Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Sausenheim: Jahresabschlussübung der Feuerwehr in der Kita

Die Wehrleute bergen eine vermisste Person. Etliche Zaungäste beobachten die Übung in der Sausenheimer Kita.
Die Wehrleute bergen eine vermisste Person. Etliche Zaungäste beobachten die Übung in der Sausenheimer Kita. Foto: Benndorf

Dicker Qualm dringt aus den gekippten Kellerfenstern der Kindertagesstätte In den Maulgärten. Kurz darauf stimmt die Brand- und Einbruchsmeldeanlage der Sausenheimer Einrichtung ihr Heulkonzert an, unter dessen durchdringende Töne sich die Martinshörner der Feuerwehr mischen – der Beginn einer Übung mit Herausforderungen.

Schon einige Zeit vor der Alarmierung der Einsatzkräfte, die um 14.04 Uhr erfolgt, haben sich etliche interessierte Zaungäste eingefunden. Fünf Minuten nach dem Notruf treffen ein Feuerwehrwagen und eine Drehleiter mit insgesamt elf Mann Besatzung ein. Nach kurzer Inaugenscheinnahme der Lage werden weitere Kollegen hinzugerufen, sodass schließlich sieben Fahrzeuge und 36 Wehrleute sowie zwei Sanitäter vor Ort sind. In einem echten Brandfall wären weitere Rettungswagen und auch noch Wehrleute aus der Verbandsgemeinde Leiningerland angefordert worden, sagt Thilo Gutenmorgen, der die Jahresübung der Grünstadter Wehr geplant hat. Aber fürs Training wolle man natürlich keine Rettungsmittel binden, die dann im Ernstfall nicht sofort zur Verfügung stünden.

Einsatzleiter Matthias Armbrust rennt auf den Eingang der Kita zu: „Ist hier irgendjemand verantwortlich?“, ruft er. Die stellvertretende Kitaleiterin Cathleen Schüppel informiert, dass zwei Mitarbeiter einer Heizungsfirma im Keller beschäftigt waren, als das Feuer ausbrach. Die beiden Männer seien wohl noch dort unten. Darüber hinaus würden mindestens drei Kinder vermisst.

Nun laufen zwei Atemschutzträger zum Kellerabgang, wo ein Schild vor Gas warnt. Entsprechend vorsichtig öffnen die zwei die Tür – und verschwinden in dickem Rauch. Dieser wird von einer großen Nebelmaschine verbreitet, die sich die Grünstadter von der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen ausgeliehen haben. Derweil sind Schläuche ausgerollt worden, die nun von nachrückenden Kameraden die Treppe hinuntergeschleppt und dann mit Wasser gefüllt werden. Natürlich spart man sich bei der Übung das Löschen, um keinen Wasserschaden anzurichten. Vor dem Gebäude laufen Einsatzkräfte hektisch umher.

Die Vermissten werden mit Wärmebildkameras geortet

Schon wird die erste Person in Form eines authentisch großen und schweren Dummys geborgen. Zwei weitere folgen. Zwei Erwachsene und ein Kind sind demnach gerettet. Wie hat man die in dem dichten Qualm geortet? „Wir haben eine unserer zwei Wärmebildkameras eingesetzt. Auch rufen wir und tasten uns vorwärts“, erläutert Armbrust die Vorgehensweise.

Wo aber sind die zwei noch fehlenden Kinder? Um 14.30 Uhr kommt die erlösende Nachricht, dass auch diese beiden gefunden worden sind. Sie hatten sich vor Angst in den hintersten Raum zurückgezogen. „Kinder verstecken sich in solchen Situationen gern“, weiß Armbrust. Um sich bei der Suche darauf einstellen zu können, sei es sehr hilfreich, im Vorfeld genau zu erfahren, ob Erwachsene oder Kinder vermisst werden. „Ebenso wichtig ist es zu wissen, ob Senioren zu bergen sind.“ Ältere Menschen hören die Rettungskräfte eventuell nicht, könnten verwirrt, gehbehindert oder bettlägerig sein. Mitunter sei es auch nicht möglich, ihnen eine Fluchthaube aufzusetzen, mit der sie durch den Rauch nach draußen gehen könnten, erläutert Armbrust.

Verständigung über Funk schwierig

Inzwischen sind zwei Lüfter aufgestellt worden, die den Qualm aus dem Gebäude vertreiben sollen: ein kleiner, elektrisch betriebener im Keller und ein großer mit Verbrennermotor, der vor dem Haupteingang lautstark seinen Dienst tut. Bei dem Lärm wird die Verständigung über Funk zu einer echten Herausforderung. Minutenlang sind die Wehrleute zu beobachten, wie sie in kleinen Grüppchen beieinander stehen und reden. „Dabei wird noch einmal exakt überprüft, wie viele Personen da sind oder vielleicht doch noch fehlen“, erläutert Gutenmorgen. Von hinten über den Spielplatz der Kita – und somit von den Zuschauern unbemerkt – seien drei Trupps in das Gebäude eingedrungen und hätten es systematisch durchkämmt. „Wir konnten nicht von vorn hineingehen, weil dort eine Brandschutztür ist. Hätten wir die geöffnet, wäre das ganze Haus verraucht gewesen.“ Außerdem habe man verschiedene Stellen informieren müssen, unter anderem die Stadtwerke, die Kläranlage und den Bürgermeister, da es sich bei der Kita um eine städtische Einrichtung handele, so Gutenmorgen.

Dass es ein öffentliches Gebäude ist, war laut Wehrleiter Jens Michel eines der Auswahlkriterien. Zudem kenne man die kürzlich erweiterte Kita noch nicht genau, „und sie ist etwas abgelegen mit engen Platzverhältnissen“. Kreisfeuerwehrinspekteur Michael Müller, der die Übung abnimmt, lobt das „interessante Objekt“ und den „sehr realistischen Ablauf“.

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