Leiningerland
Ruftaxi in der Verbandsgemeinde steht vor dem Aus
Warum wird der Ruftaxiverkehr eingestellt?
Hintergrund ist, dass der zuständige Transportdienst Mietwagen Schwab den bestehenden Vertrag mit der Verbandsgemeinde Leiningerland gekündigt hat. 2009 hatte die VG mit dem Unternehmen aus Carlsberg eine befristete Vereinbarung geschlossen, die 2013 verlängert wurde – diesmal ohne Befristung. Laut Verwaltung kam es zur Kündigung, weil es aus Sicht des Unternehmens inzwischen zu viele Überschneidungen zwischen den aktuellen Spätfahrten des Busverkehrs und des Ruftaxis gibt. Zuvor hatte der Kreis Bad Dürkheim zum Dezember 2023 das Fahrtenangebot erweitert, um unter anderem Hettenleidelheim als Ort ohne Bahnanschluss stärker den öffentlichen Nahverkehr einzugliedern. Außerdem sei die Nachfrage der Fahrgäste zu gering.
Wann stellt das Ruftaxi den Verkehr ein?
Da das Unternehmen den Vertrag fristgerecht zum 31. Dezember 2024 gekündigt hat, fährt bereits ab Neujahr kein Ruftaxi mehr. Das bedeutet konkret: Die bis zu 20 Haltepunkte entlang der Strecke, die von Grünstadt über Tiefenthal, Hettenleidelheim, Wattenheim sowie Carlsberg und Hertlingshausen nach Höningen führt, werden in beide Richtungen nicht mehr angesteuert.
Wie viele Bürger nutzten das Ruftaxi bisher?
Um das einschätzen zu können, hat die Verwaltung exemplarisch den Zeitraum zwischen August und September 2024 untersucht. Demnach wurde das Ruftaxi im August insgesamt 167 Mal per Anruf bestellt und genutzt, während im September lediglich 101 Bürger den Transportdienst in Anspruch nahmen. Betrachtet man nur die Sonntage, an denen der Busverkehr deutlich eingeschränkt ist, fuhren an beiden Monaten 27 und 21 Bürger mit dem Ruftaxi.
Welche Fahrtzeiten werden nur durch das Ruftaxi abgedeckt?
Montags bis samstags fahren parallel zu dem Ruftaxiverkehr die Busse der Linien 454 (Grünstadt – Carlsberg – Hettenleidelheim – Eisenberg) und 457 (Grünstadt – Hettenleidelheim – Eisenberg – Ramsen – Enkenbach). Von Montag bis Samstag fährt der letzte Bus nach dem aktuellen Verkehrsplan um 21.05 Uhr ab dem Grünstadter Bahnhof über Hettenleidelheim in Richtung Eisenberg. Samstags und sonntags beginnt die letzte Fahrt des Tages jeweils um 22.05 und 19.05 Uhr. Wer anschließend noch nach Hettenleidelheim oder einen der anderen Ort möchte, kein Auto hat und auch kein Taxi rufen möchte, ist auf das Ruftaxi angewiesen.
Wie viel hat das die Verbandsgemeinde bisher gekostet?
Im vergangenen Jahr kostete das Ruftaxi-Angebot nach Angaben der Verwaltung rund 22.100 Euro. Die VG muss allerdings die Kosten nicht vollständig aus eigener Tasche zahlen: Ein Teil trägt der Verkehrsverbund Rhein-Neckar, der 2023 rund 9890 Euro von der Gesamtsumme übernahm.
Wie bewertet die Verwaltung die Notwendigkeit des Ruftaxiverkehrs?
Bei dem Ruftaxi handelt es sich um eine freiwillige Leistung der Verbandsgemeinde, um den ÖPNV zu ergänzen. Die ehemalige VG Grünstadt-Land hatte das Angebot vor der Fusion etwa nicht gemacht, lediglich die VG Hettenleidelheim. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob das Ruftaxi mit einem anderen Dienstleister fortgesetzt werden soll. Dazu hat die VG-Verwaltung eine eindeutige Meinung: Sie schlägt mit Blick auf die Nutzungszahlen vor, die Sinnhaftigkeit eines künftigen Ruftaxis kritisch zu hinterfragen.
Wie ist die Stimmungslage im VG-Rat?
In eine andere Richtung gehen die Meinungen der Ratsmitglieder, die die Nutzungszahlen in die gegenteilige Richtung interpretieren. „Das Ding zu diesem Zeitpunkt zu beerdigen, wäre schade, weil der Bedarf doch da ist, wie man sieht“, sagte etwa Daniel Krauß (SPD) während der Sitzung des VG-Rats. Zustimmung erhielt er unter anderem von Nicole Eichler (FWG). „Ich habe auch ein bisschen das Gefühl, dass das Ruftaxi einfach in Vergessenheit geraten ist“, sagte sie und schlug deshalb vor, künftig stärker für das Angebot zu werben, sollte es zu einer Fortsetzung kommen. Alexandra Maurer (Grüne) brachte dagegen den Bürgerbus als mögliche Alternative ins Spiel. Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) hielt dem aber entgegen, dass dies allein rechtlich nicht umsetzbar wäre. „Es handelt sich um Ersatzverkehr, der eigentlich Taxiunternehmen vorbehalten ist“, so Rüttger über die Ruftaxis.
Wie geht es nun weiter?
Einen Beschluss, wie es mit dem Ruftaxi weitergehen soll, haben die Mitglieder des VG-Rats bislang nicht gefasst. Laut Rüttger soll im neuen Jahr das Thema erneut auf die Tagesordnung. Sollte der Rat sich dann für eine Fortsetzung des Ruftaxis entscheiden, müsste erst einmal eine erneute Ausschreibung für einen Dienstleister erfolgen – das benötigt in der Regel viel Zeit.