Grünstadt und Leiningerland
Ramsen: Schienenverkehr bis Enkenbach?
Utopie, frommer Wunsch oder realistischer Ansatz? Dieser Frage ging der Gemeinderat Ramsen am Montagabend nach. Die SPD hatte beantragt, dass das Gremium beschließen soll, die Bahnverbindung nach Enkenbach wieder in Betrieb zu nehmen. Ziel des Antrags war es auch, die Verwaltung der Verbandsgemeinde Eisenberg dazu aufzufordern, alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, um dieses Ziel zu erreichen.
Viele Ramser orientieren sich nach WestenHelmut Pätzold, Fraktionssprecher der SPD, begründete den Antrag damit, dass traditionell viele Bürger der Stumpfwaldgemeinde in Richtung Westen, also nach Kaiserslautern und ins benachbarte Enkenbach-Alsenborn, orientiert seien. Beispielsweise gebe es Arbeitnehmer und Auszubildende aus diesem Bereich, die in Ramser Betrieben tätig seien, andererseits Menschen, die auspendeln, um in Kaiserslautern zu arbeiten. Krankenhaus, Justizbehörden, Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt auch Kulturstätten werden von Ramsern in Kaiserslautern angesteuert. „Vor dem Hintergrund der CO2-Problematik ist es außerdem zu erwarten, dass es für Autofahrer zu immer stärkeren Belastungen und Einschränken kommen werden, was den Bahnverkehr zusätzlich attraktiver mache“, argumentiert die SPD außerdem in ihrem Antrag.
Zweifel an Wirtschaftlichkeit
Zunächst stieß sie damit bei den beiden anderen Fraktionen auf wenig Gegenliebe. „Ich bezweifele stark, dass es sich wirtschaftlich umsetzen lässt, dass die Strecke wieder in Betrieb genommen wird, deshalb werde ich gegen den Antrag stimmen“, sagte beispielsweise Martin Conradt, der Fraktionssprecher der CDU. Franz Blum (FWG) führte ins Feld, dass solche Vorstöße bereits in der Vergangenheit erfolglos unternommen worden seien. Schon alleine 400.000 Euro seien als Kosten ermittelt worden, um die Eiswoogbrücke - eine genietete Stahlkonstruktion - untersuchen zu lassen, da das gesamte Bauwerk dafür eingehüllt werden müsste. Armin Litwitz (FWG) verwies auf Videos im Internet, die belegen sollen, dass der Tunnel hinter den beiden Brücken in Richtung Enkenbach einsturzgefährdet und teilweise schon verfallen sei.
Diese Meinung teilte ein Bürger im Gespräch, das im Anschluss an die öffentliche Sitzung stattfand, keineswegs. „Der Tunnel ist von sehr guter Substanz, nur an ehemaligen Wartungsstellen wurde wohl ein Teil der Tunnelwand durch illegale Grabungen beschädigt.“ Er selbst habe den Tunnel schon begangen, er sei komplett erhalten und auch zu durchqueren, so der Bürger.
Beschluss wird ausgesetzt
Vor allem der Zustand der Brücken wurde in der sich dann im Kreis drehenden Debatte immer wieder als Argument angeführt, warum sich die Strecke möglicherweise nicht reaktiveren lasse. Sowohl FWG als auch CDU wollten sich zunächst gegen den Antrag der SPD aussprechen. „Was vergeben wir uns denn, wenn wir das prüfen lassen, Behörden, Bahn und ÖPNV-Vertreter befragen lassen“, hielt Pätzold dagegen. Es solle ja nicht versucht werden, auf Kosten der Gemeinde eine Reaktivierung zu finanzieren, sondern nur die Möglichkeiten sollten geprüft werden, auch vor dem Hintergrund, dass für viele Projekte derzeit Mittel bereitgestellt werden. Es gelte über die Corona-Zeit hinaus zu denken, so der SPD-Fraktionssprecher. Der Beschluss wurde vom Gemeinderat ausgesetzt, die Fraktionen sollen beraten.