Leiningerland
Schwimmbadöffnung: Gemischte Bilanz
Das große Chaos ist ausgeblieben: Einige Schwimmbad-Betreiber hatten in diesem Jahr Bedenken, dass es wegen der begrenzten Zulassungszahlen zu Tumulten an der Kasse kommen könnte. Doch der große Run auf die Bäder mit längerem Warten blieb in Hettenleidelheim, Grünstadt und Altleiningen bis auf ein, zwei heiße Tage Anfang August aus.
Manfred Guth vom Förderverein des Hettenleidelheimer Freibads ist froh, dass das dortige Bad Ende Juni aufgemacht hat: „Dass die Leute wenigstens die Möglichkeit hatten, sich zu erfrischen.“ In Altleiningen sieht man das anders: Dort gab es im Rat viel Kritik an der Öffnung. Und auch Volker Spindler vom Förderverein hat seine Meinung nicht geändert: „Es wäre besser gewesen, nicht aufzumachen.“ Die Befürchtung ist, dass das Defizit für die Ortsgemeinden noch weiter steigen wird. Denn die Anzahl der verkauften Karten ist in diesem Jahr geringer als in den vergangenen Jahren.
Bäder sind immer ein Zuschussgeschäft
Der Betrieb von öffentlichen Bädern ist immer ein Zuschussgeschäft, für Hettenleidelheim und Altleiningen werden pro Jahr 320.000 bis 380.000 Euro drauf gelegt. Wie hoch das Defizit in diesem Jahr sein wird, ist noch unklar. „Das genaue Defizit ist derzeit noch nicht belastbar greifbar“, sagt Julian Hoffmann von der VG Leiningerland, die sich um die Betriebsführung kümmert. Die Bäder seien zwar seit Ende August geschlossen, aber in der Einwinterungsphase, das heißt: Die Fixkosten laufen weiter.
Dass das Defizit eine halbe Million Euro betragen werde, wie vor der Öffnung im Altleininger Rat befürchtet, glaubt Steffen Blaga (CDU) indes nicht. „Wir werden sicher ein höheres Defizit haben als in der Vergangenheit. Aber diese Zahlen, die im Raum stehen, sehe ich nicht“, sagt der Hettenleidelheimer Ortsbürgermeister und Vorstandsvorsitzende der Betreiberin AöR. Man habe durch die späte Öffnung Ende Juni und die frühe Schließung Ende August Kosten gespart: „Das Zeitfenster war ideal. Wenn wir schon früher oder noch länger geöffnet hätten, hätten uns die Fixkosten aufgefressen“, sagt er mit Blick auf die Ausgaben für das Heizen des Wassers. Auch der Einsatz der Fördervereine als Corona-Wächter an bestimmten Tagen habe die Ausgaben gesenkt. Er ist froh, dass die Bäder auf waren: „Wir haben viel positive Resonanz bekommen.“
Öffnung freut die Gäste
Auch Spindler und Guth berichten vom Lob der Gäste. „Für die, die gerne schwimmen gehen, war’s gut“, sagt Spindler. Für alle anderen aber, die Familien mit sehr kleinen Kindern, die das Bad auch als „Spaßbad“ nutzen wollten, nicht: „Es war nicht das Bad, das wir uns erhofft haben“, sagt der Altleininger. Dort wurde ein Drittel der 8489 Eintrittskarten an Kinder, viele Gäste der Jugendherberge, verkauft. „Der größte Nutznießer war bei uns die Burg.“
Weil Eisenberg das Waldschwimmbad geschlossen hielt, verzeichnete man in Hettenleidelheim auch neue Gäste, beispielsweise eine Gruppe aus Kerzenheim. Ob das nachhaltig ist, wird sich zeigen.
Eisenbergs Verbandsbürgermeister Bernd Frey (SPD) glaubt es nicht, wie er kürzlich im RHEINPFALZ-Interview sagte: „Wir erwarten, dass die Menschen 2021 nach Eisenberg zurückkommen werden.“
Allerdings haben die Freibäder wohl auch wegen der Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, Abgänge bei den Besuchern festgestellt, wie Guth berichtet: „Ich habe viele der Stammschwimmer, die älter als 70 Jahre sind und sonst regelmäßig kommen, dieses Jahr nicht gesehen.“
Sommer im Cabalela: Zufrieden mit Resonanz
In Grünstadt ist die Lage etwas anders: Das Cabriobad kann ganzjährig genutzt werden, Becken und Liegewiese wurden nach dem Lockdown im Juli wieder geöffnet. Die Bilanz der zwei Sommermonate stimmt Bad-Chef Klaus Wasmuth zufrieden: „Es ist gar nicht so schlecht gelaufen.“ Es sei richtig gewesen, zu öffnen, obwohl eine Corona-gerechte Schwimmbad-Öffnung natürlich mit viel Aufwand verbunden sei. Er sagt: „Wir haben eigentlich gute Zahlen. Das hängt damit zusammen, dass viele Schwimmbäder nicht offen hatten.“ Und die Umsätze bei Essen und Trinken seien nicht schlechter als im Sommer 2018. Zwar habe man im Cabalela verschiedentlich auf die Einhaltung der Corona-Regeln pochen müssen: „Aber der überwiegende Teil war vernünftig.“
Wasmuth kann sich vorstellen, dass aus der Corona-Zeit auch etwas mitgenommen wird. Die Gäste fänden das Schwimmen im Kreisverkehr nämlich gar nicht so schlecht.
Und wie lief der Kartenverkauf?
In diesem Jahr sind in Hettenleidelheim 8652 Eintrittskarten verkauft worden, in Altleiningen 8489. Damit sind in diesem Corona-Sommer 17.141 Gäste in den Bädern gewesen. Weil es keine Dauerkarten gab, entspricht die Anzahl der verkauften Karten auch der Anzahl der Besucher. 2018 sind 22.180 Karten verkauft worden, 2019 18.596. Allerdings sind unter diesen verkauften Karten jeweils 6500 Dauerkarten.
Die Dauerkarten-Besitzer neigen dazu, sich nicht mit einem Bad-Besuch am Tag zu begnügen. Das lässt wiederum die Besuchszahlen in die Höhe schnellen. „Wir haben Personen, die schaffen es, in einer Saison 100 mal zu kommen“, sagt Julian Hoffmann von der VG. So hatte man im Jahr 2018 70.000 Badegäste in Hettenleidelheim und 55.000 in Altleiningen gezählt.
Das Cabalela in Grünstadt haben im Juli 7731 Menschen besucht (Sauna noch nicht offen, Vereine in der Sommerpause), im August 12.303 Menschen. Zum Vergleich: im August 2018 waren 13.641 Gäste in Bad und Sauna, im Juli 2018 13.793. All diese Zahlen sind besser als die vom Sommer 2019: Da gab es null Besucher, weil das Bad nach einem Brandschaden geschlossen war.