Leiningerland
Schnelles Internet: Es geht weiterhin nur langsam voran
Bestenfalls notdürftig geflickte Straßen und Wege, krumm und schief verlegte Pflastersteine sowie meterlange Kabel, die überall wild aus dem Boden ragten: Wenn die Bautrupps der Internetanbieter Deutsche Glasfaser und Inexio abzogen, hinterließen sie den Bewohnern der Verbandsgemeinde oft Trümmerfelder. Gefühlt lief es mit dem Bau des Glasfasernetzes überall suboptimal bis völlig chaotisch, tatsächlich in vielen Fällen zumindest so bescheiden, dass der Verbandsgemeindeverwaltung im Dezember 2020 der Geduldsfaden riss. Sie verhängte einen Baustopp. Aus Notwehr, sozusagen.
Eine entsprechende Nachfrage ergab, dass sich das Rathaus nicht anders zu helfen wusste, nachdem seine dauernden Beschwerden wegen der vielen Schäden ungehört verhallten. Mehrfach sei versucht worden, zu den Verantwortlichen beim Internetanbieter Deutsche Glasfaser, mit dem ein Kooperationsvertrag besteht, vorzustoßen und Kritik an der Arbeit der Bautrupps anzubringen. Das misslang jedoch immer wieder. Damit befand sich die Verwaltung übrigens in bester Gesellschaft: Den Ortschefs wie auch Bürgern, deren Privateigentum im Zuge der Bauarbeiten beschädigt worden war, erging es nicht anders.
Alles auf Anfang
Baustopp also. Ab Dezember 2020. Die Verwaltung verfügte, dass die Trupps der Internetanbieter – gleich ob nun Deutsche Glasfaser oder Inexio – keine neuen Baustellen an öffentlichen Straßen und Wegen mehr aufmachen durften, bis die durch die alten verursachten Schäden zu ihrer Zufriedenheit behoben waren. Dazu sollten Pläne vorgelegt werden. Bis der der Deutschen Glasfaser, mit der die VG in erster Linie zu tun hatte, endlich eintrudelte, ging aber noch einige Zeit ins Land. Im Februar, als der Artikel „Glasfaser: Verbandsgemeinde zieht die Notbremse“ erschien, war noch alles in der Schwebe.
Ende April dann wurde verkündet, dass „Die Reparaturen laufen“. Die Deutsche Glasfaser hatte ihren Baupartner ausgetauscht, arbeitete fortan mit dem Unternehmen Connect Energy (Con-e) zusammen und die Verwaltung gab sich vorsichtig optimistisch. Seit März gebe es einen neuen Projektleiter, der erreichbar sei, wenn es Fragen oder Beschwerden gebe, hieß es. Die Schäden in den zehn vom Pfusch betroffenen Gemeinden seien begutachtet worden und es habe keine Diskussionen darüber gegeben, dass das alles so nicht bleiben kann.
Kein Schritt mehr allein
Das weitere Vorgehen stand fest: Gemeinde für Gemeinde sollten neue Bautrupps alles aufarbeiten, was die alten an Chaos angerichtet hatten. Es sollte kein Schritt mehr getan werden, ohne dass die Verwaltung vorher informiert wird. Es sollte eine detaillierte Dokumentation geben. Und wenn Con-e der Meinung war, mit irgendeiner Baustelle fertig zu sein, würde ein von der Verwaltung beauftragter Sachverständiger alles noch mal genau unter die Lupe nehmen. So ging es schließlich wieder ans Werk.
Pech für Bockenheim und Carlsberg: Hier wirkte nicht in erster Linie die Firma Deutsche Glasfaser, sondern Inexio. Und die kooperierte nicht mit der Verbandsgemeinde, sondern im Rahmen eines Förderprogramms des Bundes mit dem Landkreis Bad Dürkheim. Das verkomplizierte die Angelegenheit, zumal das Kreishaus die Ortschefs nicht so sehr unterstützte wie die Verbandsgemeinde.
Noch ein Problem: Anders als in weiteren Ortsgemeinden tauschte Inexio den Baupartner in Bockenheim und Carlsberg nicht aus und der lag mit seinen ausführenden Baufirmen über Kreuz, sodass es immer wieder zu Verzögerungen kam und mehrere Trupps den Bettel hinwarfen.
Der Hoffnungsträger
Um die Situation ein wenig zu befrieden und Grünstadt sowie den Gemeinden im Leiningerland, die bisher unbehelligt waren, ihre Sorgen zu nehmen, gab es am 29. Juli ein Treffen im Rathaus der VG. Vertreter von Inexio und Connect-e sprachen dort über die Fortschritte ihrer Arbeit und über Pläne für die Kommunen, die noch nicht versorgt sind. Unter den Zuhörern befanden sich viele Bürgermeister, denen anzumerken war, dass sie verärgert waren, die sich aber am Riemen rissen, weil sie sich im Grunde nur noch wünschten, dass das Elend ein erträgliches Ende findet.
Viele setzten ihre Hoffnungen in Volker Balbach-Scheufen, den im März eingesetzten Projektleiter von Connect-e. Er hatte sich offenbar als verlässlicher Gesprächspartner erwiesen. Bei dem Termin im Rathaus verkündete er, dass die Liste der Reparaturen in der Verbandsgemeinde bereits zu 85 Prozent abgeschlossen sei und die restlichen 15 Prozent in den kommenden sechs Wochen fertig werden sollten. In acht bis zwölf Wochen sollten in den Gemeinden auch alle bereitgestellten Glasfaseranschlüsse funktionieren, so Balbach-Scheufen. Die allgemeine Erleichterung im Sitzungssaal war förmlich greifbar.
Und was ist nun?
Leider haben sich diese Ankündigungen mittlerweile als zu optimistisch erwiesen. Wie die Verbandsgemeindeverwaltung auf Anfrage mitteilte, sind bislang nur die Bauarbeiten der Deutschen Glasfaser in Bissersheim, Gerolsheim, Großkarlbach, Kindenheim, Laumersheim und Obersülzen „größtenteils abgenommen“. In Bockenheim, Dirmstein, Kirchheim und Obrigheim habe das Unternehmen noch gar keine Abnahme beantragt. Inexio wiederum habe bisher noch gar keine Abnahme beantragt, es darf also davon ausgegangen werden, dass die Firma auch noch ein Stück von der Fertigstellung entfernt ist.
Im Moment tut sich sowieso gar nicht, auf den Baustellen ist Winterpause. Erst ab dem 10. Januar wird die Firma Con-e ihre Arbeiten wieder aufnehmen – wenn das Wetter es zulässt. Es bleibt also weiterhin spannend. Leider.