ALTLEININGEN RHEINPFALZ Plus Artikel Tierische Landschaftspfleger im Amseltal

Bauamtsleiterin Beate Wassner, die VG-Beigeordneten Karl Meister und Bernd Findt, der stellvertretende Bauamtsleiter Rainer Tolk
Bauamtsleiterin Beate Wassner, die VG-Beigeordneten Karl Meister und Bernd Findt, der stellvertretende Bauamtsleiter Rainer Tolkendorf, Betriebsleiter Richard Danner vom Kleinsägmühlerhof und Leader-Manager Peter Dell (von links) präsentieren das Beweidungsprojekt im Altleininger Amseltal unterhalb der Burg.

Mit Leader-Mitteln ist dieser Tage ein Beweidungsprojekt im Amseltal gestartet worden. Zehn Rinder vom Kleinsägmühlerhof sollen den Hang unterhalb der Burg von Bewuchs freihalten. Dieser tierische Einsatz hat gleich mehrere positive Nebeneffekte.

Sie sind zu zehnt und sie haben Hunger. Damit ist eine gute Ausgangslage für das Beweidungsprojekt im Amseltal unterhalb der Altleininger Burg gegeben. Hungrig sind die Rinder des Kleinsägmühlerhofs, die jetzt auch ganz offiziell mit der Freihaltung der Grünflächen am Burghang betraut sind. Und sie machen ihren Job offensichtlich sehr gut – zumindest wächst so wenig Gras nach, dass Richard Danner, Betriebsleiter auf dem Kleinsägmühlerhof den zehn Vierbeinern doch noch etwas wohlschmeckendes Luzernen-Heu in die Futterstation legen muss.

„Der Fleischzuwachs, den wir hier erzielen können, ist überaus gering“, erklärt er im Gespräch vor Ort. Deshalb ergibt die Haltung der Rinder am Burgberg aus rein landwirtschaftlicher Sicht keinen Sinn. Aus ökologischer Sicht und auch aus dem touristischen Blickwinkel betrachtet hingegen schon. Denn eins haben die Rinder - wohlgemerkt: mit menschlicher Hilfe – bereits erreicht: Der Blick aus dem Amseltal auf die Burg Altleiningen ist frei.

Zahlreiche Behörden und Untenehmen beteiligt

„An dem Projekt waren zahlreiche Behörden, offizielle Stellen und Unternehmen beteiligt“, betonte Bernd Findt, der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Leiningerland bei der offiziellen Inbetriebnahme der Weideflächen am Donnerstagvormittag. Träger ist die Verbandsgemeinde, denn diese konnte aus dem Leader-Förderprogramm eine 75-prozentige Bezuschussung für das Projekt bekommen, das auf Flächen, die der VG, aber auch dem Kreis gehören. Von den entstandenen Gesamtkosten in Höhe von 131.000 Euro waren 125.000 Euro förderfähig – aus dem Leader-Topf flossen 94.400 Euro, die geringen Restkosten teilen sich VG und Kreis.

Denkmalschutz, Forstamt, Pfalztouristik – viele hatten ein Wort mitzureden, bevor der Eingriff in das bisherige Landschaftsbild vorgenommen werden durfte. Erst musste der alte Weidezaun entfernt werden, dann ging es an die Durchforstung, die ein Fachunternehmen übernommen hat. „In Zusammenarbeit mit dem Forst wurden alle Bäume, die erhalten bleiben sollten und folglich jetzt noch stehen, kartiert und auf ihre Wertigkeit untersucht“, erklärt Peter Dell, der das Beweidungsprojekt als Leader-Manager betreut. Dann hat das Fachunternehmen den Hang gerodet, die meisten Bäume entfernt und sie auf Lagerplätze ober- und unterhalb der Weide transportiert. „Das Holz wird in der Hackschnitzelheizung des Kleinsägmühlerhofs verwertet“, erklärte Danner hierzu.

Rinder sind pflegeleichter als Ziegen

Anschließend wurden rund um die Weide hölzerne Pfosten eingebaut. Dabei handelt es sich um sehr widerstandsfähiges Akazienholz. Entlang dieser Pfähle wurden fünf Reihen übereinander liegender Stacheldraht befestigt. Die unterste Reihe 50 Zentimeter über dem Boden. „Das hat den Zweck, dass wir mit unseren Mitarbeitern mit Freischneidern entlang des Zauns arbeiten können“, erklärt Richard Danner. Außerdem habe durch diesen Abstand zum Boden auch nach wie vor das Wild die Chance durch die Weide zu wechseln.

Damit ist dann auch die Frage beantwortet, warum auf den Hangweiden keine Ziegen eingesetzt werden können. „Hätten wir das machen wollen, dann hätte bodentief Mattenzaun eingezogen werden müssen, denn Ziegen schaffen es aus fast jedem Gehege“, so Danner. Daher bevorzugt er die Beweidung mit den deutlich pflegeleichteren Rindern.

Projekt auch über Kleinsägmühlerhof bezuschusst

Das Team des Kleinsägmühlerhofs hat jetzt zumindest im Bereich der Burg, an deren Mauern auch noch ein beliebter Wanderweg vorbei läuft, einen Handlauf aus Douglasienstangen angefertigt. „Das haben wir aus eigener Initiative getan, um den Wanderweg sicherer zu machen und auch ein Stück weit Sicherheit zum Stacheldraht hin zu bekommen“, erklärt Danner.

Außerdem hat der Kleinsägmühlerhof das Projekt selbst bei einer Stiftung zur Förderung angemeldet und 25.000 Euro Fördergelder erhalten. Mit diesem Geld wurden die Futterraufen, Fanggatter und ein Wasserwagen angeschafft, um die Rinder optimal betreuen zu können.

Am Rande

Ob sich die zehn Rinder des Kleinsägmühlerhofs ihrer tragenden Rolle bei der Vorstellung des Beweidungsprojekts im Amseltal bei Altleiningen bewusst waren, sei mal dahingestellt. Die Vertreter aus der Kommunalpolitik, die sich mit ihnen fotografieren ließen, die waren sich in jedem Fall darüber im Klaren, dass das Beweidungsprojekt ein großer Wurf für die Region ist. Erstens sind Rinder nett anzuschauen, zweitens sorgen sie dafür, dass der Blick auf die Burg und aus der Burg ins Tal künftig ungetrübt bleibt. Selbst für die Rinder hat das Grasen auf den mageren Wiesen am Hang einen Vorteil: Sie werden nicht so schnell schwer. Sprich: Es dauert länger, bis sie geschlachtet werden können. Dass zudem VG und Kreis mit Kosten dank der üppigen Zuschüsse aus dem Leader-Förder-Topf nicht all zu sehr belastet werden, kommt noch obendrauf. Dennoch sollte bei aller Freude über das 131.000-Euro-Projekt nicht vergessen werden, dass letztlich dafür Steuergelder eingesetzt worden sind. Endlich mal sinnvoll, würde mancher sicher gern rufen.

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