Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Radweg Leininger Tal: Zurück auf Los

Hier könnte nach Ansicht von Bürgermeister Rüttger künftig der Radweg verlaufen: Der Weg rechts ist die Verlängerung des Kreuzer
Hier könnte nach Ansicht von Bürgermeister Rüttger künftig der Radweg verlaufen: Der Weg rechts ist die Verlängerung des Kreuzerwegs, links geht es mit Blick auf Neuleiningen weiter durch die Weinberge. Foto: Benndorf

Noch mindestens zwei Jahre dauert es, bis eventuell mit dem Bau des Radwegs im Leininger Tal begonnen werden kann. Das ist das Fazit eines Gesprächs mit Verbandsbürgermeister Frank Rüttger (CDU). Nicht nur die Kosten für das Projekt sind noch zu ermitteln, auch die Trassenführung steht erneut zur Diskussion.

Rüttger machte bei der Aussprache gestern deutlich, dass das Ziel der Verbandsgemeinde Leiningerland bei diesem Projekt eine sichere Radroute zwischen Kleinkarlbach und Altleiningen sei. Auf welcher Trasse dieser Weg geführt werde, sei zu diskutieren. „Denkverbote“ dürfe es dabei nicht geben. Vorgesehen war bislang ein Radweg von Sausenheim ab Karrendurchfahrt (Verlängerung Kreuzerweg) bis zum Bahnhofsplatz in Altleiningen, der als Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Grünstadt realisiert werden sollte. Geplant ist bisher, dass die Route im Bereich Sausenheim über einen bestehenden Wirtschaftsweg geführt wird und kurz vor Kleinkarlbach auf die Bahntrasse einschwenkt. Eine vage Kostenschätzung, die laut Rüttger auf älteren Daten fußt, ergab eine Investitionssumme von 4,55 Millionen Euro. Viel Geld für einen sieben Kilometer langen Radweg, meint Rüttger und hat daher Alternativen für die Routenführung ausgearbeitet, die er in einer 45-seitigen Dokumentation zum Stand des Projekts im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Verbandsgemeinde am 12. September vorgelegt und gestern auch der RHEINPFALZ zur Verfügung gestellt hat. Seiner Ansicht nach könnten diese Vorschläge dazu beitragen, dass die Kosten für das Projekt reduziert werden.

Alternative bei Sausenheim: Über den betonierten Weg

Die Alternative im Bereich Sausenheim sieht vor, dass der Radweg nach der Karrendurchfahrt nicht nach rechts auf den Wirtschaftsweg führt, sondern geradeaus der betonierten Route folgt, die schon als Radweg ausgewiesen ist, ab der Wegkreuzung auf der Anhöhe nach Westen führt und im Bereich der Firma Wellpappe auf den bislang favorisierten Wirtschaftsweg einbiegt. Der Vorteil sei, dass nicht neu gebaut werden müsste, da hier schon ein befestigter Radweg vorhanden sei. Dann würde die Route ein Stück über die Bahntrasse und das Viadukt in Kleinkarlbach führen, was Rüttger als „Highlight“ der Strecke bezeichnet.

Alternative im Tal: Entlang des Waldwegs

Auch für die Routenführung im Leininger Tal hat Rüttger eine Alternative angedacht: Der Radweg könnte statt auf der Bahntrasse auf dem dortigen Waldweg bis zum Altleininger Ortsteil Drahtzug ausgebaut werden. Das hätte den Vorteil, dass der Eingriff in die Natur nicht so groß wäre wie bei der Route über die Bahntrasse, für die 800 bis 900 Bäume gefällt werden müssten. Der Verzicht auf die Rodung würde zudem die Kosten verringern. Außerdem könnten eventuell Synergieeffekte genutzt werden, da auf dem Waldweg auch die neue Wasserleitung der VG-Werke gebaut und möglicherweise hier eine Gasleitung der Firma Creos verlegt werde. Keine Einsparung sei aber durch die teilweise Nutzung der Bahntrasse zu erhoffen. Die Deutsche Bahn AG habe deutlich gemacht, dass sie die Bahntrasse nur als Ganzes verkaufe, ein Teilerwerb sei nicht möglich, so dass es bei den Kosten von rund 160.000 Euro bleibe.

Die Räte müssen entscheiden, welche Trasse sie wollen

Welche Trassenführung letztlich favorisiert werde und für welche Route detaillierte Kostenberechnungen vorgenommen werden sollen, hätten VG-Rat und Stadtrat zu beschließen, informierte Rüttger. In jedem Fall sei mit neuen Planungskosten zu rechnen. Rüttger geht davon aus, dass diese Entscheidungen frühestens zum Jahresende anstehen. Der Verbandsbürgermeister machte zudem deutlich, dass er beim Zusammenstellen der Fakten zu der Erkenntnis gekommen ist, dass man zurzeit wieder auf dem Planungsstand von 2015/16 sei. Der Förderantrag beim Land, den die damalige VG-Verwaltung Grünstadt-Land im Juli 2016 eingereicht hatte, sei vom Landesrechnungshof gut ein Jahr später als „nicht prüffähig“ bezeichnet worden. Unter anderem war moniert worden, dass die angegebenen Sanierungskosten für die vier Brücken auf der Route nicht detailliert genug waren, wir berichteten im September 2017.

Ortsgemeinden wurden nicht gefragt

Rüttger ist zudem der Ansicht, dass der Förderantrag für das Projekt, dessen Planung schon 2007 begann, so nicht hätte gestellt werden dürfen. Denn im Sommer 2016 waren die Kosten für den Radweg schon bei 3,65 Millionen Euro angekommen und der Anteil der Stadt hätte nach Abzug des versprochenen Landeszuschusses bei rund 550.000 Euro gelegen. Nachdem der Stadtrat 2015 für den Grünstadter Anteil eine Obergrenze von 500.000 Euro festgelegt habe, hätte das Gremium erneut beschließen müssen, ob die Stadt sich weiter an dem Vorhaben Radweg beteiligt. Weiter moniert der VG-Bürgermeister, dass anscheinend auch bei den von der Radroute tangierten Ortsgemeinden keine Zustimmung zur Nutzung ihrer Gemarkung eingeholt worden sei. Zumindest fänden sich in den Akten keine Angaben zu eventuell geführten Gesprächen. Insgesamt sei die Aktenlage zu dem Projekt recht dürftig, berichtete Rüttger, der der neuen VG Leiningerland seit Januar 2018 vorsteht. Es fehlten zum Beispiel Vorverträge zum Erwerb von Grundstücken und Angaben zum Umfang der erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe in die Natur. Insgesamt listet Rüttger 14 Punkte auf, bei denen er noch Klärungsbedarf sieht.

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