Grünstadt „So einen Fall noch nicht erlebt“

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In ihrem Haus in Oberwiesen hatte sich das Ehepaar Steinbach sicher gefühlt. Doch seit Ende August ist das anders. Damals wurden aus dem Auto die beiden EC-Karten Andreas Steinbachs gestohlen. Und – darauf schwört das Ehepaar – obwohl die PIN nirgendwo notiert war, wurde noch in derselben Nacht eines der Konten leergeräumt. Die Polizei ermittelt.

„Das Ganze war sehr mysteriös“, sagt Andreas Steinbach gegenüber der RHEINPFALZ. An einem Donnerstagabend kam er mit seiner Frau nach Hause. Während er direkt ins Haus ging, fuhr seine Frau noch zur Tankstelle. Anschließend parkte sie ihr Auto in der Hauseinfahrt, vergaß aber die Handtasche im Auto. Das war gegen 23 Uhr. „Erst am nächsten Morgen, als meine Frau eine Zigarette rauchen wollte, wurde ihr das bewusst“, schildert Andreas Steinbach. Im Auto überprüfte sie die Handtasche und stellte fest: Die beiden EC-Karten und 50 Euro Bargeld fehlten. Sie ließen die Karten sperren, fuhren zur Polizei und erstatteten Anzeige. „Erst dort erfuhren wir, dass bereits in der Nacht kurz vor ein Uhr jemand 795 Euro von einem der beiden Konten abgehoben hatte“, so Steinbach, und zwar mit einer gültigen PIN. Wie jemand an die PIN kommen konnte, ist ihm schleierhaft. Zu denken gebe ihm aber, dass zwei Tage vor dieser Nacht eine Nachbarin eine seltsame Beobachtung gemacht hatte. „Morgens um fünf sah sie eine blonde Frau mittleren Alters von unserem Grundstück kommen“, so Steinbach. Zu dieser Zeit schlief das Ehepaar noch, Besucher hatten sie in dieser Nacht nicht. Steinbach hält es für denkbar, dass diese Besucherin das Haus ausgespäht und später die Karte gestohlen hat. Doch woher sollte die Person ahnen, dass in dieser Nacht die Handtasche im Auto vergessen werden würde? Einen solchen Fall habe er noch nicht erlebt, sagt Erster Kriminalhauptkommissar Werner Schneider von der Polizei in Kirchheimbolanden. Üblich sei es bei Diebstahl eher, dass alle Papiere und das Handy gestohlen würden, weil sich die Täter Hinweise auf die PIN erhoffen. Oder sie spähen eine Person aus und bestehlen sie sofort. Jemanden aber vom Geldautomaten nach Hause zu verfolgen in der Hoffnung, dass derjenige seine Tasche im Auto vergisst, sei abwegig. Gleichwohl hält er die Schilderungen des Oberwieser Ehepaares für glaubhaft. Leider haben die Videoaufnahmen in der Sache keine Erkenntnisse gebracht. „Ich habe darauf niemanden erkannt“, so Steinbach. Dass die PIN an Bezahlautomaten einfach ausgespäht werden könne, hält Lichtenthaler für unmöglich. Auch Martin König, Bereichsleiter Service und zuständig für das Kartengeschäft bei der Volksbank Alzey/Worms, hält diese Sicherheitslücke für unrealistisch. „Es ist zwar nicht auszuschließen, dass jemand ausgespäht und dann versucht wird, an dessen Karte zu gelangen, indem man ihn nach Hause verfolgt und beobachtet“, so König. Aber das sei aufwendig, im Normalfall suchten Betrüger einen schnellen Weg. Für naheliegender hält er es, dass die Täter zuvor auf andere Weise an die PIN kamen. „Oft wird die PIN irgendwo verschlüsselt notiert, als Telefonnummer oder Geburtsdatum beispielsweise oder irgendwie verklausuliert“, so König. Diese Verschlüsselungen kennen auch die Betrüger. Auch ihnen sei bewusst, dass die Zahlenkombination der PIN nur selten auf den Karten notiert oder auf einem Zettel im Geldbeutel mitgeführt werde. Entsprechend selten sind die Fälle von Kartenmissbrauch bei der Volksbank Alzey Worms. „Wir haben 133.000 Kunden in unserem Bereich und jährlich etwa zehn Fälle von Missbrauch, in diesem Jahr waren es bisher gerade mal fünf“, so König. Meistens habe sich herausgestellt, dass die Karteninhaber ihre PIN weitergegeben oder vor vermeintlichen Freunden nicht geschützt hätten. Im vorliegenden Fall hat die Volksbank den Schaden des Ehepaares Steinbach übernommen. Der Schrecken dieser Nacht sitzt noch tief. „Meine Frau schläft derzeit sehr schlecht“, sagt Andreas Steinbach. (jgl)

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