann. Es schließen sich ein begehbarer Schrank und ein kleiner Lagerraum an. Alle Räume haben Sichtgebälk. Besonders attraktiv sind die schrägen Streben, von denen sich eine sogar in der Duschkabine des modernen Bades befindet. „Die haben eine tragende Funktion“, erklärt Schraut, dass die dekorativen Balken aus statischen Gründen erhalten bleiben mussten. Das Dach, durch das es hereinregnete, ist repariert und mit den historischen Ziegeln neu gedeckt worden. Gedämmt wurde mit Zellulose, auch die Wände, in denen im Lehmputz Heizungsrohre verlegt wurden. „Dadurch ergibt sich ein tolles Raumklima und die Wände bleiben schön trocken, was gut ist fürs Gebälk“, so Schraut. Der Fußboden ist größtenteils mit drei Zentimeter starkem Walnuss-Parkett ausgelegt, ergänzt durch farblich passendes Laminat im hinteren Bereich. Zuvor war der Boden sehr uneben und bestand nur aus Balken und einem Stroh-Lehm-Gemisch, wie der Bauherr berichtet. „Es gibt keinen rechten Winkel im Haus“, ergänzt seine Frau Beate. Eine besondere Herausforderung sei das Verlegen von sieben Sandsteinstufen vor dem Gebäude gewesen. „Jede wog 220 Kilogramm.“ Unter der Wohnung befindet sich der technisch voll ausgestattete, 40-Quadratmeter große neue Seminarraum mit zwölf Sitzplätzen. „Da wir nur zehn Doppelzimmer haben, und die wenigsten Arbeitskollegen gemeinsam ein Zimmer nehmen, passt das“, so Julian Schraut. Die Firmen hätten wiederholt nach einem Tagungs- und Schulungsraum gefragt. Er ist am 23. und 24. Februar durch die Flugbegleitergewerkschaft eingeweiht worden. Investiert hat der Battenberger für die Reaktivierung des Hauses, das 45 Jahre leer stand, rund 150.000 Euro. Das Projekt wird mit Mitteln aus der Dorferneuerung mit maximal 20.452 Euro der förderfähigen Kosten bezuschusst. Die Planung hat der Eigentümer selbst in die Hand genommen und den Entwurf nach statischer Prüfung durch eine Architektin zur Genehmigung einreichen lassen. Eine auf alte Baumaterialien spezialisierte Firma habe den Auftrag ausgeführt. Am 4. Oktober war erster Spatenstich. Nach fünf Monaten erstrahlte das alte Haus in neuem Glanz. Als nächstes soll das Backhäuschen im Anbau saniert werden.