Grünstadt Sozialstation: Seifert löst Walter ab
Grünstadt: Die Ökumenische Sozialstation Grünstadt steht vor einer grundlegenden Umstrukturierung: Der ambulante Pflegedienst wird ab 2019 vom Diakonischen Werk Mannheim übernommen. Die Mitglieder der Sozialstation werden sich in einem Förderverein zusammenschließen.
Eingeleitet wurde die Veränderung durch einen Wechsel in der Geschäftsführung: Nachdem Karl Walter nach knapp 20 Jahren in den Ruhestand gegangen ist, hat Sabine Seifert zum Jahresbeginn seinen Platz eingenommen. Geplant ist, dass der 1978 gegründete und 1979 in Betrieb gegangene ambulante Pflegedienst zum 1. Januar 2019 vom Diakonischen Werk Mannheim übernommen wird. „Unsere jetzigen Mitglieder – katholische und protestantische Kirchengemeinden sowie Krankenpflegevereine aus Grünstadt und der Verbandsgemeinde Leiningerland – werden sich in einem Förderverein zusammenschließen“, erläutert der Vorsitzende der Sozialstation, Pfarrer Hans Gaul, gegenüber der RHEINPFALZ. „Gemeinsam hoffen wir, alle Angebote aufrecht erhalten zu können.“ Andere Sozialstationen seien diesen Schritt schon gegangen. Gauls Stellvertreter Wolfgang Will begründet, weshalb ein professioneller Träger ins Boot geholt wird: „Es gibt immer weniger Pfarrer und die Mitglieder der Krankenpflegevereine haben inzwischen ein Durchschnittsalter von 80 Jahren.“ Die Diakonie sei halt eine große Organisation, die für alles Experten habe, ergänzt Seifert. Probleme mit der EDV ließen sich dank interner Fachleute schnell lösen, das Organisieren von Fortbildungen sei weniger aufwendig, weil Kontakte zu Referenten bestünden, Fragen zu seltenen Erkrankungen könnten umgehend beantwortet werden, nannte die 52-Jährige Beispiele. Seifert kennt die Vorzüge des Trägerwechsels gut, hat sie doch die Umwandlung des Seniorenstifts in Speyer von einer kommunalen in eine diakonische Einrichtung ab 2005 mitgestaltet. „Meine wichtigste Aufgabe war es damals, die Mitarbeiter mitzunehmen. Ungewohntes schürt immer Ängste“, erklärt sie. In Grünstadt erwartet Seifert eine enorme Entlastung der Ehrenamtlichen des Fördervereins. Wichtig sei ihr aber, dass diese sich nicht aus der Verantwortung herausziehen. „Das Kümmern um Hilfsbedürftige ist eine urchristliche Aufgabe“, betont sie. Noch bis Ende dieses Jahres ist die zweifache Mutter Geschäftsführerin der Ökumenischen Sozialstation Donnersberg-Ost in Kirchheimbolanden, die bereits in Trägerschaft der Evangelischen Diakonissenanstalt Speyer-Mannheim steht. Darüber hinaus hat sie die Hospizleitung Wilhelminenstift in Speyer inne, wo sie auch für das Qualitätsmanagement verantwortlich zeichnet. In Grünstadt ist Seifert zunächst nur an zwei Tagen in der Woche. Ihr Vorgänger Karl Walter war der erste Geschäftsführer der Grünstadter Sozialstation. Da die Einrichtung permanent gewachsen ist und die Pfarrer immer weniger Zeit hatten, „war die Arbeit irgendwann von einem ehrenamtlichen Vorstand und der Pflegedienstleitung allein nicht mehr zu bewältigen“, sagt Gaul. Als Walter 1998 eingestellt wurde, hatte die Sozialstation, die noch im Alten Rathaus in der Fußgängerzone ansässig war, bereits 40 Mitarbeiter, wie die jetzige Pflegedienstleiterin Winni Raussendorf noch weiß. Heute sind es 100 Voll- und Teilzeitkräfte. „Wir betreuen zirka 400 Menschen in einem Gebiet mit rund 45.000 Einwohnern“, berichtet Will. Die Einsatzbereiche sind neben der Pflege die Hauswirtschaft, das Essen auf Rädern und die Begleitung von dementiell Erkrankten. „Wir versuchen, die Versorgung in allen Lebensbereichen zu gewährleisten und dabei die Angehörigen zu entlasten“, sagt Gaul. Geschäftsführer Walter hatte meist nur Patientenkontakt, wenn es Schwierigkeiten gab, etwa finanzielle Probleme. „Sehr gern habe ich mich um das Personal gekümmert und mich stets bemüht, fair zu sein“, sagt der 63-jährige gebürtige Frankenthaler. Viel zu tun hatte der Betriebswirt in seiner genau 19 Jahre und elf Monate währenden Amtszeit mit der Entlassung und Einstellung von insgesamt fünf Pflegedienstleitern. Den häufigen Wechsel erklärt Gaul damit, dass diese Funktion psychisch und körperlich stark belaste.