Obrigheim
Sammeln als Hobby: Dieser Pfälzer Musik-Fan hat 25.000 Platten im Regal
Als Harold Schuck und seine Frau das Haus seiner Schwiegereltern übernommen haben, war ihm klar: Die Doppelgarage wird halbiert. Denn dort sollte Platz für sein Hobby entstehen. Inzwischen gibt es sogar einen zweiten Raum im Haus. Gemeint ist damit aber nicht, dass er darin herumwerkelt oder Sport treibt: Schuck sammelt Schallplatten und CDs. Mehr als 25.000 von ihnen sind dort aufgereiht, auch ein Jukebox-ähnlicher CD-Spieler und die Original-Theke des GS-Shops, den es früher in Grünstadt gab und in dem Schuck gejobbt hat. Zwei bis drei Stunden pro Tag investiert er in seine Platten, hört sie, sortiert sie, mistet aus, um sie wieder zu verkaufen.
Vom Song zur Sammlung
Angefangen hat Schucks Hobby mit einem Song im Radio, und zwar von den Beatles. Damals, 1963, war er noch ein Bub, gerade 13 Jahre alt – und Feuer und Flamme. „Ich habe mir mit meinem Taschengeld für 3,75 Mark eine Single im Monat gekauft“, erinnert er sich. Der erste Plattenspieler sei von Quelle gewesen und nur eine Übergangslösung – zwei Jahre später erstand er eine qualitativ wertigere Variante, das erste, was er sich von seinem Lehrlingsgeld kaufte. „Der hat 465 Mark gekostet, das war viel Geld, und ich habe nur 75 Mark im Monat verdient“, so Schuck. Aber die Musik begeisterte ihn so sehr, dass er die Sammlung ausbaute. Und weil das Hobby damals noch recht teuer war, habe er mit einem Tonband viele Lieder aufgenommen – um sie später doch noch zu erwerben.
Denn als Schuck besser verdiente, fand er andere Wege, an die Platten zu kommen: Haushaltsauflösungen, Auktionen und Flohmärkte. All das nutze der 76-Jährige heute immer noch. Später, als sie auf dem Markt waren, kamen auch CDs dazu, wobei er den Klangunterschied durchaus bemerkte – und deshalb lieber bei Vinyl geblieben sei, bis heute.
Großkauf für 6000 D-Mark
Schuck kaufe allerdings heutzutage gezielter. „Man kann alles kaufen, aber der Wiederverkauf ist schwerer geworden“, sagt er. Das erklärt auch sein Vorgehen: Er sucht nicht nur nach Platten, die ihm gefallen, sondern auch solche, von denen er sich Beliebtheit erhofft. Früher habe er bei Flohmärkten auch mal „15.000 Singles“ für 6000 D-Mark übernommen.
Das mache er inzwischen nicht mehr. Auf Flohmärkten oder Plattenbörsen stöbern gehöre aber mehrfach im Jahr dazu. „Es ist aber eine andere Generation“, sagt er über die Platten-Liebhaber, wobei er sich darüber freue, dass auch jüngere Künstler ihre Alben wieder auf Platte produzieren und veröffentlichen. Schuck hat seinen Fokus auf den 1970er-Jahren, vor allem auf den Beatles und den Rolling Stones. „Es ist der Sound der Zeit“, schwärmt er. Die Bands faszinierten ihn. Von beiden hängen einige Plakate an den Wänden seiner Hobby-Räume, an der Decke wiederum Platten von Beatles-Singles.
Musik-Plausch beim Vinyl-Stammtisch
Über die britische Band hat er einiges an Wissen angehäuft, das er nebenbei ausplaudert – oder teilt. Denn Schuck teilt seine Leidenschaft mit einigen anderen Menschen aus der Region, dem Vinyl-Stammtisch, der sich monatlich trifft und gemeinsam Musik hört und darüber spricht. Das möchte der Obrigheimer auch weiter tun, so sein bescheidener Traum: „Ich will meine Sammlung noch möglichst lange genießen.“ Ein, zwei bestimmte Beatles-Platten und Sonderausgaben stehen auch noch auf der Wunsch-Liste, fügt er schmunzelnd an. Etwas Platz hat er ja noch.