Grünstadt Schirm-Attacke auf Schiedsrichter
GRÜNSTADT. Von einer wahren Kartenflut hat Bernd Schäfer (Freinsheim), der Klassenleiter der Fußball-A-Klasse Nord, bei der Rückrundenbesprechung der Vereine im Clubhaus der DJK Eppstein gesprochen. Negativer Höhepunkt des Fehlverhaltens auf und neben dem Platz war eine Attacke mit dem Regenschirm auf den Schiedsrichter.
„Nach dem Abpfiff eines Spiels in Eisenberg hat eine ältere Dame dem Schiedsrichter auf dem Weg in die Umkleidekabine mit einem Schirm auf den Rücken geschlagen“, berichtete Schäfer. Der Unparteiische habe noch in der Kabine die Polizei gerufen und nach deren Eintreffen Anzeige gegen die Frau erstattet. Inzwischen hätten sich die Wogen etwas geglättet. Die Eisenbergerin habe sich mehrfach beim Referee entschuldigt. Der Fall beschäftigte das Sportgericht, das beim Abbruch des Spiels Spiel DJK Eppstein gegen SC Bobenheim-Roxheim ein zweites Mal tätig werden musste. „Wir streben Rekordzahlen entgegen“, konstatierte der Staffelleiter. Gelbe Karten gab es bisher 682, das sind 108 mehr als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison. Mit 40 Gelb-Roten Karten wurden schon fünf mehr gezeigt, als in der kompletten Runde 2014/15. Und auch bei den Roten Karten (31) ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Vorjahresergebnis (39) übertroffen wird. Schäfer hielt die Delegierten an, auf ihre Spieler einzuwirken, künftig fairer zu Werke zu gehen. Am meisten hat die SG Leiningerland zu diesem miesen Resultat beigetragen. „Mit 58 Gelben, drei Gelb-Roten und vier Roten Karten ist die SG wie im Vorjahr in der Fair-Play-Tabelle Letzter“, stellte Schäfer fest. Besser abgeschnitten haben der VfR Grünstadt II (39/1/1) als Fünfter, die TSG Eisenberg (36/2/4) als Zehnter und der SV Obersülzen (40/6/2) auf dem 13. Platz. In der Rubrik „Unsportliche Ereignisse“, in der ungebührliches Trainer- oder Zuschauerverhalten oder Spielabbrüche registriert werden, hat die A-Klasse gewaltig zugelegt. Wurden in der vergangenen Serie drei Vereine bestraft, so sind es jetzt schon neun. Darunter sind auch Grünstadt, Eisenberg und Obersülzen. Schiedsrichter-Obmann Roland Schäfer (Frankenthal) zeigte sich geschockt von den Zahlen. „Diese Entwicklung macht mir große Sorge, zumal die A-Klasse bisher nicht als „,Klopperliga’ verschrien war“, sagte Schäfer. Er gab den Vereinsvertretern Tipps, wie sie zur Deeskalation beitragen können, forderte sie aber auch auf, Schiedsrichter zu benennen, wenn deren Auftreten nicht in Ordnung gewesen sei. „Ich kann Ihnen aber nicht ersparen, mit Fehlentscheidungen der Unparteiischen zu leben. Sie müssen akzeptieren, dass sie Fehler machen, genauso wie ihre Spieler“, empfahl Schäfer. Im Kreis Rhein-Pfalz gibt es derzeit 272 Referees. Obersülzen erreicht das Soll für die A-Klasse, das bei drei Schiedsrichtern liegt. Nach Schäfers Angaben pfeift für Eisenberg, Grünstadt und Leiningerland jeweils nur ein Referee. Der Staffelleiter informierte, dass die Kosten für die Schiedsrichter pro Partie im Schnitt um rund sieben Euro gestiegen sind, was in erster Linie an einer Spesenerhöhung von fünf Euro liegt. Zudem rechneten die Unparteiischen in dieser Saison im Mittel 75 Kilometer Fahrtstrecke ab, zuvor waren es 66 Kilometer. Im Schnitt kostet ein Spiel rund 47 Euro. Die geografisch ungünstig liegenden TSG Eisenberg und SG Leiningerland müssen mit durchschnittlich 53 Euro am meisten berappen. Kreisvorsitzender Peter Schakewitsch (Carlsberg) teilte mit, dass die B-Klasse Süd einem Rückwechsel, wie er bisher nur in der untersten Klasse möglich war, positiv gegenüberstehe. Rückwechsel bedeutet, ein bereits ausgewechselter Akteur darf wieder am Spiel teilnehmen. Für die A-Klasse-Klubs ist das keine Alternative. Mit einem Abstimmungsergebnis von 16:0 schmetterten sie diese Idee ab. Genauso eindeutig sprachen sich die Delegierten dafür aus, den für den 31. Juli vorgesehen Saisonstart 2016/17 um eine Woche nach hinten zu verlegen. Bernd Schäfer und Schakewitsch erklärten, dass dies nur genehmigt werden könne, wenn sich die Mehrheit der fünf Spielklassen des Kreises für einen späteren Saisonstart ausspreche. Alle Ligen sollen einheitlich starten. „Der Kreispokal geht in die entscheidende Phase“, sagte der Leiter des Wettbewerbs, Klaus Hilbrecht (Beindersheim). Das Viertelfinale ist für den 9. März terminiert. Neben vier A-Klassisten (darunter VfR Grünstadt II) sind noch der TSV Bockenheim aus der B-Klasse und drei Teams aus der C-Klasse dabei. Am 9. April folgt das Halbfinale und das Endspiel wird am 5. Mai ausgetragen. „An dem Tag sollten keine Nachholspiele terminiert werden“, verdeutlichte Hilbrecht. (thl)