Leiningerland
Schulsanierungen würden mehr als 8 Millionen Euro kosten
Maria Altheimer (CDU) konnte es nicht fassen. Nachdem der Hochbautechniker Michael Harm aus Herxheim am Berg am Donnerstag ausführlich die notwendigen Instandsetzungsarbeiten an den Grundschulen Ebertsheim, Gerolsheim und Laumersheim für zusammen rund 8,2 Millionen Euro dargelegt hatte, blickte sie kopfschüttelnd auf den Sanierungsstau und meinte: „Ich bin entsetzt. Da holt uns die Vergangenheit ein.“ Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, Frank Rüttger (CDU), sagte in der gemeinsamen Sitzung des Bau- und Schulträgerausschusses: „Ich widerspreche nicht.“ Fairerweise müsse man aber sagen, dass Gebäude irgendwann in ein gewisses Alter gekommen seien, in dem sehr viel auf einmal in Ordnung zu bringen sei.
Der Altbau der Johann-Adam-Schlesinger-Schule in Ebertsheim etwa stammt aus dem Jahr 1912. Das denkmalgeschützte Haus erhielt 1992 und 1998 einen eingeschossigen Anbau, verbunden über eine geschlossene Pausenhalle. Auch in diesem neueren Gebäudeteil sind letztlich Bauarbeiten notwendig. Zunächst werden dort allerdings die Kinder während der energetischen Sanierung des Altbaus unterrichtet. Dabei werden die einst verwendeten schadstoffhaltigen Materialien entfernt und entsorgt.
Feuchtigkeitsschäden im Untergeschoss
Im Untergeschoss, in dem sich auch Klassenräume befinden, gebe es Feuchtigkeitsschäden. Ebenso bei den tragenden Dachbalken, die zudem noch von Schädlingen befallen sind. Von der WC-Anlage im Erdgeschoss gehe sehr starke Geruchsbildung aus, so Harm. Der Sanitärbereich müsse komplett erneuert werden, eine Behindertentoilette sei vorgesehen. „Alle Grundleitungen sind auszutauschen“, erklärte der Baumanager. Zu 100 Prozent neu installiert würden Heizung, Lüftung und Elektroleitungen.
Es sei zudem erforderlich, einen separaten zweiten Fluchtweg zu schaffen. „Dafür wird eine optisch passende Außentreppe auf der Nordseite des alten Gebäudes gebaut“, sagte Harm. Sie reiche nur bis zur ersten Etage. „Die ehemalige Hausmeisterwohnung im darüberliegenden Dachgeschoss wird nicht ertüchtigt und wird künftig als Lager genutzt“, so Harm. Er hat diese Schule – und auch die weiteren – zusammen mit Architekten, Fach- sowie Sicherheitsingenieuren, Brandschutzexperten und Statikern unter die Lupe genommen.
Barrierefreiheit würde zu viel kosten
Jeder Klassensaal werde mit einer dezentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Zwingend vorgesehen seien zudem Akustikmaßnahmen, auch in den Fluren. Überall werde die Beleuchtung auf LED-Technik umgerüstet. Die abgenutzten Böden erhielten schwimmend verlegte Beläge. Nicht geplant sei, das Objekt barrierefrei zu gestalten. „Das wäre nur unter extremen Mehrkosten zu verwirklichen“, so Harm.
Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes blieben prägende Details wie schmiedeeiserne Elemente oder die Einfassungen der Portale, die Innentüren und die Verkleidungen der Sockel erhalten. Die vor rund 30 Jahren eingebauten Kunststofffenster würden gegen welche mit Holzrahmen ausgetauscht, wodurch das Haus wieder mehr seinen ursprünglichen Charakter bekomme.
Auch Anbau muss saniert werden
Obwohl der Anbau deutlich jünger ist, biegt sich dessen Dach durch. „Die Statik des Tragwerks, in das Feuchtigkeit eingedrungen ist, wird geprüft“, kündigte der Hochbautechniker an. Auch der Erweiterungsbau soll energetisch saniert werden, er bekomme neue Fenster und Türen. Dabei seien Böden und Wände in Ordnung zu bringen. „Schallmessungen haben gezeigt, dass Nachrüstungen zur Akustikverbesserung erforderlich sind“, erläuterte Harm. Im Außenbereich sei ebenfalls einiges zu tun. „Die kalkulierten Gesamtkosten des Projekts haben wir auf 2024 hochgerechnet und kommen auf brutto 2,76 Millionen Euro“, berichtete er. Die Bauzeit liege bei rund anderthalb Jahren.
Winfried Wolff (Bündnis 90/Die Grünen) wollte wissen, ob für die Klospülung Regenwasser genutzt wird. Der Baumanager verneinte das und erklärte: „Man darf den Aufwand nicht unterschätzen, der betrieben werden muss, um das Wasser hygienisch einwandfrei zu halten.“ Wolff fragte nach einer Photovoltaikanlage. Auf dem Anbau seien bereits Solarmodule installiert, sagte Harm. Auf dem Haupthaus sei das aufgrund der vielen Einschnitte im Dach und Gauben nicht sinnvoll.
Rüttger bedankte sich für die schon sehr detaillierte Vorplanung und wies darauf hin, dass nun erst einmal geprüft werden müsse, ob die Generalsanierung wirtschaftlich sei. Unrentabel sei ein Vorhaben, wenn die Kosten der Modernisierung 80 Prozent des Aufwands für einen Neubau überschreiten.
Langes Warten in Kirchheim
Bis eine Aussage über die Wirtschaftlichkeit vorliegt, kann es eine Weile dauern. „Für den Schulneubau in Kirchheim liegt der Entwurf seit Anfang des Jahres beim Land. Eine Antwort steht bis heute aus“, berichtete Rüttger auf Nachfrage von Anja Klose (SPD). Bevor der Neubau nicht offiziell bestätigt sei, dürfe die VG nicht tätig werden. Die anschließende europaweite Ausschreibung für die Planung werde auch noch einmal neun Monate dauern, schätzte er.
Bei der Sanierung des Laumersheimer Schulgebäudes wird es ebenfalls darauf hinauslaufen, dass Bewerber in ganz Europa gesucht werden. Harm hat Brutto-Kosten von 3,47 Millionen Euro errechnet. Die Bausubstanz des 1961 errichteten Hauses wird durch aufsteigendes Grundwasser beschädigt. Bei der Instandsetzung, während der die Kinder in einem Container unterrichtet werden könnten, ließe sich die Schule mit einem Aufzug barrierefrei machen. Falls sich das nicht rechne, könne auf den Lift aber auch verzichtet werden, antwortete Rüttger auf eine Frage von Stephan Schenk (SPD).
Die 114 Jahre alte Gerolsheimer Schule könne nur mit sehr hohem Aufwand behindertengerecht gestaltet werden, erklärte Harm. Die energetische Sanierung käme dort auf 1,95 Millionen Euro.