Leiningerland
So groß ist der Andrang beim VG-Versichertenberater
Die Fallzahlen, mit denen sich Matthias Haberstig beschäftigt, steigen und steigen. Der für Rentenangelegenheiten zuständige Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Leiningerland hat im vergangenen Jahr 960 Ratsuchenden unter die Arme gegriffen. Dabei hat er 3303 externe Anrufe gezählt. Da für die Tätigkeiten aufgrund seines krankheitsbedingten Ausfalls insgesamt nur 189 Arbeitstage zur Verfügung gestanden hätten, sei 2022 ein sehr starkes Jahr gewesen.
Aber das Ganze ist noch steigerungsfähig, wie Haberstig bei der Sitzung des Kultur-, Jugend-, Sport- und Sozialausschusses der VG berichtete. Denn bis zum 31. Oktober des laufenden Jahres hat er schon 992 Fälle auf seinem Schreibtisch gehabt und 4034 Telefonate geführt. Zieht man einen Vergleich zu den ersten zehn Monaten in 2022 mit 801 Fällen, so entspricht das einer Erhöhung um 23 Prozent. Und das alles ohne Anträge von Grünstadter Bürgern, die nur bis Ende Oktober 2019 von der Rentenstelle bei der VG mitversorgt wurden. Als die Grünstadter noch dabei waren, lag die Fallzahl beispielsweise im Komplettjahr 2010 bei 514, in 2014 bei 709 und in 2018 bei 1185.
Noch ist der Zenit nicht erreicht
„Was uns momentan sehr stark beschäftigt, sind die Babyboomer, also diejenigen, die zwischen 1957 und 1969 geboren wurden, und jetzt allmählich aus dem Berufsleben ausscheiden“, erläuterte Haberstig im Ausschuss. Und der Zenit ist noch nicht erreicht. Schließlich ist 1964 der stärkste Jahrgang und da ist es mit der Altersrente meist noch etwas hin. Er prognostizierte: „2026/27 werden wir die 50-Prozent-Marke knacken.“ Mit anderen Worten: Dann wird mehr als die Hälfte der aktuell knapp 31.900 Einwohner der VG den 60. Geburtstag gefeiert haben.
Aber Haberstig ist nicht nur für das Ruhegeld nach der Phase der Erwerbstätigkeit zuständig, was die Zahlungen an Schwerbehinderte und „langjährig“ beziehungsweise „besonders langjährig“ Versicherte einschließt. Ein weiterer großer Block sind die Witwen- und Waisenrenten. „Bei mir darf eine Hinterbliebene auch mal weinen“, machte Haberstig deutlich, dass gerade in dem Bereich keine Beratung mit der Stoppuhr erfolgen könne. Extrem zeitaufwendig seien die Anträge auf Erwerbsminderungsrente, die jedoch von der Anzahl her relativ gering seien. Momentan sind es 23 gegenüber 234 Fällen, die sich um die Altersrente drehen. Dahinter steckten aber oft sehr komplexe Sachverhalte. Anspruchsberechtigte sollten sich daher bevorzugt an den VdK wenden, verwies der Berater an den Sozialverband: „Der übernimmt auch die juristische Unterstützung.“
Unklare Begriffe und Nachweise
Oft drehten sich die Fragen um fehlende Kindererziehungs- und Ausbildungszeiten, um unklare Begriffe sowie die Bestätigung von Nachweisen an die Renten- oder Krankenkassen, so Haberstig, der 2021 sogar 1003 Fälle zu bewältigen hatte. Damit die aktuelle Wartezeit von etwa 14 Tagen nicht noch länger wird, hat sich der Sachbearbeiter angewöhnt, E-Mails möglichst nicht ausführlich zu beantworten, sondern lieber zum Telefonhörer zu greifen. „Und ich bitte die Ratsuchenden, mir alle notwendigen Daten vorab zur Verfügung zu stellen“, so Haberstig. Ihm steht in seiner Abteilung zwar Jana Heinrich zur Seite, doch ihre Aufgaben liegen im Bereich der Seniorenarbeit. Außerdem kümmert sie sich unter anderem um Wohngeld und die Schwalb’sche Stiftung in Hettenleidelheim.
Warum diese Kollegin nicht fortgebildet werde, um auch für die Rentenberatung fit zu sein, wollte der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Alfred Lenz, wissen. Es müsse dringend eine zweite Person eingestellt werden, um Haberstig zu entlasten, bekräftigte Willi Wörz (SPD), egal, was übergeordnete Behörden sagten. „Wir können hier beschließen, was wir wollen. Am Ende kriegen wir das gestrichen“, konterte Ernst-Albert Kraft (CDU).
Personalaufstockung nicht genehmigt
Eigentlich ist die Rentenstelle der VG lediglich dazu da, Anträge entgegenzunehmen, zu kontrollieren, ob Angaben fehlen und sie bei Vollständigkeit weiterzuleiten. Dafür reicht laut Landesrechnungshof eine Halbtagskraft. Aber da die Landesversicherungsanstalt Rheinland-Pfalz kein flächendeckendes Beratungsangebot mehr bereithält und der Weg nach Speyer weit ist, wächst der Bedarf nach Beantwortung von Fragen zu den Anträgen vor Ort. Bislang toleriert die Kommunalaufsicht deshalb eine volle Stelle bei der landesweit achtgrößten Verbandsgemeinde, aber eine weitere Personalaufstockung wird nicht genehmigt.
Gern wird daran erinnert, dass die frühere VG Grünstadt-Land für diesen Aufgabenbereich zwei Mitarbeiter hatte. Allerdings war das nur vorübergehend. Wie Haberstig informierte, gibt es dieses Serviceangebot der Rentenberatung unter anderem noch in Frankenthal und Monsheim, nicht jedoch beispielsweise in Grünstadt und in der VG Freinsheim. Allerdings gebe es dort ehrenamtliche Berater.