Grünstadt Possenspiel mit viel feinsinnigem Witz

In zwei vergnüglichen Stunden entführte die Laienspielgruppe Neuleiningen bei der Premiere ihres neuen Zwei-Akters „Ein wahrer Menschenfeind“ das Publikum am Samstag im Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule nach Paris im Jahr 1850. Das Stück entstammt der Feder des französischen Lustspieldichters Eugéne Labiche. Alles dreht sich um einen reichen, in seiner Gefühlswelt aber armen Misanthropen, der geplagt ist vom ewigen Misstrauen gegenüber den Menschen.
Amüsant, mit feinsinnigem Witz haben die sieben Laienschauspieler die Posse um Lügen, Schmeicheleien und Wahrheitsfindungen umgesetzt. Fast ein bisschen auf den Leib geschrieben scheint die Geschichte für Stefan Doetsch, der die Rolle des wohlbetuchten, miesepetrigen „Saueressig und Trübsalbläser“ Monsieur Chiffonet spielt. Dessen drei Angestellte, die umsichtige Hausdame Prunette (Insa Kluge) sowie die Diener Jean (Georg Blum) und Bastien (Harald Ober) lassen kein gutes Haar an ihrem betuchten Chef, reden ihm aber nach dem Mund – des Friedens und des Geldes wegen. Sie richten den feinen Salon für den Abend und das große Fest her, das Monsieur für die vermeintlichen Freunde geben will. „Ein Jammer, diese Menschen, alles Lug und Trug“, schimpft der Menschenfeind. Er nennt sie Schleimer und Speichellecker, für die das älteste Gebäck und der sauerste Wein gerade gut genug sind. Seine Gesinnung wandelt sich, als der einfach daher plaudernde Kohlenausträger Machavoine (Patrick Frommherz) in den Salon platzt. Er bringt dem Monsieur dessen abhanden gekommene Brieftasche mit Inhalt zurück. Mit soviel Ehrlichkeit hatte dieser nun wirklich nicht gerechnet. Als Wahrheitsfanatiker schlägt Chiffonnet dem „ehrlichen Kerl“ einen gut dotierten Freundschaftsvertrag inclusive Kost und Logie im Haus vor. „Andere zahlen für Lügen, ich bezahle für die Wahrheit.“ Kohlenträger Machavoine nimmt an, braucht er sich doch bei seiner Arbeit „un soviele Piepe uff emol“ nicht mehr dreckig zu machen. Ab sofort steht er in schnieker Livree-Ausstattung seinem Chef Chiffonnet zu Diensten. Bald kann dieser die überhand nehmenden Wahrhaftigkeiten aber nicht mehr ertragen, zumal sich Machavoine beim Herrichten von Frack, weißem Rüschenhemd und Perücke („do isser, de Kaffeewärmer!“) über Chiffonet lustig macht: „Zum Schießen! Nur Bauch und kää Bää, der sieht jo aus wie en Kürbis“, lästert er. So viele Direktheiten gehen Monsieur auf die Nerven. Er sinniert, wie er den „Kamuffel“ wieder loswird. Vielleicht könnte die clevere Hausdame Prunette dabei helfen, aus dem ehrlich-aufrichtigen, einstigen Brennstoffversorger doch einen notorischen Schwindler zu machen? Das gelingt ihr, mit einem Trick, tatsächlich. Sie rettet geschickt eine leicht verfängliche Situation, die den eifersüchtigen Pferdenarr Coquenard (Christoph Frommherz) beschwichtigten kann. Dessen angetraute, allerliebst treue Madame Coquenard ( Lisa Wischnowski) hat sich keinerlei Liaison schuldig gemacht. Am Ende ist Monsieurs Ego erzürnt. Vermeintliche Freunde, alle behaftet mit Lug, Trug und Heuchelei haben abgesagt, dienendes Personal den Salon verlassen. „Der wahre Menschenfeind“ ist solo, lediglich der im Käfig sitzende Kanarienvogel namens „Camouflage“ leistet Gesellschaft. „In Zukunft will ich alleine entscheiden, was Wahrheit oder Lüge ist. Ich allein, ich!“ tröstet sich der Misanthrop. Viel Applaus am Ende der Premiere für eine beachtliche Leistung durch das Theater-Team, eine Untergruppe des Heimat- und Kulturvereins. Souffleusen waren Gabriele Blum und Rita Dresel. (gsp)