Grünstadt Raus aus der „Bankenkrise“

Nun bin ich ja schon einige Wochen beruflich im Dekanat Grünstadt gelandet. Privat ist das leider noch nicht der Fall. Da kann man wenig machen, drum will ich auch nicht jammern. Denn – es bringt auch einen Vorteil mit sich. Beim Pendeln zwischen hier und dort kann man sich Gedanken machen. Einer dieser Gedanken dreht sich um die Frage der Gemeindearbeit. Um es vorweg zu sagen, so, wie ich es derzeit erlebe, habe ich das Glück, in eine dynamische Region der kirchlichen Arbeit gekommen zu sein. Doch – und diesen Wermutstropfen bringe ich aus der Westpfalz mit – blicke ich auf die Zahl der mir zugeordneten Gemeindeglieder. Schaue ich dann an einem Sonntag in die Reihen, muss ich auch hier von einer Bankenkrise sprechen. Gerade einmal knapp 5 Prozent der Gemeindeglieder sitzen da. Das sieht ernüchternd aus und ist doch noch besser, als es in meiner vorherigen Gemeinde der Fall gewesen ist. Als Kirche kann man sich nun entscheiden, den schlimmen Zeitgeist als Grund dafür verantwortlich zu machen, oder Verständnis mit den Leuten zu haben, die den Feiertag als Familientag heiligen wollen und deshalb in drei verschiedenen Richtungen (Mutter: Golf; Vater: Radfahren; Kind: Fußball) den Sonntagvormittag begehen. Das ist überspitzt, das gebe ich zu, und wir als Kirche geben uns dennoch damit zufrieden. Hat die Familie doch – ohne Ironie - ihren eigenen Wert. Was uns als Kirche fehlt, ist der selbstkritische Blick. Das heißt, so stimmt das nicht, wir fragen uns schon, warum zu unseren Veranstaltungen (über den Gottesdienst hinaus) nur eine bestimmte Klientel kommt. Doch – ich schließe mich da ein – wir finden nicht die richtigen Antworten. Jetzt ist mir in diesen Tage ein Internet-Blogeintrag in die Hände gefallen, in dem sich eine Kollegin outet, dass es ihr persönlich ähnlich ginge. Wäre sie keine Pfarrerin, die klassischen Veranstaltungen von Gemeinden, sie sprechen sie einfach nicht an. Als Enddreißiger oder Mittvierzigerin findet sie keine Anknüpfungspunkte, kein Bindeglied, kein Wahrnehmen ihrer eigenen Lebenssituation. Und da müssen wir ran. Doch wir sind betriebsblind und brauchen Sie. Die Menschen, denen wir zugeordnet sind, für die wir „da sein“ sollen. Drum mein Plädoyer an Sie: Machen sie mit, stoßen sie an, fordern sie ein. Denn das, was wir zu bieten haben, ist und bleibt unverändert gut – davon bin ich überzeugt. Als Hoffnung in Schweren Zeiten, aber eben auch als Lebensbegleitung und Unterstützung im Persönlichen. Genauso wie dem Speichengriff in politische Räder, die falsch laufen. Nutzen sie die Nähe, die ihnen ihre Kirche, ihre Gemeinde anbietet und gestalten Sie sie mit – so dass es für ihre Bedürfnisse passt. Ich bleibe dabei, genau das lohnt sich.