Kolumne „Leininger Nachlese“
Rohrkrepierer: Was es mit der „Anwaltskanzlei Huren & Söhne“ auf sich hat
Aus der Kategorie „Und dann war da noch“ haben wir diese Woche ein Bild von einem liebevoll beklebten Wägelchen zu bieten, das uns am Sonntagnachmittag auf dem Luitpoldplatz ins Auge sprang. Vielleicht passt es auch eher in die Kategorie „Was zur Hölle?“, das dürfen Sie selbst entscheiden. Aufgefallen ist uns die Karre nicht etwa, weil sie knallerot war. Das kommt ja öfter mal vor und beeindruckt niemanden. Auffallend waren vielmehr die Aufkleber. Der am Beifahrerfenster auf dem sinngemäß stand, dass nur Frauen in knalleenger Klamotte einsteigen dürfen, weil es sonst aufgrund des Turboladers zu Atembeschwerden kommen könnte (gähn). Und der Schriftzug, der sich über die Seiten zog: „Huren und Söhne - Anwaltskanzlei“ (schon besser).
Mandantensuche im Rotlichtmilieu?
Zweiterer hat unser Interesse und unsere Fantasie geweckt. Was bitte hat es mit einem solchen Namen auf sich? Würde eine Kanzlei den tatsächlich wählen? Vielleicht, wenn sie Strafverteidigern gehört, die bevorzugt Mandanten aus dem Rotlicht- und Rockermilieu an Land ziehen? Und die super konfrontativ Farbe bekennen, damit „ihre“ Leute sofort wissen, dass sie bei ihnen an der richtigen Adresse sind?
Gut, der Slogan „You Partner In Crime“ ist ein bisschen verdächtig, schließlich sollen Rechtsanwälte ja nicht Komplizen ihrer Mandanten, sondern Organe der Rechtspflege sein – also stets auf der Seite des Gesetzes stehen. Aber wer weiß? Vielleicht hat sich da irgendjemand etwas super Subversives ausgedacht, das sich am Rande der Legalität bewegt? Oder möchte auf diese Art geistreich-humorig daherkommende Kritik am System üben?
Kalauer auf der Website
Der Blick auf die Website hat dann leider enttäuscht. Ein paar Kalauer wie „Wir beraten besserwisserisch und überheblich“ oder „Anerkennung sammeln wir durch unser geringes Engagement und unserer fehlenden Bildungsarbeit“ hatte die noch zu bieten, sorgte aber sonst nur für Verwirrung. Mit toten Links unter anderem. Einem toten Instagram-Account und einer Facebook-Präsenz, auf der zuletzt im September 2022 gepostet wurde.
Nichts mit Subversion oder Systemkritik, übrigens. Es scheint um Autos zu gehen. Irgendwie. Außenstehende müssen das wohl nicht verstehen. Hoffentlich. Aber bedauern dürfen wir es! Das Ganze hätte so schön sein können ...