Grünstadt / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Schulausflüge: Vorsichtig zurück zur Normalität

Vor der Pandemie sind die Neuntklässler des Leininger-Gymnasiums auf dem Eisselmeer segeln gegangen.
Vor der Pandemie sind die Neuntklässler des Leininger-Gymnasiums auf dem Eisselmeer segeln gegangen.

Ausflüge, Exkursionen, Klassenreisen und Kursfahrten – seit zwei Jahren sind solche gemeinsamen und oft sehr lehrreichen Erlebnisse ersatzlos aus dem Stundenplan gestrichen. Wegen der Pandemie war seit März 2020 nichts Derartiges mehr möglich. Jetzt wird vorsichtig wieder das eine oder andere Angebot gemacht.

„Klassen- und Studienreisen sind integraler Bestandteil von Schule“, sagt die Leiterin des Leininger-Gymnasiums (LG) in Grünstadt, Cornelia Diehl. Nach einem von der Gesamtkonferenz verabschiedeten Konzept seien stets mehrtägige Fahrten in vier Jahrgangsstufen vorgesehen. „Die haben wir in der Vergangenheit auch alle durchgeführt“, erzählt die Oberstudiendirektorin. Für Fünftklässler gab es eine Integrationsfahrt über zwei Tage, bei der die „Neuen“ einander kennenlernen konnten. Nach der Orientierungsstufe ging es drei Tage auf Tour mit erlebnispädagogischen Inhalten, die Neuntklässler segelten auf dem Eisselmeer und Oberstufenschüler gingen auf Studienreise.

„Daneben fanden Exkursionen statt, unter anderem zu Museen, zur BASF und ins ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof“, ergänzt Diehl. Es habe eine musikalische Klassenfahrt des Schwerpunktes Musik gegeben, einen Besuch der Naturwissenschaftler im Deutschen Museum in München, eine Romfahrt, einen Skilehrgang und eine Reise der Deutsch-Leistungskurse nach Weimar. Alle diese Aktivitäten seien jedoch Corona zum Opfer gefallen.

Seit März 2020 ist das LG Diehls Schilderungen zufolge primär mit der Rückabwicklung von solchen Fahrten beschäftigt gewesen. „Glücklicherweise hat das Land alle Stornokosten übernommen“, so die Direktorin. In diesem Schuljahr will das Gymnasium erstmals wieder gemeinsame Reisen und Ausflüge wagen, lässt dabei aber viel Vorsicht walten.

Es dürfen keine Kosten entstehen

„In der Unter- und frühen Mittelstufe haben wir uns bewusst gegen Übernachtungen entschieden, da viele Fragen nicht abschließend zu beantworten sind“, sagt Diehl. Zu klären wäre beispielsweise, ob Eltern damit einverstanden sind, dass Geimpfte und Ungeimpfte ein Zimmer teilen. Was geschieht im Infektionsfall? Verfügen Jugendherbergen über Quarantänezimmer? „Fraglich ist unter anderem, wer für zusätzlich entstehende Kosten aufkommt und welche Versicherung diese abdeckt“, nennt sie weitere Unsicherheiten.

Die älteren Schüler sollen aber mehrere Tage unterwegs sein können: „Vor den Sommerferien ist für die neunten Klassen eine Fahrt ins Fichtelgebirge vorgesehen. Die Jahrgangsstufe zehn reist an den Chiemsee. Auch ein Sportcamp ist geplant“, kündigt Diehl an. Studienfahrten in der Oberstufe stünden für September im Kalender. Das Ganze müsse so organisiert werden, dass im Verhinderungsfall keine Kosten entstehen würden beziehungsweise diese durch eine Assekuranz gedeckt wären. Diehl: „Klar ist, dass das Land keine Stornogebühren mehr übernehmen wird.“

Lernen durch Erfahrung

Das Risiko der Rückabwicklung von Reisen trage jetzt der Anbieter, sagt Ulrich Rosner, stellvertretender Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Grünstadt. Es seien aber großzügige Stornierungsbedingungen eingeführt worden. Die IGS plane deshalb wieder Fahrten – natürlich unter Berücksichtigung möglicher Einschränkungen. „Der tatsächlichen Umsetzung sehen wir optimistisch, aber auch mit Spannung entgegen“, so Rosner.

Fahrten und Ausflüge seien aus zwei Gründen sehr wichtig, findet er. Zum einen böten sie die Möglichkeit, statt des Lernens durch mediale und theoretische Vermittlung echte Erfahrungen zu machen. Zum anderen würden bei gemeinsamen Aktivitäten die sozialen Beziehungen in der Lerngruppe, auch zur Lehrperson, intensiviert. „Man lernt sich in anderen Kontexten kennen und entdeckt unbekannte Seiten aneinander“, sagt der stellvertretende Direktor.

Nur Inlandsreisen erlaubt

Auch Matthias Frietsch, Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) Donnersbergkreis mit den Standorten Eisenberg und Rockenhausen, hebt hervor, dass Fahrten und Exkursionen positive Effekte – unter anderem auf den Zusammenhalt in den Klassen und Kursen sowie auf das Sozialverhalten – haben: „Das zeigt die große Anzahl an Reisen und Ausflügen, die wir vor Ausbruch der Pandemie auf die Beine gestellt hatten.“ Jetzt fange man vorsichtig wieder mit der Organisation an.

„Fahrten werden von mir nur für das Inland genehmigt, und nur wenn eine kostenfreie Stornierung möglich ist“, erklärt er. Sein Okay gegeben hat der Direktor bislang für einen Fünf-Tages-Trip der Berufsfachschule I Pflege und Gesundheit. Die hatte der Religionslehrer Ludger Grünewald bereits im vergangenen Sommer angemeldet. „Ich bin ein optimistischer Mensch und habe gedacht, irgendwann muss mal wieder ein bisschen Normalität eintreten“, sagt er.

Mit elf Jugendlichen und zwei Kollegen wird er im Juni nach Berlin reisen. Es wird eine „Reise wider das Vergessen“, berichtet Grünewald. Die Gruppe wird eine Synagoge und die Villa der Wannseekonferenz besuchen, in der Gedenkstätte Sachsenhausen einen Kranz niederlegen, zum Stasi-Knast Hohenschönhausen gehen und an einer Führung durch die Blindenwerkstatt von Otto Weidt teilnehmen, der viele Juden vor der Deportation bewahrte.

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